Just my three cents

14Jun07

Am Dienstag war die Klasse zum Abschluss des Schuljahres nochmal gemeinsam unterwegs. Ziel: Phantasialand in Brühl bei Köln.

Irgendwie scheint diese Stadt in Verbindung mit “Bahn” und “Klasse” einen negativen Zeit-Effekt zu haben. Schon die letzte Fahrt dorthin litt unter Deutschlands idiotischstem Bahnunternehmen – doch diesmal kam es noch schlimmer. Und, quasi zur Abwechslung, auf der Rückfahrt. Um 16:50 Uhr sollte der Shuttlebus zum Bahnhof fahren – tat er aber nicht. Die Folge: Erstmal den Zug zum Hbf verpasst und den dortigen Anschluss Richtung Siegen. Später dort angekommen, befindet sich mal wieder irgendetwas auf den Gleisen – eine halbe Stunde Verspätung wird ausgerufen.
Diesmal sind alle Schüler pünktlich zur Weiterfahrt da – bis Hennef. Dort heißt es dann Umsteigen in den Schienenersatzverkehr (was für ein bescheuertes Wort, allerdings in seiner nervtötenden Art der Situation sehr angemessen), der nochmal eine halbe Stunde Verzögerung bedeutet. In Au durften wir dann nochmal eine halbe Stunde auf den Zug warten – bis wir in Siegen waren, schlug die Uhr bald 10. Fünf Stunden von Köln nach Siegen: Auf gerader Strecke wäre man mit dem Fahrrad schneller gewesen.

Verwässerte Cola ist scheiße. Liebes Phantasialand-Management: Sie sind scheiße. Denn sie haben mir verwässerte Cola eingeschenkt, und das mag ich gar nicht. Ich hab’ schließlich keine Cola-Schorle bestellt.
Was mich aber wirklich geärgert hat war nicht die Cola selbst, sondern die Situation: Bei wem soll man sich schon beschweren? Bei den Billiglohnkräften an der Ausgabe? Nein danke, die haben schon einen harten Job, da muss man nicht auch noch meckern. Beim Management? Gerne! Nur wie? Das Problem der Großkonzerne ist klar: An die Verantwortlichen kommt keiner ran. Deshalb mag ich auch lieber Wurst vom Metzger, Brot vom Bäcker – da stehen zwar auch nur Angestellte, aber doch zumeist welche, die eine gewisse Ahnung von ihrem Produkt haben, dass sie da verkaufen.

Es fällt schwer, gegen die eigenen Ideale zu schreiben, wirklich schwer.
Wir – zwei Mädchen und ich – stehen vor der Wasserbahn (ich mag keine Achterbahnen, also musste ich wohl nass werden. Aufgrund der Bahn(fahrt) war ich erst gegen Mitternacht unter der Dusche – danke vielmals!). Hinter uns eine Gruppe Jungs, so zwischen 11 und 14 vielleicht, aber auf jeden Fall jünger als wir. Einer von ihnen stößt L. in den Rücken, sie dreht sich um: “Lass das”. Kaum schaut sie wieder nach vorn kommt wieder ein Schubser. Diesmal ist der Anweiser da: “Raus!” Tja, mit dem wollen sie sich dann doch nicht anlegen… und wir können fahren. Ein kleiner Zwischenfall, nichts bedeutendes: Aber ärgerlich.

Wir haben die Wasserbahn verlassen – um einige Liter brackige Brühe reicher, die unsere Kleidung aufgesogen hat – und gehen Richtung Bushaltestelle, gleich geht’s zurück. Hinter mir scheppert etwas, ich drehe mich um: Irgendwer hat eine Pringles-Dose nach mir geworfen. Naja, kein Treffer.

Wir treffen ein anderes Grüppchen und unterhalten uns mit ihnen. Plötzlich naht eine keifende Furie: “Warum hast du meinen Bruder geschlagen?” schreit (aber wirklich, schreit) sie L. an. Hinter ihr baut sich die Sippe hinter ihrer Anführerin auf, Mädchen, aber auch Jungs. Sie ist 15, vielleicht auch 16: Die Chefin.
Ich gehe dazwischen: “Ich glaube, das war ein bisschen anders”. Aber was nutzt es, Streithennen die Wahrheit zu erzählen? Die Anführerin hält die Pringles-Dose in der Hand. Wir sind beinahe umzingelt – und gehen. Einfach so. Geradezu verblüfftes Staunen bei den Troublekids, aber wir ziehen einfach ab. Nicht als Loser, sondern aus Desinteresse. Und lassen sie einfach stehen.
Nein, wir wollten uns nicht prügeln, wie es ihnen vielleicht gefallen hätte. Wir könnten das, sicher, aber wir wollen nicht. Wir brauchen keine Konfrontation, nicht auf diese Weise. Natürlich, die ein oder andere Stichelei – “kannst du auch reden oder nur kreischen?” mag auch ich mir nicht verkneifen. Aber das reicht, reicht für einen Abzug. Der Klügere gibt nach, nicht wahr?

Doch ich habe ein viel tiefgreifenderes Problem mit dieser Situation: Sie war klischeehaft. Denn die Troublekids waren augenscheinlich türkisch(stämmig). Und damit habe ich ein Problem, weil ich zugeben muss: Hätte mir jemand diese Story erzählt, ich hätte sofort gedacht: “Bestimmt Türken”. Aber vielleicht haben “Deutsche” auch einfach nicht so viele Freunde…

11 Responses to “Just my three cents”


  1. 1 teacher Posted June 14th, 2007 - 21:43

    @Cola: Wird am liebsten mit Eis verwässert. Daher bestelle ich es grundsätzlich ohne Eis.
    Was bloß tun mit den Troublekids? Du kannst sie stehen lassen, aber die Gesellschaft muss sie mitnehmen.

