Ein Wort zum Samstag vorweg: Ich hatte schon länger vor, hier was über die (möglichst vielen) Bücher zu schreiben, die ich lese. Jetzt bin ich mal wieder mit einem fertig geworden, also geht’s los. Ich habe das ganze mit einer Teilname am Amazon Partnerprogramm verbunden, was aber meine Meinung nicht beeinflussen wird. Das hier trotzdem kaum schlechte Bücher auftauchen werden liegt einfach daran, dass ich schlechte Bücher nie zu Ende lese. Dafür gibt’s einfach zu viele gute.
Ich will versuchen, die Rezensionen so zu halten, dass wohl die Atmosphäre des Werkes rüberkommt, ohne dass ich dabei zu viel von der Handlung erzähle. Denn schließlich geht’s ums selber lesen!
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Thomas Coraghessan “T. C.” Boyle ist einer meiner absoluten Lieblingsautoren. Wobei, “Lieblings” ist nicht ganz passend, denn seine Bücher sind nicht zu selten mit schlaflosen Nächten verbunden. Diesmal ging es an mein viertes Buch von ihm, “Drop City”.
Sex, Drugs and Rock’n'Roll bestimmen das Leben in der Hippiekommune “Drop City”, California. Irgendwann gefolgt von Abwasch und Ziegen hüten. Doch bei den Blumenkindern duftet es nicht nach Blüten, sondern nach der stinkenden Scheiße aus den überfüllten Klos. Und das ist nicht das einzige Problem, dass man in Drop City hat…
Irgendwann überschlagen sich die Probleme der Hippies geradezu. Einige Kommunenmitglieder vergewaltigen ein minderjähriges Mädchen, dann hat der Anführer und Besitzer des Geländes einen Autounfall und schließlich rückt auch noch das Bauamt an und will die halbe Anlage abreißen lassen. Scheiße, Mann!
So macht das Leben auch auf Drogen keinen Spaß mehr, also muss ‘ne Lösung her. Und schon, wie vom Himmel geschickt, erbt Norm, das Gruppenoberhaupt, die Hütte seines Onkels. Nur einen Haken gibt es: Die Hütte steht mitten in Alaska. Alaska ist ja nun nicht Kalifornien, doch die Hippies wollen ihre Ruhe und Dope kann man ja importieren. Schließlich geht’s – im Rücken die Planierraupen des Bauamtes – mit einem ausrangierten Schulbus in den Norden. Ein neues Leben beginnt…
T. C. Boyle hat vor allem eine besondere Stärke: Er versteht es wie kaum ein zweiter, verschiedene Handlungsstränge nebeneinander zu führen und zu verschmelzen. Auch in “Drop City” erfährt man die Geschichte aus vielen Mündern. Allerdings gelingt es ihm nicht so stark wie in seinen anderen bisher von mir gelesenen Büchern durch verschiedene Sichtweisen ein klareres Bild zu schaffen. Stattdessen liegt der Fokus recht stark auf der zentralen Person “Star”, um deren Erkenntnisse zu den menschlichen Bedürfnissen, körperlichen, gefühlsmäßigen und geistigen, sich die Handlung auch im Großen und Ganzen dreht.
“Drop City” ist ein Buch, dass von dem vorgeschobenen Idealismus der Hippie-Generation handelt und von der Kollision der Blumenkinder mit der Härte des Lebens “da draußen”. Allerdings enttäuscht es mich ein wenig, da ich nach brillianten, thrillerhaft-philosophischen Romanen wie “Talk Talk” oder “América” auf ein kritischeres und vor allem feiner sezierendes Werk gehofft hatte. Gegenüber diesen anderen ist “Drop City” nämlich etwas schwammig und zu sehr auf einzelne Szenen konzentiert, um seine volle Wirkung zu entfalten. Boyle hat sich zu viel Freiraum zum Spielen mit Beobachtungen, Ereignissen und Klischees genommen, um am Ende zu einem treffenden Schluss zu kommen. So ist das Ende dann auch ein Cliffhanger, der zwar das Geschehen offenlässt, aber doch nicht zum Weiterdenken auffordert.
Insgesamt sicher immer noch ein gutes Buch, aber für Boyle einfach zu wenig. Wer ohne große Erwartungen an diesen Roman herangeht, bekommt eine lustige und interessante, gut geschriebene Lektüre. Wer allerdings Philosophie und kritische Betrachtung fordert, muss sich mit den Mängeln dieses Buches arrangieren.



Dass “Drop City” zu den schlechteren Boyle-Werken gezählt wird, ist aber eher selten, weil es thematisch grade das Feld beackert, das Boyle für viele Leser (wohl zu Unrecht) noch immer verkörpert: Hippiezeit, Aussteiger, Drogenkonsum usw. Meiner Meinung sind seine ersten Werke immer noch die besten. Allen voran Wassermusik und World’s End.