Es gibt Dinge, die sind einfach nur gemein. Einstündige Busfahrten gehören auf jeden Fall dazu. Heute war es mal wieder soweit, dass ich auf die Bahn verzichten und mit dem Bus fahren musste (von zwei Übeln das schlimmere…). Der Hinweg war ermüdend, wie zu erwarten stand. Auf dem Rückweg den Zug wieder verpasst (bzw. keine Lust auf eine dreiviertel Stunde Wartezeit gehabt, bei Fahrten einmal alle sechzig Minuten kommt das halt vor) und nochmal Bus gefahren.
Die erste Hälfte der Fahrt war bestenfalls langweilig, obwohl mir merkwürdigerweise die gleichen Mädchen gegenüber saßen wie auf der Hinfahrt. Kaum waren die raus, wurde es lustig. Denn es stieg ein merkwürdiges Trio ein. Ein Familie, Mutter, Vater, erwachsener Sohn. Der Vater sah aus wie ein älterer Jimi Hendrix, während der Sohn mich gefährlich an einen undefinierbaren mittelamerikanischen Junta-Führer erinnerte. Die Mutter dagegen war Gypsy.
Sie sprach mich dann auch als erstes an. Siegen? Ja, der Bus fährt nach Siegen. Dann fing der Sohn an. Freches Grinsen, lustige Sprüche – nur leider in einer unbekannten Sprache. Er fängt an – immer mit irgendwelchen Gesten – und hört wieder auf. Irgendwann, irgendwann verstand ich ihn dann: Ob ich eine Frau (Dama) sei? Sonst der übliche Witz eines jeden Bahnhofs Gangstas, der immer, aber wirklich immer kommt, wenn eine männliche Person mit langen Haaren auftaucht. Immer.
Aber hier hatte das nichts gehässiges: Man verarscht mal ein wenig den kleinen langhaarigen Typen da. Man ist in einem fremden Land? Kein Problem. Spricht die Sprache nicht? Kein Problem. Aber lustig. Sehr lustig. Komm, setzt dich neben mich! deutet er – “No, no.” sage ich. Dieses Wort klingt ja fast überall gleich. Das wiederholt sich, einmal, zweimal, dreimal… lustig. Sehr lustig!
Irgendwann hat er sich dann doch beruhigt. Ich fange schon wieder an mich zu langweilen und hole die Uhr raus. Noch eine Viertelstunde. Gähn. Irgendwas unverständliches kommt von der Frau. Sie zeigt auf die Uhr. Na okay, gebe ich sie ihr. Wird angeschaut. “Sehr gut.” Naja, billiges Plastikding. Für die Hosentasche genug, da ich keine Uhren am Arm trage. Erneutes Gebärden. Zeigen. Plappern. Wir beide. Sie will die Uhr? Anscheinend ja. Aber da ist dann doch Schluss. Nein, meine Uhr kriegt sie nicht! “No, no!” Das wird gelassen hingenommen. Aber schon diese Haltung lässt einen unbewusst fühlen, man könnte einen Fehler gemacht haben. Diese fiesen Psychospielchen! Ich bin in einem Bus, nicht auf dem Basar. Und leider auch nicht cool genug. Vielleicht habe ich deswegen nicht erfahren, wo sie denn jetzt herkamen, Jimi Hendrix, die Gypsy und der Generalissimo.



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