Google händigt IPs aus!

07Nov07

Wer dachte, Yahoo stünde mit dem Fall Shi Tao alleine da, was das Ausliefern von Dissidenten angeht, hat sich geirrt.

Nart Villeneuve berichtet, dass Google die IP-Adresse eines Orkut-Users an indische Polizeibehörden auslieferte. Lakshmana Kailash K. hatte angeblich “beleidigende” Bilder des indischen Nationalhelden Chhatrapati Shivaji hochgeladen – ein fragwürdiges Delikt.

Laut Chris Soghoian wurde er dafür am 31. August verhaftet, nachdem Google die IP an die Ermittlungsbehörden weitergegeben hatte, und verbrachte in Folge 3 Wochen im Gefängnis.

Wie sich allerdings mittlerweile herausstellte, war K. erst durch einen Fehler der Polizei für schuldig gehalten und verhaftet worden. Nachdem die eigentlichen “Täter” gefunden wurden, kam er wieder auf freien Fuß.

Das ausgerechnet Google Informationen über seine User an Ermittlungsbehörden weitergibt, muss als Warnsignal besonders für alle blogspot-Blogger gelten, die den Google-Dienst häufig für regimekritische Artikel nutzen. So müssten viele Blogger aus dem Nahen und Mittleren Osten, Nordafrika, China und Osteuropa mit schwerwiegenden Maßnahmen rechnen, sollte Google mit ihren Regierungen kooperieren. Die Auswirkungen auf die Pressefreiheit wären fatal.

Google äußerte sich in einer Stellungnahme:

Google has very high standards for user privacy and a clear privacy policy, and authorities are required to follow legal process to get information. In compliance with Indian legal process, we provided Indian law enforcement authorities with IP address information of an Orkut user.

Eine sehr problematische Unternehmenpolitik, denn die Verfolgung von Dissidenten in China oder Iran ist ein – nach dortigen Regeln – durchaus legaler Prozess. Es würde zwar kaum verwundern, wenn Google sich selbst die Entscheidungshoheit vorbehalten würde, was ein “legales Vorgehen” ist – dennoch bietet diese Formulierung wenig Sicherheit für seine User. Denn zwar verbrachte K. nur 3 Wochen und nicht wie Shi Tao 10 Jahre im Gefängnis – und der gesamte Vorgang hat keinen derartigen politischen Hintergrund wie jener in China, doch für die Zukunft stellen sich nun viele Fragen – klare Antworten wird es wohl nur in Form von Verhaftungen geben.

2 Responses to “Google händigt IPs aus!”


  1. 1 teacher Posted November 7th, 2007 - 19:54

    Auf Google würde ich mich nie verlassen, auf andere gewinnorientierte Konzerne noch weniger. Letztlich zählt dort nur cash. Wir brauchen open source-Alternativen!

  2. 2 Sebastian Posted November 8th, 2007 - 12:18

    Wenn Google in China, Iran oder anderen Diktaturen und Pseudo-Demokratien arbeiten will, muss es sich den lokalen Gesetzen unterwerfen. Yahoo! wird vor dem Konkress vor allem vorgeworfen, UNNÖTIG viele Daten FREIWILLIG hergegeben zu haben. Vielleicht, um das Wohlwollen der Behörden zu erhalten – keine Ahnung.

    Die Frage in dieser Geschichte ist: Hat Google nur den lokalen Gesetzen gefolgt – hätte es Einspruchmöglichkeiten für Google gegeben?

    Wenn in Österreich eine Behörde mit einem Gerichtsbeschluss zu Google geht und Informationen verlangt, muss Google die herausgeben. Das gibt’s überall.

    Open Source-Alternativen, wie “teacher” das vor mir fordert, ändern daran nichts. Denn Gesetz ist Gesetz, und auch “Open Source-Alternativen” müssen sich an Gesetze halten.
    (Wer garantiert eigentlich, dass “Open Source-Alternativen” besser verwaltet werden…?)

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