Die perfekte Aktion für Nerds…

11Jun07

… oder: Warum ich mich nicht mit Aung San Suu Kyi solidarisieren werde.

Über Global Voices Online kam eben ein Eintrag bei Yangon Thu herein: “Arrest yourself”. Die US Campaign for Burma fordert dazu auf, den 16. oder 17. Juni das Haus nicht zu verlassen – als ob man arrestiert wäre wie Aung San Suu Kyi.

Diese Meldung erinnerte mich sofort an avaaz.org: Demonstrieren, ohne aktiv zu sein. Denn ein Wochenendtag ohne Ausgang ist für mich durchaus nichts besonderes, im Winter sogar die Regel. Die perfekte Aktion für Nerds: Man starte eine LAN-Party oder etwas ähnliches, und schon hat man kein Problem mehr mit dem Arrest.

Doch viel wichtiger ist der zweite Punkt: “Staying home alone, however, is not enough” heißt es dann auch gleich. Tja, man konnte es schon ahnen: Irgendwo muss der Haken ja sein. Und den gibt es tatsächlich, sogar ganz schön groß. Man solle doch eine Arrest-Party feiern. Natürlich nicht, damit die Zeit schneller rum ist: Es geht, mal wieder, ums Geld.

“we are asking every event to raise between $300 and $1,000 for the campaign to help free Aung San Suu Kyi”

heißt es da. 1000 Dollar! Das sind – selbst bei den heutigen Wechselkursen – etwa 750 €uro. Klar doch, das machen wir mal schnell. Ich lade alle meine Freunde ein, die natürlich sehr gerne 20 €uro pro Person spenden werden. Kinder die Hälfte.

Mir gefallen Hilfsorganisationen nicht, die fordern. Ich spende. Ihr werdet die Kampagne kennen: “Sie haben sich gerade mit Schulbüchern eingecremt!” Aber ich will mich nicht von irgendwelchen subtil induzierten Schuldgefühlen freikaufen. Eine Spende – ein Werk der Nächstenliebe – ist doch kein Handelsgut, und erst recht nicht im Tausch gegen meine Gefühle.

Deshalb werde ich Aung San Suu Kyi nicht befreien (über den Sinn dieser Aktion bzw. Formulierung lässt sich auch noch mal streiten…) und mich auch weiter mit Schulbüchern eincremen. Schuldgefühle ziehen bei mir nicht. Ich bin ein Mensch, der nach einem Film über Massentierhaltung aufstehen und sagen kann: “Ich hab’ jetzt aber einen Mordshunger!” – auch wenn ich am liebsten nur Fleisch aus biologischer Zucht kaufen würde (geschmacklich wie weltanschaulich). Ich kann mir gut vorstellen, anstelle von Zivildienst ein FSJ als Lehrer irgendwo in Afrika zu machen – aber ich werde keinen Cent für diese Schulbücher spenden. Nicht gegen meine Gefühle.

1 Response to “Die perfekte Aktion für Nerds…”


  1. 1 sunny Posted June 11th, 2007 - 23:39

    gelungen! :-)

    danke für die information!

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"„Der Unterschied zwischen Reich und Arm ist der, dass die Armen alles selbst tun müssen mit ihren eigenen Händen, die Reichen aber können jemanden anstellen, der die Dinge für sie tut.“"— Betty Smith