Gestern

12Apr07

war ich ja auf der Bloglesung in Köln, davor noch in Bonn im Museum (dazu aber später – vielleicht).

Nun, ich war so gegen 20.00 Uhr da, nach dem doch recht langen Rumwandern in Bonn und Köln (inklusive Kafka-Lektüre auf der große Treppe vorm Dom) tat das Sitzen ganz gut. Die erste Enttäuschung kam aber schon mit dem Kellner: Es gab tatsäschlich Pepsi, noch dazu mit Eis und Zitrone. Diese langwelige Chose war definitiv nicht geeignet, mich wieder ein wenig zu erwecken, was ich – auch wegen einer gewissen Schlaflosigkeit die Nacht zuvor – gut gebrauchen hätte können. Nun, war nix. Also habe ich, trotzdem mit einer zweiten Coke, ach nein, “Cola” – Bier oder sonstige Alkoholika konsumiere ich ja artuntypischerweise nicht – auf die Ankunft der Lesenden und Hörenden gewartet.
Gegen 21:00 Uhr – Beginn? – wurde es langsam voller.
Um ca. 21.15 kam dann auch der Herr Winkelsen herein, während die Techno-Quälerei bereits seit einer halben Stunde noch lauter werdend den gemäßigten Geräuschpegel überschritten hatte.
Schließlich ertönte – es war mittlerweile halb zehn vorbei – das Intro. Gut, ich wusste nicht, dass es das Intro war, aber es was kein Techno, und das war gut. Allerdings auch nur so drei Minuten lang.
21.45, ein Mann betritt den Rednerpult. Zuvor ließen die herbeigetragenen Getränke – Wasser und RedBull – auf etwas wie einen Beginn schließen. Tatsächlich kommt nun eine gewisse Einführung – was ist ein Blog, was wird gelesen, wer liest eigentlich. Und dann auch schon die Redner.
Fünf waren es ja an der Zahl, Dr. Sno*, Roman Libbertz, Nilzenburger, Rose und MC Winkel (soweit ich mich erinnere in dieser Abfolge).
Vor jedem Redner ertönte immer schön ein Intro – wohl eine Attacke vom Emmse – damit man die Typen nicht verwechselte. Das war aber auch von den Texten her nicht wirklich eine Gefahr, gab es doch eine interessante Bandbreite an Texten zu hören. Leider allerdings nicht immer so gut vorgetragen wie geschrieben. Besonders beim MC Winkel habe ich mir ein ums andere Mal gewunschen, er hätte die Texte vorher mal durchgelesen, wenn er bei diesem oder jenem Schreibfehler hängenblieb – und nicht nur dort. Augenscheinlich hätte er mehr als nur eine Mütze Schlaf mehr brauchen können (was er auch deutlich sagte…). Roman Libbertz dagegen schien eine gewisse Freude daran zu haben, depressive Geschichten zum Besten zu geben, was irgendwie nicht ganz in die Szene passte, dafür umso besser zu seiner angeschlagenen Stimme (Gut, für die kann er nichts…). Dafür waren Nilzenburger und Dr. Sno* als Redner richtig gut, bei mit mehr als nur Vorlesestimmen, besonders Nilzenburger schon beinahe in Hörspielqualität, Dr. Sno* dagegen im zweiten Durchgang mit der gekonnten Parodie eines Damen-Quartetts überzeugend. Bleibt noch Rose… von der ich nicht enttäuscht war, weil ich nach einer vorab gelesenen Rückschau auf die erste Lesung nicht viel erwartete. Es kam dann auch genau so, übermäßige Benutzung von Fäkalsprache und ein – man kann es nicht anders sagen – chaotischer Lesestil, bei dem sich schnell und langsam in einem kakophonen Rhythmus abwechselten, ließen mich zwischen Ekel und Gähnen entscheiden (ich entschied mich für Gähnen). Für sie bleibt mir am Ende nur das Fazit, dass man augenscheinlich lustig ohne gut zu sein kann.

Leider war für mich schon nach gut der Hälfte – vor MC Winkels zweitem Auftritt – Schluss, weil ich ja meinen Zug kriegen musste. Insofern ärgert mich die Verspätung doch ziemlich, ich hätte es durchaus gerne bis zum Ende verfolgt.
Die Lesung war insgesamt eine interessante Sache, ich sage mal in bestem eBay-Deutsch: Gerne wieder. Das Top-Leistung muss ich leider aus Ehrlichkeit weglassen, denn nicht alles wirkte geübt und gekonnt, dazu die lange Wartezeit. 45 Minuten sind ziemlich divenhaft, doch leider konnte im Anschluss nicht die entsprechende Leistung geliefert werden – ein wenig Beckham-esk.