  2. 2 Simon Posted June 14th, 2007 - 23:02

    @ teacher:

    Ohne Eis sowieso…

    Und die Troublekids… ich hoffe, ich hoffe ja, das aus ihnen noch was wird. Aber was soll aus diesem Aufstand werden? Ich habe sie ja mit den ’68ern verglichen, aber der Austand findet unter umgekehrten Vorzeichen statt: Statt Frieden wird Auseinandersetzung gepredigt. Nicht gut, gar nicht gut… Bildung ist der einzige Ausweg. Und woher die kommen soll in einem Staat, in dem der soziale Status der Eltern so sehr über die Bildung der Kinder entscheidet wie nirgends in Europa…

  3. 3 nexus Posted June 14th, 2007 - 23:16

    How to get the Geschäftsführer:

    1. Man setze sich hin und studiere die Website einer beliebigen Uni, genauer: man besorge sich seinen Fachbereich, z. B. Medienwissenschaften, und einige Namen daraus.

    2. Man überlege sich ein geldverschlingende Projekt (bspw. “Funparks in der Wahrnehmung der neueren Medienpolitik”). Hierbei muss in keinster Weise auf Sinn oder Realitätsnähe geachtet werden.

    3. Man rufe Unternehmen XY an und schildert kurz das Projekt, dabei lässt man natürlich das ein oder andere Mal den Namen des Professors fallen (Achtung: Nicht ohne den Titel mitzuerwähnen, aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass es mit “Doktor” oder geringerem nicht funktioniert) und frage nach, an wen man sich da wenden müsse und ob der Geschäftsführer zu sprechen sei, um eine Kooperation mit der Uni anzuleihern. Auf Nachfrage, ob man dann nicht lieber einen persönlichen Termin haben wolle, antwortet man mit “das geht grad nicht, der Professor Soundso ist gerade im Ausland und die Uni hat bezüglich der Drittmittelförderung mich noch nicht verhandlungsberechtigt gemacht, was jetzt leider so ist, auf die Schnelle nicht geändert werden könne, der Herr Professor bemühe sich aber darum, zumal ich ja Projektkoordinator bin.

    4. Den erstbesten höheren Idioten von Unternehmen XY am Telefon seine Meinung erklären.

    Natürlich fühlen die sich dann verarscht und natürlich ändern die auch nichts, aber man ist um einen Spaß reicher und ab und an ergeben sich sehr witzige Gespräche (so könnte ich hier noch davon berichten, wieviel Beleidigungen manche Menschen vertragen und dann trotzdem noch eine halbe Stunde weitertelefonieren)

  4. 4 pizzablog Posted June 15th, 2007 - 11:57

    Oder Deutsche haben einfach nicht mehr diese starken Familienbande, wo die große Schwester/ der große Bruder noch auf die Kleinen aufpassen muss und dann auch zusammenrumhängen, weil die Eltern arbeiten müssen?

    Ich mein mal ehrlich. Es ist nicht die Regel, dass sich große deutsche Brüder und Schwestern für die Nöte und Sorgen der Kleinen interessieren.

    Bei türkischstämmigen Jugendlichen ist das noch ganz anders. Da heisst es dann schnell: “Keiner schlägt meinen kleinen Bruder (… außer mir! ;-) )”

  5. 5 judith Posted June 15th, 2007 - 17:17

    das ist witzig,der bericht, hast bloß vergessen zu sagen, dass die furie sagte: “Meine Mutter hat gesagt ich soll aufpassen, dass niemand meinen kleinen Bruder anfasst. Sonst soll ich den schlagen”

    datw ar ja wohl der hammer

  6. 6 Simon Posted June 15th, 2007 - 17:35

    @ Judith:

    Sicher der witzigste Spruch, das stimmt. Wenn auch für die Sache unbedeutend… nur das Gekeife eines dummen Mädchens.

    @ pizzablogger:

    Das ist sicher ein wichtiger Punkt. Wobei ich das nicht als rein negativ sehen würde: Denn diese engen Familienbande bedeuten auch Bevormundung und bremsen die Entwicklung, denn Fehler werden von den Größeren auf die Kleineren übertragen und weitergegeben.

    @ Christoph:

    Dazu war im Park leider keine Zeit…

  7. 7 Der Gote Posted June 15th, 2007 - 19:08

    Durch eine annonynme Quelle ist mir bekannt geworden das der Ausflug doch am Dienstag stattfand und nicht am Mittwoch?? Lassen deine grauen Gehirnzellen nach… Oder bist du auf zu schnellen Fahrgeschäften gewesen das dein Hirn durchgeschüttelt wurde??? An sonsten ist der Artikel erste Sahne… Frohe Ostern wünscht der Gote

  8. 8 Simon Posted June 15th, 2007 - 19:24

    Was denn, da steht doch Dienstag ;)

    Diese Wochentage bringen mich ganz durcheinander… zuhause war ich dann erst am Mittwoch…

  9. 9 hutzel Posted June 15th, 2007 - 21:03

    sauber du hast es wieder mal auf den punkt gebracht…..scheiß DB….
    das mit den gammlern da hab ich garnet mitbekommen…..
    lg hutzel :D

  10. 10 Laura Posted June 16th, 2007 - 00:03

    mmmh, sehr interessant zu lesen !!! :)

  11. 11 Hadem Posted June 17th, 2007 - 16:24

    Jo was für Idioten!!! Hättest du uns mal geholt Simon, dann wären wir so abgegangen wie auf Hooge mit den Kölnern:)

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