Freiheit geben

09Jun07

Manchmal können mich sogar Wikipedia-Artikel berühren. Artikel über Menschen, die ich Idole nennen würde, weil sie so großartiges geleistet haben. Nelson Mandela ist so ein Mensch, ganz sicher. Ich habe gerade den Artikel über ihn gelesen und über Erzbischof Desmond Tutu. Wenn ich lese, was er sagt, dann weiß ich einfach, dass er ein großer Mensch ist, dieser Desmond Tutu. Ein Weiser. Keiner, der Muslime ausbuhen würde.
Ein sicher ganz anderer Mensch – aber eben mit den gleichen Zielen – ist Denis Goldberg. Den hat eine Klassenkameradin vor ein paar Tagen interviewt, den einzigen Weißen, der im Rivonia-Prozess zusammen mit Nelson Mandela verurteilt wurde. Mag sein, dass er nicht Nelson Mandela ist oder Desmond Tutu, und dass er auch keinen Friedensnobelpreis bekommen hat, aber er ist ein Mensch, der sein Leben lang für Freiheit gekämpft hat, 22 Jahre im Gefängnis, und auch heute noch, mit 74 Jahren, als Redner in Schulen.

Diese Geschichten dieser Menschen berühren mich. Da ist eine gewisse Kraft, eine Art Aura, die diese Leute umgibt. Weil sie für das höchste Gut des Menschen gestritten haben, Freiheit. Aber das alleine macht diese Aura nicht aus. Dieses besondere, woher kommt es? Sie haben für ihre Sache gelitten. Sie haben Repressionen hingenommen, um für ihre Sache zu kämpfen, haben in gewisser Weise ihr Leben dafür gegeben.
Das erfordert wirklichen Mut – und irgendwie fühle ich mich schlecht dabei, wenn ich diese Lebensgeschichten lese. Als ein Feierabenddissident, als Freizeitaktivist, der nichts riskiert bei seinem Einsatz. Auch wenn ich weiß, dass viele Menschen noch weniger, gar nichts für ihre Rechte, ihre Freiheit tun, ich fühle mich schlecht dabei, dass ich nicht mehr gebe.

13 Responses to “Freiheit geben”


  1. 1 Herr. S. Posted June 9th, 2007 - 15:38

    yoa … fang mal in ilmenau an! jetzt is ne stelle frei geworden! ;)

  2. 2 gorillaschnitzel Posted June 9th, 2007 - 22:32

    Ich war zu einer Zeit in Südafrika, als längst nicht klar wahr, ob und wie der Übergang von der Apartheid zur “rainbow nation” gelingen würde.
    Die Lebensleistung von Leuten für die Nelson Mandela oder Desmond Tutu stehen, liegt nicht zuletzt darin, diesen Wandel einzigartig positiv beeinflusst zu haben.

  3. 3 Simon Columbus Posted June 10th, 2007 - 01:01

    Das ist sicher auch ein Punkt… aber denk zB mal an Sophie Scholl. Zwar hat “ihre Seite” gewonnen, aber dazu beigetragen hat sie nicht. Trotzdem würde ich sie jederzeit in eine Reihe mit Nelson Mandela und Desmond Tutu stellen…

  4. 4 gorillaschnitzel Posted June 10th, 2007 - 01:14

    Ohne Zweifel…(ich ging jetz rein von Südafrika aus. Zu der Zeit gab es auf Seiten des ANC und v.a. des Inkatha auch zig Scharfmacher, die “da mal andere Saiten aufziehen” wollten. Sich nach 20 und mehr Jahren Gefängnis mit den Leuten zu versöhnen, die einen dafür eingesperrt haben, weil man der Ansicht war, dass schwarze Menschen die gleichen Rechte haben wie weiße Menschen….das ist Größe (Ganz ehrlich: Ich weiß nicht, ob ich das könnte). Das sind die letzten Helden des Planeten.)

    In die Reihe gehören definitiv auch Leute wie Gandhi, Martin Luther King oder Aung San Suu Kyi.
    “Erfolg” oder nicht spielt da weniger eine Rolle….