Abschließend muss ich sagen, dass die Lesung für mich leider keine runde Sache war – der frühe Abgang stört das Bild gewaltig. Das nächste Mal – ich bin sicher, dass es das geben wird – hoffe ich auf einen pünktlichen (und vllt. auch früheren) Beginn und eine bessere Verbindung. Dann wird alles gut.

Eines noch: die beim Hinausgehen aufgeschnappte Bemerkung “da will einer noch Fußball gucken” weise ich vehement zurück. Ich weiß bis jetzt nicht, wie das Spiel ausgegangen ist!

P.S.: Warum bin ich immer der jüngste und kleinste? Das ist nicht fair! Wenigstens sieht Dr. Sno* mit seinen 7 Dioptrien ohne Brille weniger als ich (aber er hatte eine!)…

8 Responses to “Gestern”


  1. 1 die_schottin Posted April 13th, 2007 - 09:58

    Hast Du vorne am Fenster gesessen? Da hab ich nämlich jemanden verschwinden sehen.

  2. 2 Simon Columbus Posted April 13th, 2007 - 10:16

    Jep, ganz vorne der kleine mit den (nicht mehr ganz so) langen Haaren ;) War ganz praktisch so nah dran zu sitzen, da ich ohne Brille grad noch so bis zum Rednerpult sehen konnte…

  3. 3 besucherin Posted April 13th, 2007 - 13:54

    Sehr gekonnt beschrieben. Doch empfandich die Wartezeit als gute Einstimmung für das, was uns erwartete. Ok, ich gestehe, etwas neidisch war ich schon auf Deine Lektüre, zumal ich sowohl mein Notizbuch als auch mein aktuelles Buch vergessen hatte, dennoch erhaschte ich einige AugenBlicke, die ich als sehr nett empfand. Ein zwei Bloggergeschichten, die ich aufschnappte, ließen mir ein Lächeln ins Gesicht steigen, aus welchem Grunde auch immer.
    Interessant für mich war, die zuvor gelesenen Worte nun zu hören. Manches bekam einen anderen Sinn bzw. die Kenntnis der sich anschließenden Blogkommentare liesen die Betonungen der Worte für mich noch sinnhafter erscheinen. Eine schöne Erfahrung.

    Die indiesemSinnewerdenwirunssicherirgendwoirgendwannwiedersehenwenngleichschweigend Besucherin

  4. 4 Simon Posted April 13th, 2007 - 14:12

    @ besucherin:

    Die Wartezeit hätte ich sicher besser verkraftet, wenn a) die Musik besser gewesen wäre und b) ich nicht so früh weg gemusst hätte.
    Dazu muss ich sagen, dass ich mich mit diesen Party-Geschichten nicht identifizieren kann. Und auch, dass ich ein sehr anspruchsvoller Zuhörer bin (Mein Rhetorik-Kurs zeigt Wirkung…).
    Trotzdem werde ich auch das nächste Mal hingehen. In diesem Sinne: Man sieht sich!

  5. 5 roman libbertz Posted April 16th, 2007 - 18:37

    ich würde zwar eher melancholisch dazu sagen, aber ich habe ja die blogger so ausgewählt, dass für jeden etwas dabei ist. Schade dass die Udaipur geschichte nichts für dich war, aber Geschmack ist nunmal verschieden..
    auf jeden fall danke für den physischen und psychischen support

  6. 6 Simon Columbus Posted April 16th, 2007 - 20:59

    @ roman:

    Ich fand deine Stories durchaus gut – aber sie wirkten in diesem Rahmen etwas deplaziert neben den Partygeschichten der anderen. Melancholisch ist aber sicher der bessere Ausdruck, das “depressiv” war – nicht ungewollt – ein wenig überzeichnet…

  7. 7 Dr.Sno* Posted April 17th, 2007 - 12:02

    Hach, Dein Lob ehrt mich natürlich sehr. Das geht runter wie Bechamelsauce.

    Vielen lieben Dank fürs Dabeisein!

    [Und der Jüngste und Kleinste war ich genauso so lange, bis es sich nicht mehr für irgendwas gelohnt hat jung und klein zu sein]

Who's linking?

  1. 1 MC Winkels weBlog » Blog Archive » Eine Lesereise durch Deutschland Pingback on Apr 16th, 2007
    "[...] Bonnbeuel Besucherin Dave-Kay Suit-up Simon Columbus Christina Steuertusse Schottin JaLogisch MadameSauvage e!genart Lu Franziskript Syrel Der [...] "

Leave a Reply


Comment guidelines: No spamming, no profanity, and no flaming. Inappropriate comments will be deleted outright.




"„Der Unterschied zwischen Reich und Arm ist der, dass die Armen alles selbst tun müssen mit ihren eigenen Händen, die Reichen aber können jemanden anstellen, der die Dinge für sie tut.“"— Betty Smith