Schullektüre

29Aug07

Ich lese aktuell vier Bücher. Ein Roman, eine Autobiographie, ein Sachbuch und eine Schullektüre.

Schullektüre – das ist doch kein Genre? Oh doch, das ist es. Ein Buch, für die Schule gelesen, ist kein Roman, kein Sachbuch – es ist Lektüre. Lektüre heißt: Erzwungen. Und da wird jedes noch so gute Stück Literatur plötzlich vor Fehlern glänzen, Langeweile ausstrahlen wie ein Sendemast und nach der Epoche schneller in der hintersten Ecke verschwinden als ein Düsenjet am Horizont. Verbannt wie ein Diktator.

Nicht jeder meiner Schullektüren geht es so. “Homo faber” habe ich gerne gelesen. In einer Nacht. Zum Ausgleich habe ich “Parzifal” gehasst (und auch nie vollständig gelesen). Im Grunde bin ich doch gegenüber “schwieriger” Literatur eigentlich aufgeschlossen: Liegt da nicht auch “Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins” auf dem Nachttisch? Habe ich nicht unzählige Bände der größten Autoren gelesen?

Und trotzdem, ich sag euch, DON KARLOS (sic!) ist ein Graus. Schullektüre.

2 Responses to “Schullektüre”


  1. 1 teacher Posted August 31st, 2007 - 09:25

    Schullektüre ist ein heißes Thema im Lehrkörper. Die einen meinen, die klassische Basisliteratur müsse jede/r kennen, die anderen wollen möglichst aktuell sein, dritte wollen möglichst wenig lesen …
    Ich will nur Werke lesen, die höchsten 100 Jahre alt sind – damit die Sprache und Inhalte verständlich und nützlich sind.

  2. 2 Simon Columbus Posted August 31st, 2007 - 14:47

    Eine löbliche Einstellung :)

    Leider haben wir in NRW ein Zentralabitur – d.h., die Themen sind bereits vorgegeben. Das beschert mir auch noch Dantons Tod von Büchner, Effi Briest, die Verwirrungen des Zöglings Törleß von Musil und Kassandra von Christa Wolf. Das sind – warum auch immer – sogar noch zwei Werke mehr als im letzten Abiturjahrgang. Aber wir müssen ja lernen…

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