Heul, Meisner!

14Sep07

“Dort, wo die Kultur vom Kultus, von der Gottesverehrung abgekoppelt wird, erstarrt der Kult im Ritualismus und die Kultur entartet.”

Kardinal Meisner

Das er so denkt, das ist nicht neues. Nur, dass er’s sagt, das war bisher so nicht bekannt.
Allerdings muss man dem Kardinal nicht nur seine Geschichtsvergessenheit zum Vorwurf machen, sondern vor allem die Sicht, die dahinter steckt. Ein ungeschickter Ausdruck ist zu vergessen, doch der aggressive Glaube eines Hirten, der sich für einen besseren Jäger hält – der ist es nicht. Meisner, Mixa, mögen ihren Glauben leben und auch vertreten wie sie wollen – aber ein wenig Lektüre täte ihnen ganz gut neben der Bibel. Wie wäre es etwa mit Kant?

Vielleicht haben die Herren schonmal vom “kategorischen Imperativ” gehört – soll ja recht bekannt sein – aber verinnerlicht haben sie ihn nicht:

Handle nur nach derjenigen Maxime, von der du zugleich wollen kannst, dass sie ein allgemeines Gesetz werde.

Oder – haben sie ihn etwa falsch verstanden? Nein. Sie können ihn gar nicht verstehen. Denn eine Religion, die Mitglieder hinzuwerben will, ist grundsätzlich mit dem kategorischen Imperativ unvereinbar: Ein Vertreter dieser Religion muss qua Definition wollen, das alle anderen auch diese Religion annehmen – sie ein allgemeines Gesetz wird (Staatsreligion). Das würde wiederum dem Grundsatz der Gedankenfreiheit widersprechen, welche aber als Grundlage des kategorischen Imperativs vorausgesetzt wird.

Wer also die Selbstbestimmung des Menschen – und nicht anderes bedeutet der kategorische Imperativ – nicht akzeptiert, wie kann dieser Mensch dann nicht nur geduldet, sondern sogar noch geehrt werden? Die Grundlage unseres Staates, das Grundgesetz, fußt auf den Erkenntnissen und Errungenschaften der Aufklärung. Wer gegen diese arbeitet – wie kann er in diesem Staat noch Bürger sein? Als Kirchenmann ist Kardinal Meisner Gott stärker verpflichtet als dem Staat, der Bibel mehr als dem Grundgesetz, dessen Regeln er und seine Zunftgenossen nicht einzuhalten bereit sind.

Diese Menschen gefährden unsere Sicherheit, denn ihr Streben gilt der Zensur und einer Herrschaft der Religion, die vielleicht nicht in einem Gottesstaat, aber doch am liebsten in einer Staatsreligion enden soll. Warum sonst untergraben sie Grundrechte, etwa die Meinungs-, Presse-, oder Religionsfreiheit?

DAS SIND DIE FEINDE DER DEMOKRATIE! DAS SIND GEFÄHRDER!

11 Responses to “Heul, Meisner!”


  1. 1 corax Posted September 14th, 2007 - 22:51

    Moin Simon,

    mach dich nicht unglücklich,
    einmal im gugelcache und du hast ein Problem,
    befürchte ich, denk an die Pressekammer Hamburg.

    §86a StGB, §185 StGB, §186 StGB, §194 Abs(3)StGB.

    Auch wenn´s schwerfällt.

    Pax

  2. 2 Simon Posted September 14th, 2007 - 23:01

    Was scheren mich Gesetze? Ist alles nur Humor…

    Nein, ich werde das nicht entfernen. Wenn Kardinal Meisner seine rechten Gedanken verbreiten darf wie er will, dann darf ich auch Satire machen.

    Nachtrag: Sollte mich Meisner und / oder die katholische Kirche wegen Beleidigung anzeigen – ich fühlte mich als Märtyrer des Unglaubens.

    P.P.S.: Geben Sie Gedankenfreiheit!

  3. 3 corax Posted September 14th, 2007 - 23:27

    Moin Simon,

    es geht nicht um den Artikel es geht einzig allein um das erste Wort und da schreitet die Staatsmacht ganz von alleine ein. Und deine Berufung auf die Satiere ist bei dir als (tschuldigung) C-Blogger doch ein verdammt schmaler Grat. Was meinst du warum es beim Udo Vetter soviele Edits gibt?
    Hälst du dich für schlauer?

    Mach ne Faust inner Tesch, tritt vor ne Wand und mach zumindest in die Mitte des Wortes 2 ixe.

    Und schau mal bei Wiki unter deutxxxxr Grux
    unter Hixxxx Grxx heute, da stehen die Ausnahmen drin.

    Pax

  4. 4 Simon Posted September 14th, 2007 - 23:29

    Nee, noch besser :D

  5. 5 Simon Posted September 14th, 2007 - 23:33

    Igitt! Da schreibt man was religionskritisches – und bei Adsense wird die Werbung wahnsinniger Fundamentalisten eingeblendet.

  6. 6 corax Posted September 15th, 2007 - 00:04

    Sauber gelöst, gefällt mir, Respekt. :-)

    Pax

  7. 7 Simon Posted September 15th, 2007 - 00:37

    Danke!

  8. 8 Peter Krause Posted September 16th, 2007 - 15:32

    Auch wenn ich damit allein dastehe: ich kann an dem Wort “entartet” nichts verwerfliches finden.
    So sprechen z.Bsp. Physiker, ohne jede Scham, von “entarteter Materie”.
    Wir dürfen uns doch von Nazis und anderen Fundamentalisten nicht die Sprache okkupieren lassen!

  9. 9 Simon Posted September 16th, 2007 - 15:44

    Deswegen rege ich mich ja nicht über das eine Wort auf –

    “Allerdings muss man dem Kardinal nicht nur seine Geschichtsvergessenheit zum Vorwurf machen, sondern vor allem die Sicht, die dahinter steckt.”

    - sondern über die Vorstellungen, die dahinter stecken.

    Allerdings muss man auch bedenken, dass er eine Formulierung benutzt hat, die dem feststehenden Begriff “entartete Kunst” sehr nahe steht, d.h. es ist nicht nur eine sprachliche, sondern auch eine inhaltliche Nähe vorhanden.

  10. 10 Peter Krause Posted September 16th, 2007 - 16:17

    Richtig. Die öffentliche Rezension jedoch hängt sich fast ausschließlich an diesem Wort auf.
    So sagt Lothar Theodor Lemper: “der Begriff “entartet” sollte im heutigen Sprachgebrauch tabu sein.”
    Als könne man dummes Denken ausrotten, indem man dumme Worte verbietet.

  11. 11 Simon Posted September 16th, 2007 - 16:22

    Ja, das hat mich heute morgen auch schon geärgert. Denn die Diskussion über Worte bringt nichts – nur die Diskussion über Denkweisen kann hier weiterhelfen.

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