Verklag’ doch einer die katholische Kirche!

14Oct07

Die katholische Kirche ist homo- und islamophob, frauen- und verfassungsfeindlich.

Dieser Fall belegt es mal wieder perfekt: Die katholische Kirche verstößt dauernd und bewusst gegen unser Grundgesetzes. Insbesondere der Artikel 3:

(Abs. 3) Niemand darf wegen seines Geschlechtes, seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden. Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden.

wird fortlaufend missachtet, aber auch an der Allgemeingültigkeit von Artikel 4:

(Abs. 2) Die ungestörte Religionsausübung wird gewährleistet.

für alle Menschen wird häufig gezweifelt (vgl. etwa Bischof Mixa).

Besonders schwierig dürfte es allerdings sein, die Verbrechen der katholischen Kirche bezüglich des (neuen) Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes zu leugnen. Dort heißt es unter anderem:

§ 1 Ziel des Gesetzes

Ziel des Gesetzes ist, Benachteiligungen aus Gründen der Rasse oder wegen der ethnischen Herkunft, des Geschlechts, der Religion oder Weltanschauung, einer Behinderung, des Alters oder der sexuellen Identität zu verhindern oder zu beseitigen.

§ 7 Benachteiligungsverbot

(1) Beschäftigte dürfen nicht wegen eines in § 1 genannten Grundes benachteiligt werden; dies gilt auch, wenn die Person, die die Benachteiligung begeht, das Vorliegen eines in § 1 genannten Grundes bei der Benachteiligung nur annimmt.

(2) Bestimmungen in Vereinbarungen, die gegen das Benachteiligungsverbot des Absatzes 1 verstoßen, sind unwirksam.

(3) Eine Benachteiligung nach Absatz 1 durch Arbeitgeber oder Beschäftigte ist eine Verletzung vertraglicher Pflichten.

Zu Ausnahmen erklärt die Agentur für Arbeit:

Ausnahmen sind zulässig, wenn ein Benachteiligungsgrund nach § 1 AGG wegen der Art der auszuübenden Tätigkeit oder der Bedingungen ihrer Ausübung eine wesentliche und entscheidende berufliche Anforderung darstellt, sofern der Zweck rechtmäßig und die Anforderung angemessen ist.

Es ist kaum anzunehmen, dass “ein heterosexueller Mann” zu sein eine wesentliche oder entscheidende berufliche Anforderung für den Beruf eines katholischen Geistlichen darstellt. Die Tätigkeit könnte auch von Frauen und Schwulen ausgeübt werden. Dennoch ist wird dies von der katholischen Kirche nicht toleriert.

Wann stehen Benedikt und Co. endlich vor Gericht? Die restlichen Religionsgemeinschaften kann man dann gleich mit verklagen. Irgendwie diskriminieren sie alle.

19 Responses to “Verklag’ doch einer die katholische Kirche!”


  1. 1 Christoph Posted October 15th, 2007 - 08:22

    Was mich in solchen Zusammenhängen immer sehr stark iiritiert, ist, dass die katholische Kirche offenbar ein Problem mit einem schwulen Pastor, aber nicht mit einem wegen Sexualstraftaten an Kindern verurteilten hat.

  2. 2 Christoph Posted October 15th, 2007 - 08:29

    Zum empfehlen ist auch der hier http://blog.fefe.de/?ts=b9ec778a

  3. 3 corax Posted October 15th, 2007 - 20:05

    Moin moin,

    die katholische Kirche verstößt weder gegen Art 3 GG noch gegen das AGG weil sie wie alle Kirchen oder Weltanschaungen explizit davon ausgenommen ist. Mag einem nicht passen – ist aber so.
    Der Art 3 würde ja sonst auch keinen Sinn machen, man kann ja Leuten nicht ausdrücklich erlauben zu glauben, dass Homosexuelle in der Hölle landen sie aber gleichzeitig zwingen solche zu beschäftigen.
    Das ist wie mit der Meinungsfreiheit; die kann man auch nicht nur fordern für Meinungen die einem passen. Die Welt ist halt nicht schwarz-weiß. ;-)

    Pax

  4. 4 Simon Columbus Posted October 15th, 2007 - 20:19

    @ corax:

    Wenn’s nach mir ginge wäre der erste Artikel des GG der Kategorische Imperativ. Ich habe ja schonmal “bewiesen”, dass man Kirchen damit rauskegeln könnte…

    Was dein Beispiel angeht: Imo dürfen sie glauben was sie wollen – das steht ihnen frei. Aber ihr Handeln haben sie gefälligst an den Grundregeln des menschlichen Zusammenlebens – und dazu gehört vor allem Gleichberechtigung – zu orientieren.

