In den letzten Woche wurde lange darüber diskutiert und gestritten, nun kommt die Ex-RAF-Terroristin im März aus der Haftanstalt. Nach 24 Jahren. Die Politiker sind sich einig, das ist genug. Egal ob links, rechts, ob grün oder blau, die Meinung ist einheitlich. Und ich muss – vielleicht das erste mal überhaupt – Edmund Stoiber rechtgeben, wenn er eine Entschuldigung bei den Angehörigen der RAF-Opfer fordert.
Wenn das Oberlandesgericht seine Entscheidung damit begründet, dass keine Gefahr mehr für die Allgemeinheit bestehe, dann klingt das in meinen Ohren beinahe lächerlich. Denn darum allein kann es nicht gehen in diesem Fall, nach diesem Gesichtspunkt hätte man Brigitte Mohnhaupt auch schon viel früher freilassen können. Aber das ist es halt nicht, viel mehr sollte es wirklich um die Frage der Reue gehen. Das vorhandene Schuldeingeständnis reicht da kaum aus, Schuld und Sühne sind geleistet, aber das wichtigste ist, dass man die Verantwortung nicht nur übernimmt, sondern eben auch erkennt, was sie eigentlich bedeutet.
Ich kann nicht in Brigitte Mohnhaupts Kopf schauen, ich habe nicht mit ihr gesprochen, ich war sogar noch lange nicht geboren, als sie in Haft kam. Ich kann sicher nicht verstehen, was in einem Menschen vorgeht, der sein halbes Leben im Gefängnis verbracht hat. Wie sie über ihre Taten nachgedacht hat, weiß ich nicht. Aber ich wünsche ihr, dass sie so stark aus dem Gefängnis kommt, dass sie ihre RAF-Vergangenheit nicht als “Identitätskrücke”, wie es der Wissenschaftler Wolfgang Kraushaar nennt, braucht. Dass sie nicht, wie von Spreeblick prognostiziert, durch die Talkshows tingelt, um sich der Realität nicht stellen zu müssen: Dass es die RAF nicht mehr gibt. Dass sie noch ein paar Jahre zu leben hat.



Naja! Du schreibst selbst, dass:
“das wichtigste ist, dass man die Verantwortung nicht nur übernimmt, sondern eben auch erkennt, was sie eigentlich bedeutet.”
Und eigentlicht bedeutet die Freilassung Mohnhaupts das Einhalten der Regeln unseres Rechtsstaates. Vor diesem Hintergrund ist auch keine Entschuldigung erforderlich, denn eine solche ist keine der Bedingungen für die Freilassung.
Der Staat hat sich seinerzeit dafür entschieden, die RAF-Terroristen “gewöhnlichen” Verbrechern gleichzustellen und muss nun in dieser Hinsicht verfahren, was ich für legitim handle.
Dass die Angehörigen der Opfer im Fernsehen bekunden, dass sie Entschuldigungen hören möchten, dann zeigt das für mich, dass sie keine eigentliche Entschuldigung wollen. Sie möchten Rache in der Form einer öffentlichen Demütigung der Täter durch den Akt der öffentlichen Entschuldigung. Heissa hoppsassa, das Motiv der Rache trieb seinerseits die RAF-Terroristen an.
Und dieses Volk von konturlosen Kaiserkrücken lechzt geifernd nach der ersten Talkshow in der eine global mediale Steinigung der Täter stattfinden kann, die rein rechtlich ihre Schuld abgesessen haben.
Morden ist ebenso wenig ein Ausweg wie die Gier nach Lippenbekenntnissen. Eben solchen Lippenbekentnissen, die seinerzeit RAF-Terroristen animiert haben, Anschläge zu verüben. Wenn auch auf anderen Ebenen werden die Opfer hier zu Tätern und verhohnen unseren Rechtsstaat, der auf “Vergessen” und “Abbau” von Schuld fußt.