Burma – Bürgerkrieg oder Business as usual?

28Sep07

Zwei Nachrichten haben heute neue Wendungen für die Revolution in Burma ergeben. Zum einen scheint es dem Regime gelungen zu sein, den Internetzugang größtenteils zu blockieren, zum anderen sind anscheinend erstmals Soldaten zu den Aufständischen übergelaufen.

Die Auswirkungen durch die beinahe-Nachrichtensperre – zumindest einige Blogger berichten weiterhin auch aus demFliehende Demonstranten in Rangun (von ko htike) Land heraus – dürften allerdings nicht zu groß sein. Denn nun, da das internationale Augenmerk auf die Bewegung gerichtet ist, arbeiten auch die üblichen Nachrichtenkanäle, etwa über Botschafter im Land.
Die Frage ist vielmehr, ob sich aus der internationalen Medienöffentlichkeit ernst zu nehmende Konsequenzen entwickeln, wie es z.B. der Blogger Nyein Chan Yar fordert. Dem steht bisher jedoch der ausdrückliche Widerspruch Chinas entgegen, das seine wirtschaftlichen Interessen in Burma zu verteidigen sucht.

Ohne ein Eingreifen von Außen besteht allerdings die Gefahr, dass die Revolution trotz ihrer Kraft verpufft. Denn die Opposition ist bisher zum schweigen gezwungen – laut Nyein Chan Yar gibt es bereits jetzt über 1400 politische Gefangene – und noch dazu führungslos, da Aung San Suu Kyi von der Welt abgeschottet wird.

Burmesisches Militär (von ko htike)Und daran kann auch die Solidarisierung von Teilen der Armee nichts ändern: Denn diese Armeeteile befinden sich in Mandalay, der zweitgrößten Stadt des Landes im Norden. Eine mögliche Entwicklung ist es, dass sich dort eine Führungsfigur aus den Reihen der Mönche oder auch des Militärs findet, die von Mandalay aus einen Bürgerkrieg – etwa in Form eines “Marsches” auf die Hauptstadt Pyinmana – anführt.
Eine andere Option besteht darin, dass es den Aufständischen auch in Rangun gelingt, Teile der Armee auf ihre Seite zu ziehen und mit deren Hilfe Aung San Suu Kyi zu befreien, damit diese den weiteren friedlichen Protest und einen daraus erwachsenden demokratischen Wandel leitet. Denn bisher ist eine andere Führungsfigur nicht in Sicht – zumal aus den Reihen der Mönche keine politische Initiative zu erwarten ist.

Dieser Mangel an politischer Initiative könnte für die Revolution zu einem ernsten Problem werden: Denn die Mönche sind zwar hoch geachtet und dürften vor groß angelegten Übergriffen durch das Militär gefeit sein, aber eine Zielrichtung hat ihr Protest schon lange nicht mehr. Es ist an der Zeit für die Zivilgesellschaft, die Federführung in diesem Kampf zu übernehmen. Denn nur ein ziviler, bürgerlicher Führer – und keiner aus den Reihen des Militärs oder der Mönche – kann einen demokratischen Wandel erreichen.

Dennoch: Auch wenn sich ein neuer Anführer finden würde – oder Aung San Suu Kyi befreit würde – der Erfolg des Aufstandes kann nicht sicher sein. Vielmehr bedarf es einer großen, das ganze Volk – und eben auch das Militär – umfassenden Bewegung, um letztlich dieses Regime zu besiegen. Denn von alleine Abdanken wird es nicht: Nachzugeben wäre für sie gefährlicher als eine blutige Niederschlagung des Aufstandes. Nur Zwang kann Than Shwe und seine Genossen in die Knie zwingen.Aufständischer junger Mönch (von ko htike)

Die internationale Gemeinschaft kann das unterstützen – schon ein recht kleines Interventionskommando könnte entscheidend sein – doch vor allem muss das burmesische Volk seinen Kampf selbst bestehen. Eine von außen auferlegte Demokratie könnte auch dort nicht bestehen. Deshalb können besonders zwei Schritte aus dem Ausland den Umsturz unterstützen: Massive finanzielle Unterstützung, wie es sie schon bei den unblutigen Revolutionen der letzten Jahre in Europa – Serbien, Ukraine, Georgien – gab und ein Asylangebot für die Herrscher zur rechten Zeit. Denn am Ende werden sie als Opportunisten lieber fliehen als sterben.

Siehe auch: Welt.de: Unbewaffnete Mönche in aussichtslosem Kampf und Spiegelfechter: Myanmar an der Schwelle zum Bürgerkrieg

1 Response to “Burma – Bürgerkrieg oder Business as usual?”


  1. 1 Thieme, Jörg Posted October 22nd, 2007 - 09:58
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"„Der Unterschied zwischen Reich und Arm ist der, dass die Armen alles selbst tun müssen mit ihren eigenen Händen, die Reichen aber können jemanden anstellen, der die Dinge für sie tut.“"— Betty Smith


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