    Das es für die Kirchen ein Schlupfloch aus dem GG gibt, habe ich mir schon gedacht (aber mal geflissentlich ignoriert) – dass sie allerdings aus dem AGG herauskommen, wundert mich. Kannst du mir die entsprechende Stelle kurz zitieren?

  5. 5 Christoph Posted October 15th, 2007 - 20:44

    Aaah, da muss ich jetzt mal als Philostudent reingrätsche. Nein, nein, nicht eine Zeile des GG sollte ein kategorischer Imperativ sein. Kategorische Imperative sind bei Kant (auf den du dich mit dem Ausdruck wohl beziehst) ethisch normativ, was also a) heißt, dass sie einen moralischen Wert (= ethisch) haben (und damit stehen sie über dem Gesetz) und b) normativ = feststehend und unverhandelbar handlungsanleitend sind, eine Regel definieren. Das Gesetz hingegen ist kontigent, also willkürlich bestimmt. Aus kategorischen Imperativen leiten sich konkrete ab, d. h. ein Gesetz könnte sich an einem kat. Imperativ orientieren, muss aber nicht, aber: Hat auf jeden Fall einen völlig anderen Status. Beispiel: Kant sagt über den Krieg, dass er ein rechtsfreier Raum ist, da die Menschen sich im Krieg über Gesetze wie “du sollst nicht töten” hinwegsetzen. Gleichwohl ist er nicht so dämlich, allen Krieg für illegitim zu halten, bspw. Verteidigungskrieg. D. h. aber auch, dass es Möglichkeiten gibt, Gesetze aufzuheben, nicht aber den kategorischen Imperativ. Wenn schon die Kirche bashen, dann doch bitte auf der Basis ewiger moralischer Regeln, die sich aus der natürlich Vernunft ableiten und nicht so popeligen Gesetzen, die dann und wann ihre Bedeutung verlieren, nein, nein.

  6. 6 corax Posted October 15th, 2007 - 21:39

    Simon,

    ich bin auch kein Jurist aber du warst ja schon auf der richtigen Spur mit der Arbeitsagentur, witzigerweise ausgerechnet Siegen.
    Schau mal hier unter Ausnahmen Punkt3 Weltanschauung.
    >
    http://www.arbeitsagentur.de/nn_12468/Dienststellen/RD-NRW/Siegen/AA/Buerger/AA-Siegen-Startseite/Agentur-fuer-Arbeit-Siegen-Allgemeine-Gleichbehandlungsgesetz-AGG.html#d1.7

    Nochmals: Es gefällt mir genausowenig wie dir was die Kirche veranstaltet aber zum AGG mal ein Holzhammerbeispiel nur zur Verdeutlichung.
    Stell dir vor der Zentralrat der Juden in Deutschland betreibt einen Kindergarten und stellt eine Erziherin ein die Pädagogik und jüdische Theologie studiert hat mit Abschluss, später stellt sich heraus das die Dame aktives Mitglied der NPD (nicht verboten) ist. Weiterbeschäftigung zumutbar?
    Oder die “Kirche der veganen gesegneten Jünger der heiligen Weizenähre” sollen einen Fleischer als Koch einstellen oder Buddhisten einen Schlächter.

    Ist halt so.

    Pax

  7. 7 Christoph Posted October 15th, 2007 - 22:01

    Oh my god. Ein Anhänger des Flying-Spaghetti-Monster bei den Veganern. U-n-v-o-r-s-t-e-l-l-b-a-r! SCNR

  8. 8 Simon Posted October 15th, 2007 - 22:25

    @ Corax:

    Geschlecht oder sexuelle Orientierung sind aber keine Religion oder Weltanschauung ;)

    Denn natürlich muss ein katholischer Priester katholisch sein – sonst kann er seine beruflichen Aufgaben nicht erfüllen.
    Eine Frau oder ein Homosexueller dagegen könnten die Aufgaben sehr wohl erfüllen – wenn die katholische Kirche nicht unbegründeter und unlogischer Weise dagegen wäre.

  9. 9 seanna Posted October 15th, 2007 - 23:20

    Tja, der Trend geht allerdings wieder in Richtung Repression, und da ist man nicht so wählerisch: ob nun christlich oder islamistisch ist wurscht, Hauptsache das Volk wird zur Räson gebracht!

  10. 10 corax Posted October 15th, 2007 - 23:42

    Simon,

    das führt doch zu nix.
    Die sexuelle Orientierung widerspricht aber in diesem Fall der katholischen Lehre und nicht nur der sondern z.Bsp auch dem Islam oder anderen Kirchen. Ich begreife nicht wieso Homosexuelle unbedingt bei der Kirche “mitspielen” wollen (außer wegen den kleinen Meßdienern aber this is something completly different)oder sich z. Bsp. NS-Uniformen anziehen.

