Skills

26Jun07

Wenn man den Spiegelartikel zu Tony Blair’s voraussichtlicher Ernennung zum Sondergesandten des Nah-Ost-Quartetts liest, bekommt man den Eindruck, Facelifting sei eine politische Qualifikation:

“Er strahlte Enthusiasmus und Jugendlichkeit aus, ein abstrakter, aber nicht unwesentlicher Vorzug in einer Weltgegend, deren Bevölkerung zur Hälfte jünger ist als 20 Jahre, vielfach aber von alten Männern regiert wurde – und wird. Saddam Hussein war 2002 65 Jahre alt, Jassir Arafat 73, Hosni Mubarak 74 und der ägyptische Jugendminister 65.” Tony – Anthony Charles Lynton – Blair (*6. Mai 1953 in Edinburgh).

Woher kommt dieser Gedanke, alleine mit der Jugendlichkeit eines Tony Blair – der wahrscheinlich zumindest selbstständig seine eMails lesen kann – sei der Konflikt im Nahen Osten zu lösen?

Ein Amerikaner wird dieses Problem nie lösen, und genauso wenig ein Freund der Amerikaner. Alleine Tony Blairs Voreingenommenheit macht ihn schon unbrauchbar für diesen Posten, obwohl er gerade als Brite eine lange Tradition der Verantwortung übernehmen konnte. Doch leider weigert sich die Welt, den Fehler der Briten, die Staatsgründung Israels auf diesem Gebiet und auf diese Weise zuzulassen, sich einzugestehen. Stattdessen wird Israel seit seiner Gründung vor allen anderen Staaten bevorzugt und vom Westen hofiert. Fällt der politische Blick auf dieses Land, dann durch die rosa Brille. Aber so wird man das Problem nicht lösen können!

Erst wenn der Westen akzeptiert, dass nicht nur die Israelis extreme religiöse Parteien im Parlament und in der Regierung haben dürfen, sondern auch die Palästinenser, erst wenn der Westen den gleichen Druck auf die Isrealis ausübt, sich an internationale Regeln und die Menschenrechte zu halten – wurden die illegalen Angriffe der israelischen Armee auf den neutralen Staat Libanon mit international geächteten Waffen geahndet? – dann wird dieses Problem zu lösen sein. Wenn sich die Palästinenser – und mit ihnen auch die anderen arabischen Völker – nicht mehr als von den westlichen Regierungen verarscht vorkommen müssen, sondern als gleichberechtigte Partner am runden Tisch sitzen. Denn werden sie wie die Hunde behandelt, denen man ab und zu einen Fußtritt verpasst, wenn sie unter dem Tisch nach Knochen suchen.

Tony Blair kann dazu einen Beitrag leisten. Nur, dass er es nicht tun wird.


"„Der Unterschied zwischen Reich und Arm ist der, dass die Armen alles selbst tun müssen mit ihren eigenen Händen, die Reichen aber können jemanden anstellen, der die Dinge für sie tut.“"— Betty Smith