  5. 5 Simon Columbus Posted June 10th, 2007 - 01:56

    Ich hoffe doch, dass es nicht die letzten Helden sind. Jeder Tag kann einen neuen Gandhi, Mandela oder Aung San Suu Kyi gebären – wir müssen ihn oder sie nur erkennen.

  6. 6 sunny Posted June 10th, 2007 - 02:19

    simon, das wichtigste ist natürlich, seine ziele nicht aus den augen zu verlieren, aber trotzdem gelassen zu bleiben und es zu akzeptieren, dass man sich weiterentwickelt. den kopf oben behalten und sich natürlich auch nach links und rechts (im geographischen sinne, oder übertragenen sinne) umzuschauen, um nicht den boden unter den füßen zu verlieren. und wenn du eines tages etwas bewegen möchtest, dann pack an, pack zu! :-)

  7. 7 teacher Posted June 10th, 2007 - 20:56

    Ich mag lieber die kleinen Helden des Alltags. Die z.B. für und mit N.Mandela gekämpft haben und nicht Präsident mit Nobelvilla in Maputo geworden sind. Davon gibt es Millionen, auch heute noch.

  8. 8 gorillaschnitzel Posted June 11th, 2007 - 00:14

    @teacher: Ja, viele kleine Helden des Alltags (und die Aufzählung war äußerst lückenhaft -und erhob auch keinen Anspruch auf Vollständigkeit). Aber trotzdem ein Aber: Nelson Mandela war eben DIE Integrationsfigur damals in Südafrika. Der ideale Kandidat aller. Hätte eine Direktwahl stattgefunden, Nelson Mandela hätte spätestens bei seiner Wiederwahl an die 80-90 % gekriegt (und das vollkommen demokratisch und ohne Schmu). Ohne Nelson Mandela hätte die ernste Gefahr bestanden, dass die Geschichte Südafrikas blutiger verlaufen wäre. Alltagshelden hin oder her.
    Mir ist ehrlich gesagt nicht ganz klar, was der Verweis auf irgendeine Nobelvilla nun soll. Sei´s ihm gegönnt. Wenn einer, dann lieber er denn ein Despot (wovon es auch noch genug gibt).

  9. 9 Simon Columbus Posted June 11th, 2007 - 02:31

    Je mehr Freiheitskämpfer wie Nelson Mandela ihre Knastzellen gegen die Paläste der Unterdrücker tauschen, desto besser!

  10. 10 teacher Posted June 11th, 2007 - 16:42

    @Nobelvilla:
    Ich habe in S-Afrika den Unmut gehört, dass er sich in die noblen Vororte von Maputo (Mocambique) zurück gezogen hat (und irgendwelche Frauengeschichten dazu). Sollte nur nachdenklich stimmen, weil wir hier in Europa gerne einen reinen Mythos um einen Helden konstruieren, die Wirklichkeit aber viel banaler ist.

  11. 11 pizzablog Posted June 11th, 2007 - 18:48

    @teacher:
    Tja auch Helden sind Menschen mit Fehlern und Schwächen. Aber gerade das macht Mut, weil es im Umkehrschluß heißt, dass in jedem Menschen ein Held stecken kann und man dafür nicht unbedingt superperfekt sein muss.

  12. 12 Simon Posted June 11th, 2007 - 21:52

    @ pizzablog:

    Dein Comment ist leider von Akismet erwischt worden. Vermutlich stehst du auf irgendeiner Spamliste, der Inhalt ist ja nicht gerade verdächtig.

    Ich kann deiner Ansicht nur zustimmen. Ein Fehler macht die Leistung eines Lebens noch nicht kaputt. Aber wir neigen dazu, von großen Menschen immer großartiges zu erwarten. Das Fehler menschlich sind, vergisst man dabei schnell – und auch Nelson Mandela ist nur einer, ein Mensch.

  13. 13 gorillaschnitzel Posted June 12th, 2007 - 12:05

    Nelson Mandela steht eben als Symbolfigur auch für die Mitstreiter.

    Noch schnell was zu den “Frauengeschichten”: Mandela hat sich ein paar Jahre nach seiner Entlassung von Winnie (geflügelter südafrikanischer Spruch: “Winnie makes trouble”) getrennt und ist seither mit der Witwe des ehemaligen mocambiquanischen Präsidenten Marcal zusammen. Daher auch Maputo.

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