    Aber frag das nicht mich frag das doch mal drüben den Wombatz.

    Pax

  11. 11 Simon Posted October 16th, 2007 - 00:02

    @ corax:

    Ich will ja gar nicht, dass irgendwer katholischer Priester wird – aber das Recht dazu muss er haben.

  12. 12 corax Posted October 16th, 2007 - 00:20

    Simon,

    meinst du das ernst?

    Falls ja halte ich es mit Rech in einer treffenden Parodie die älter ist als du aber immer noch zutreffend:
    Stan versus Loretta

    Pax

  13. 13 Simon Posted October 16th, 2007 - 01:08

    Hmm…

    da sehe ich doch einen deutlichen Unterschied: Es gibt mMn keinen stichhaltigen Grund, warum zB Frauen nicht katholische Priester sein sollen. Bei den Protestanten dürfen sie es ja schließlich auch – und so groß sind die Unterschiede zwischen den christlichen Kirchen nicht.

  14. 14 Pastor Posted October 16th, 2007 - 13:08

    Ich muss mich zu diesem Artikel sehr kritisch äußern, da er gegen die Religionsfreiheit geht. Befassen Sie sich bitte auch mit den “Schandtaten” der anderen Religionen um urteilen zu können über den Katholizismus

  15. 15 Simon Columbus Posted October 16th, 2007 - 16:39

    Mein lieber Herr Pastor,

    ich äußere mich nicht gegen Religionsfreiheit – ich ordne diese nur anderen Werten unter. Mir ist die Gleichberechtigung aller Menschen wichtiger als das Recht der Kirchen, aus angeblich göttlicher Anweisung heraus bestimmte Volksgruppen zu diskriminieren. Da ich diese Tendenz bei allen kirchlichen Organisationen gleich welcher Ideologie beobachte, spreche ich mich für die Abschaffung organisierter Religion aus.

    Was die Beschäftigung mit anderen Religionen angeht, ich habe hier auch schon (negativ) über Protestanten, Juden, Moslems, Kommunisten und was weiß ich für ideologisch getriebene Menschen geschrieben – die Tatsache allein, dass ich hier den Katholizismus herausgreife ergibt sich aus dem aktuellen Anlass.

    Ich würde mich freuen, wenn sie ein wenig zur von mir kritisierten Situation schreiben würden – ich bin gerne bereit, mich damit auseinander zu setzen.

  16. 16 Christoph Posted October 16th, 2007 - 17:20

    Fütter doch nicht immer die Trolle ;-)

  17. 17 Simon Columbus Posted October 16th, 2007 - 17:23

    Trolle? Die sind Atheisten, ganz sicher :)

  18. 18 Dany Posted October 17th, 2007 - 08:43

    Wie heißt es so schön? – Die Gedanken sind frei. Jeder Mensch hat das Recht zu denken, zu glauben oder zu produzieren was er möchte. Wenn die Kirche also der Auffassung ist, Positionen zu vertreten, die dem Mittelalter entsprechen, sollen sie das tun. Dem entspricht, dass sie schwindende Anhänger haben.
    Und – lieber Herr Pastor – sollen Mörder demnächst auch auf andere zeigen und sagen: verurteilt mich nicht, schaut euch all die anderen an, die haben auch böse Sachen gemacht. Die katholische Kirche kann sich nicht herausreden, nur weil der Islam in der Hinsicht gleicher Gesinnung ist. Wo kommen wir denn da hin? – Richtig! Mit Verstand zur Abschaffung jedweder Religion!

    Aber nun zu einem rechtlichen Aspekt Simon: die Kirche hat keine Grundrechte bzw. kann sich auf keine berufen – außer auf Art.4 GG. Das regelt Art. 19 Abs.3 GG.
    Ebenso ist es missverständlich auf WEN das Grundgesetz alles Anwendung findet. Der Sinn ist es nämlich den Bürger vor dem Staat zu schützen, was durch die ganzen Gesetze mittlerweile immer unmöglicher wird (Videoüberwachung, Vorratsdatenspeicherung, biometrischer Ausweis, etc.).
    Das Verhalten zwischen den Bürgern oder zwischen einer religösen Vereinigung kann sich an den Maßstäben des GG orientieren, aber ich kann nicht von der Kirche verlangen, dass sie danach handeln. – Leider!

