Moscheenstreit revisited

01Sep07

Vor einem Vierteljahr schrieb ich unter dem Titel “Konträr” einen kurzen Artikel über die Debatte um den Moscheenbau zu Köln, der sogar vom Watchblog Islamophobie aufgegriffen wurde:

Der Streit um den Moscheen-Bau in Köln scheint sich zu einem Glücksfall für die Debatte um den Islam in Deutschland zu entwickeln.

Denn die Unterstützung dafür ist so groß wie lange nicht für islamische Themen in Deutschland. So langsam trauen sich alle nach vorne und sagen “Ja!” zur Moschee – “Ja!” zum Islam in Deutschland, und zwar nicht nur als Aschenputtel, sondern ebenso repräsentiert wie andere Denkweisen und Religionen auch.

Da verbünden sich die Linken mit einem CDU-Oberbürgermeister, ein katholischer Pastor sammelt für eine islamische Moschee. Beinahe ein Wunder, möchte man meinen. Denn so wirkt dieser Streit mehr zum Guten, für den Dialog zwischen Christen, Moslems und Juden, als es viele Bemühungen vorher getan haben. Hier erreicht man auch die Skeptiker, die Boulevard-Rassisten und ängstlichen Opas, die ihre Argumente aus der Zeitung haben und deren Problem wohl eher am mangelnden Kontakt mit dem Islam liegt als in ihren Kenntnissen darüber.

Bleibt zu hoffen, dass sie alle christlich handeln: “Wer Ohren hat zu hören, der höre!”. Und zwar das “liebe deinen Nächsten”, dass allen Beteiligten – Christen, Moslems, Juden – nicht als religiöse Lehre, sondern als universelle Lebensauffassung gesagt und für immer verankert sei.

Heute, nur drei Monate später, ist von meiner damaligen Überzeugung nichts mehr übrig. Die breite Unterstützung für die Moschee ist einer Front von konservativen Gegnern gewichen, in welcher der (jüdische) Philosoph Ralph Giordano mit Hilfe des Kölner Stadtanzeigers in Gesprächsverweigerung brilliert, die Kölner CDU sich als wankelmütige Rechtspartei profiliert und der Augsburger Bischof Mixa eine Sippenhaft für Muslime fordert.

Der schlimmste Aspekt dieses neuen Gegenwindes ist jedoch die Tatsache, dass damit die Zahl der Befürworter auf die “üblichen Verdächtigen” besonders aus den Reihen der Grünen schrumpft. Der breite gesellschaftliche Konsens kann nicht mehr entstehen, denn die Diskussion ist gescheitert. Die Konservativen haben sich auf ihr angestammtes, ablehnendes Feld zurückgezogen und verweigern im besten Fall die Mitarbeit, wenn sie sich nicht nach Kräften dagegen stemmen. Die Moschee wird nun vielleicht gebaut werden, doch die hinter dem Streit stehenden Probleme bleiben ungelöst. Auch 50 Jahre nach den ersten Gastarbeitern aus der Türkei scheint Deutschland nicht mit ihnen kommunizieren wollen; aller Lehren zum Trotz. Das Verständnis, dass Integration keine Einzelleistung der Einwanderer ist, hat sich in der Bevölkerung wie in der Politik nicht durchgesetzt. Die Frage, ob es das jemals wird, bleibt offen, genau wie die Lösung für das grundsätzliche Problem der Deutschen mit dem Islam.


"„Der Unterschied zwischen Reich und Arm ist der, dass die Armen alles selbst tun müssen mit ihren eigenen Händen, die Reichen aber können jemanden anstellen, der die Dinge für sie tut.“"— Betty Smith


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