Tag der Toleranz

16Nov07

Heute ist der internationale Tag der Toleranz. Hätte das mal einer dem Typen heute mittag gesagt…

So punktgenau konnte es wohl kaum kommen, dass mir ausgerechnet heute ein Ausbund an Intoleranz begegnete. Aber heute Mittag, ich warte gerade am Bahnhof auf einen Freund, kommt mir ein eben solcher entgegen. So ein Jugendlicher, dem man schon von weitem ansieht, dass er sein Hirn in der Gel-Tube verloren hat. So einer von denen, die ihre Hose in den Kniekehlen tragen und auch sonst die falschen Größen kaufen. Bissl kleiner als er denkt. Hauptschüler, Migrationshintergrund, Gangsta-Rapper.

Ergibt sich da grade ein Bild vor euren Augen? Es ist richtig. Jep, aber absolut. Und warum? Weil es tausende von denen gibt. Tausende kleine Hip Hop-Klone, intollerante kleine Hip Hop-Klone. Eine ganze Welle intolleranter kleiner Hip Hop-Klone, die, zombiegleich, einer wie der andere alles individuelle, individualistische niedermachen, clichéesk Klischees vertreten.

Sagt dieses Subjekt also zu mir: “Hast du ein Problem?” – bzw. nicht-sagte es, denn “hassu ‘ problem?” trifft’s wohl eher. Sagt auf jeden Fall. Hab’ ich nicht, wieso? Oder doch, das Wetter, aber da kann er ja auch nichts machen. Sag’ ich es ihm also: Ich hab keins. Und er?

Nun, er hat eins. Er hat das verdammte Problem, ein Klischee zu sein. Und weil er ein Klischee ist – selbst gewollt und doch ohne es zu verstehen – sagt er jetzt zu mir “Ey du Schwuchtel!”. Das steht zwar in keinem Zusammenhang zur bisherigen Konversation, aber wie bei einem Dementen oder ähnlich Kranken, der immer wieder die gleichen Sätze wiederholt, ist es kaum überraschend. Ich hätte kaum dagegen gewettet, wenn man’s genau nehmen will.
Da steht dann also dieses Kleinkind – geistig, aber wohl auch biologisch unter meinem Niveau – und glaubt, mich zu beleidigen. Nun, “glaubt” soviel, wie ein kleines Skript, dass mit einem festgelegten Vorgang eine festgelegte Auswirkung erzielt. Also glaubt nicht.

Wie auch? Marionetten, Handpuppen glauben nicht. Und was ist dieser nun anderes als eine solche? Nun, ihm fehlt der Spieler. Und da liegt das Problem: Denn könnte ich bei einer Marionette den Spieler zur Rechenschaft ziehen, den Autor des Textes – wem will ich hier entgegentreten?
Gefragt ist meine Toleranz – und zwar an der Stelle, an der sie einzig gefragt ist: Der Intoleranz des anderen. Weil Toleranz eben nicht gegenseitiger Respekt ist, sondern ein Nachgeben da, wo es dem Frieden dient. Nicht ohne Grund heißt tolerare im Lateinischen “ertragen” – wenn Respekt das Anerkennen des anderen auf Basis gleicher Regeln ist, dann ist Toleranz das Nachgeben im Angesicht des Verstoßes gegen diese Regeln.

Und trotzdem: Wem soll ich entgegentreten – gegen wen tolerant sein? Es fällt mir schwer, von einem solchen Kleinkind Eigenständigkeit zu verlangen – die Fähigkeit, sich selbst zu schulen. Aber wer ist dann schuld – Eltern, Lehrer, Politik?

Keiner. Alle. Er. Am Ende wieder er – weil er die Konsequenzen spüren muss. Heute nicht, morgen nicht. Irgendwann bestimmt.

Wer nicht tolerant ist, wird Opfer der Intoleranz anderer. Der Sozialstaat spendiert keine Manieren.

Ich bin dann einfach gegangen.

2 Responses to “Tag der Toleranz”


  1. 1 corax Posted November 16th, 2007 - 23:42

    Moin Simon,

    recht so, denn:

    “Streit dich nicht mit Dummen, die ziehen Dich runter auf ihr Niveau und schlagen Dich dort durch Erfahrung.”

    Pax ;-)

  2. 2 sunny Posted November 21st, 2007 - 01:27

    corax hat recht

Comments are currently closed.

"„Der Unterschied zwischen Reich und Arm ist der, dass die Armen alles selbst tun müssen mit ihren eigenen Händen, die Reichen aber können jemanden anstellen, der die Dinge für sie tut.“"— Betty Smith