    Es würde den Kirchen gut tun sich zu reformieren, aber Luther ist schon ein paar Jahrhunderte tot und ich bezweifle, dass wir jemanden finden, der sich opfert, geschweige denn einem, dem zugehört wird. Die meisten Menschen sind mit den Zuständen der Diskriminierung entweder einverstanden oder es interessiert sie so lange nicht, bis sie selbst betroffen sind.

  19. 19 magic2go Posted October 29th, 2007 - 23:49

    Guten Abend,

    ich muss ganz ehrlich zugeben, ich kann die Kritik an der Kirche voll und ganz nachvollziehen. Die Weigerung Frauen als Priesterinnen zuzulassen stellt ganz klar eine Diskriminierung von Frauen dar. Ich sehe das auch ähnlich wie ein Vorredner; dass die Kirche glauben darf was Sie will, aber so zu handeln hat, dass die Gleichberechtigung gewährleistet ist. Ein Arbeitgeber/eine Arbeitgeberin darf auch denken, dass ein behinderter Bewerber/eine Behinderte Bewerberin ungeeigneter ist, als ein nicht behinderter Bewerber/eine nicht behinderte Bewerberin. Er/sie MUSS diese/n jedoch gleichstellen. Hier mit zweierlei Maß zu messen (Kirche darf wegen Geschlecht diskriminieren, Unternehmer wegen Behinderung jedoch nicht) entbehrt jeder logischen Grundlage. Das ganze lässt sich auf auf homosexuelle Mitmenschen erweitern. Warum sollte eine Frau oder ein Homosexueller, oder gar eine homosexuelle Frau nicht genauso gut seelsorgerische Tätigkeiten als Priester/in ausüben und bei theologischen Fragen genauso bewandert sein, wie ein heterosexueller Mann? Nur weil es seit Jahrhunderten so praktiziert wurde und etabliert ist, heißt nicht, dass es auch richtig ist.

    Man sollte bei aller – meiner Meinung nach berechtigten – Kritik an der Kirche jedoch auch andere Bereiche kritisch hinterfragen. Diskriminiert unser Staat nicht genauso, wenn er einem homosexuellem Paar das Recht auf Adoption verweigert oder diesen nur eine “eingetragene Lebensgemeinschaft” ermöglicht, anstatt eine Ehe. Werden heterosexuelle Paar umgekehrt nicht diskriminiert? Diese dürfen wohl keine eingetragene Lebensgemeinschaft eingehen?

    Diskriminiert der Staat nicht auch wegen des Alters, wenn er einem 16 jährigen/einer 16 jährigen verbietet, den Autoführerschein zu machen? Die USA zeigen immerhin, dass 16 jährige auch Autofahren können. Diskriminiert der/die örtliche Linienbusbetreiber/Linienbusbetreiberin nicht, wenn er Seniorentickets für Mitbürger/Mitbürgerinnen über 60 oder 65 anbietet? Unter 18 jährige werden auch diskriminiert, weil Sie nicht wählen dürfen. Oder mal ganz übertrieben formuliert: Wird ein/e 14 jährige/r, die/der gerne als Prostituierte/r arbeiten möchte, nicht auch gegenüber einer/einem 20 jährigen diskriminiert, der/die das darf? Selbstschutz hin oder her, aber auch das ist ein Eingriff in die Handlungs- und Entscheidungsfreiheit, die per Gesetz einzig durch das Alter begründet wird.

    Persönliches Fazit:
    Hier liegt vieles in der sogenannten Werteordnung begründet. Das angebliche Recht des Kindes auf “normale” Kindheit wird herangezogen, um homosexuellen Paaren eine Adoption zu verweigern. Der Selbstschutz wird herangezogen, um Minderjährige daran zu hindern, als Prostituierte zu arbeiten. Der Schutz der Allgemeinheit muss ggf. herhalten, um 16 jährigen den Autoführerschein zu verwähren. Die Religionsfreiheit wird aufgeführt, wenn es darum geht, dass Kirchen auch weiterhin keine Frauen als Priesterin zulassen müssen. All dies sind anscheinend Werte, die höher wiegen, als das Recht auf Gleichstellung. So zumindest interpretiere ich die aktuelle Gesetzeslage. Persönlich hat wohl jede eine andere Gewichtung und Priorisierung der Werte, weshalb dieses Gesetz ein hervorragender Anlass für Diskussionen ist, da es nun mal keine gemeinsame Werteordnung aller Deutschen / Europäer / Menschen gibt.

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"„Der Unterschied zwischen Reich und Arm ist der, dass die Armen alles selbst tun müssen mit ihren eigenen Händen, die Reichen aber können jemanden anstellen, der die Dinge für sie tut.“"— Betty Smith


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