Wie versprochen stelle ich euch zum “Blog Day” fünf meiner englischsprachigen Lieblingsblogs vor. Mit zwei von ihnen habe ich euch übrigens schonmal bekannt gemacht.
1) Days of my Life von Sunshine

Sunshine’s Blog ist immer das erste, das ich anführe, wenn ich nach meiner Faszination für Blogs gefragt werde. Dann erzähle ich immer etwas davon, dass ich da ein Blog lese von einem Mädchen im Irak – erst 15 Jahre alt! – worin diese über ihr alltägliches Leben schreibt. Über einen Alltag, zu dem Bombenterror genauso dezugehört wie Häkelarbeiten und ein gutes Buch – eine Wirklichkeit, die so real daher kommt und doch schizophren wirkt. Und davon, dass man sowas – direkt aus erster Hand – in den konventionellen Medien nicht bekommt. Wieviel lieber lese ich das manchmal fehlerhafte Englisch dort, als mir die geschliffenen, zum hundertsten Mal wieder aufgekochten Meckertiraden eines Don Alphonso anzutun. Warum sollte ich Diskussionen über Aufrichtigkeit verfolgen, wenn ich sie haben kann?
Sunshine schreibt so direkt aus dem Leben heraus, dass man hinter den Worten immer das junge Mädchen erkennt – und sich doch wundern muss, wie sie in dieser amerikanischen Filmkulisse eines mörderischen Krieges leben, überleben kann – ohne alle Gefühle zu verlieren. Ich schrieb einmal:
“Gewöhnt man sich an den Krieg?
Kaum zu glauben.
Gewöhnt man sich an den Krieg?
Fast zu erwarten.”
Sunshines Blog ist für mich Woche für Woche der schrecklich lebendige Gegenbeweis.
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Sunshine stammt im übrigen aus der wohl aktivsten irakischen Bloggerfamilie: Gleich neun weitere Blogs listet sie in der Kategorie “Blogger aus meiner Familie”. Sie selbst schreibt bereits seit April 2005. “Erfolg” – so möchte ich es, angesichts des privaten Charakters, kaum nennen. Aber Sunshine hat doch einiges vorzuzeigen; neben den vielen, viele Texten (und einigen Verbesserungen in ihrer Rechtschreibung…) etwa eine Erwähnung durch den Schauspieler Gary Sinise.
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2) Malawi Windmill Blog von William Kamkwamba
Von 0 auf 60.000 Google-Treffer in weniger als zwei Monaten – eine großartige Leistung für “William Kamkwamba”. Doch die Story dahinter ist noch weit größer und atemberaubender, als diese bloße Zahl ahnen lässt.

William lebt in Malawi, einem Staat im südlichen Afrika. Mit 14 musste er – wer sollte die Gebühren bezahlen? – seine Schullaufbahn abbrechen. Ein hoffnungsvollen Talent vertan? Mitnichten. Denn William fing an zu lesen – Sachbücher, über Physik vor allem. Und baute seiner Familie noch in jenem Jahr ein Windrad zur Stromerzeugung. Später noch ein weiteres.
Dann sind wir im Jahr 2007: Mit TED Global kommt eine zukunftsweisende Konferenz nach Tanzania, ins Nachbarland Malawis. Und der Cheforganisator suchte nach William, von dem er in einem Blog gelesen hatte – das wiederum nur einen Zeitungsartikel coverte. Schließlich fand er ihn – ohne Internet, gar ohne Telefon nicht einfach.
Auf der TED Global wurde William mit binnen eines dreiminütigen Auftritts zum Star, die Geschichte verbreitete sich in Windeseile – mit der Zeit bin in viele europäische Zeitschriften. Es fanden sich Sponsoren für William, die dem mittlerweile 19jährigen wieder einen Schulbesuch ermöglichen – und einen Laptop, auf dem er heute sein Blog schreibt. Ein bisschen unbeholfen in der Welt des Internets noch. Ein wenig steif, wie in weißem Hemd und schwarzer Hose. Und doch mit dem freundlichen, offenen Lächeln, dass man auf den Photos sieht. Seit neuestem aus Lilongwe, wo er bald zur Schule geht. Ein Junge, der Auszog, die Welt zu erobern.
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Mahmood’s Den von Mahmood al-Yousif
Sie nennen ihn auch “Blogfather”: Mahmood ist sicher einer bedeutendsten Blogger des arabischen Raums – zu Recht. Ein Internetveteran seit über 20 Jahren, bloggt der Bahrainer seit 2003: “intelligent… informative… and fun!”, was eine ziemlich gute Mischung darstellt. Knallharte politische und Gesellschaftskritik hat ihn sogar schon vor Gericht gebracht (die Verleumdungsklage wurde allerdings fallengelassen), seine beliebtesten Artikel erreichten beinahe die magische Grenze von 500 Kommentaren, es gab Fernsehauftritte in verschiedenen arabischen Sendern. Doch Mahmood’s Den machen auch die “Friday Slideshows” aus – photographierte Wochenendsgrüße aus dem Garten. Denn photographieren kann Mahmood: “I have entered just one photography exhibition in Bahrain, and won 2nd prize.”
Und er hat auch die Motive:

May I introduce Filbert? Ein kleiner, grüner Vogel, den Mahmood adoptiert hat. Manchmal erfrischend zwischen Hasspredigern und Menschenrechtsverletzungen…
Mahmood verbindet Öffentlichkeit und Privates so gekonnt wie kaum ein anderer – sauber getrennt in verschiedenen Artikeln, aber vereint in einem Blog. Diese Fähigkeit und sein Engagement für Menschen- und besonders Freiheitsrechte hat ihn nicht nur zu einem bedeutenden Blogger gemacht, sondern auch zu einem einflussreichen Aktivisten über die nationalen Grenzen hinaus.
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The Big Pharao von Big Pharao
Nach einer langen Auszeit, fast einer Aufgabe ist einer der beliebtesten Autoren der ägyptischen Blogosphere wieder da: “Big Pharao” steht für zielsichere Kommentare und scharfe Beobachtung. Ein absolut lesenswertes Blog, wenn man sich für das Land oder die Region interessiert – und auch für den Nah-Ost-Konflikt.
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A Janusis von Janusis
“A Janusis” ist ein Blog, dass ich besonders wegen des lockeren, nachdenklichen Tons liebe. Der Autor – aus Sri Lanka – beschreibt so lässig ganz alltägliches und leitet daraus doch große Fragen ab; der ideale Nährboden für Diskussionen. Deren seltsamste ich dort übrigens mal mit einem kanadischen Esperanto-Fan über Englisch als Weltsprache hatte. Inklusive eingestreuter deutscher Floskeln von ihm… ein Musterbeispiel an Globalisierung.
Erstaunlich an “A Janusis” ist, dass das Blog kaum regionale Färbung hat – ohne gelegentliche Beiträge oder Bilder könnte man kaum erraten, wo es denn auf dieser Erde geschrieben wird…
Und nun, liebe Freunde: Enjoy!




Well, happy belated blog day..
Thank you!
Wow, wußte gar nicht, daß es so interessante blogs gibt – nur: Wann bitte liest Du das alles ???
Meist über den Nachmittag / Abend hin – für die ca. 80 Feeds (meist Blogs, einige News) brauche ich ca. 2,5 Stunden – wobei ich bei weitem nicht alles lese, was über den Reader reinkommt.