Waldorf: Facts

21Nov07

Meine Schule hat ja auch ein Blog. Das heißt, eigentlich verstehen sie nicht wirklich, dass es ein Blog ist, aber es läuft mit WordPress und ist alles in allem eben doch ein Blog. Dort erscheinen hin und wieder interessante Artikel, von denen ich einen gerne mal aufgreifen möchte. Er bringt ein paar Fakten zu den Abschlüssen an unserer und Waldorfschulen allgemein:

-Aus den letzten 10 Abschlussjahrgängen der Rudolf Steiner Schule Siegen haben über 57% aller Schüler, die hier mit der 1. Klasse angefangen haben, in der Klasse 13. ihr Abitur erfolgreich bestanden.

-Auch wenn die Notengebung in der Waldorfpädagogik nicht das Gewicht wie an staatlichen Schulen hat, brauchen wir einen Vergleich gegen Ende nicht zu scheuen. Der Abiturschnitt der letzten 10 Jahre lag an unserer Schule bei 2,5.
(Der letzte Abiturdurchschnitt in Niedersachsen lag bei 2,7. Offizielle Zahlen liegen für NRW nicht vor)

-Im Schnitt aller Waldorfschulen machen 45% der Schulabgänger das Abitur, 43% verlassen die Schule mit Realschulabschluss, 11% mit Hauptschulabschluss und nur 1% verlassen die Schule ohne Hauptschulabschluss.
Im Vergleich dazu verlassen an öffentlichen Schulen 23% aller Abgänger die Schule mit Abitur, 42% mit Realschulabschluss, 25% mit Hauptschulabschluss und 7% ohne Hauptschulabschluss.

Natürlich sind diese Zahlen nicht einfach so hinzunehmen, denn wirklich vergleichbar mit anderen Schulen sind sie nicht.
Der erste Punkt ist auf jeden Fall der, dass Waldorfeltern überdurchschnittlich häufig Akademiker sind – ohne genaue Zahlen zu haben vermute ich, dass in weit über 50 Prozent der Familien mindestens ein Elternteil studiert hat.

Waldorfschule SiegenNun ist es so, dass es sich bei Waldorfschulen um Privatschulen handelt, die nicht vollständig vom Staat finanziert werden. In NRW beträgt der Elternanteil an der Finanzierung 12,5 Prozent, dazu kommen weitere Gehaltskosten für Lehrer in nicht staatlich anerkannten Fächern (zB Eurythmie).
Damit unsere Schule dennoch allen Kindern, unabhängig von der sozialen Lage ihrer Eltern, offensteht, gibt es ein dreigliedriges Finanzierungsmodell: Je nach ihren Möglichkeiten zahlen Eltern also mehr oder weniger als der Schnitt. Die Verteilung liegt bei jeweils etwa 33 Prozent, sodass sich Mehr- und Minderzahler gegenseitig ausgleichen.

Der große Akademikeranteil unter den Eltern hat also wohl tatsächlich keine finanziellen Gründe. Auch das Klientel ist breit gefächert: Zwischen echten “Müslis”, wie meine Mutter ihre Generation nennt, und genau kalkulierenden Bankern findet sich eine breite Mischung an Elternhäusern. Die meisten davon, wage ich mal zu behaupten, haben mit Anthroposophie wenig bis gar nichts am Hut. Trotzdem sind esoterisch angehauchte oder einfach künstlerisch fokussierte Eltern sicher überproportional vertreten.

Was es eben nicht oder kaum gibt, sind zumindest in den ersten Schuljahren “Problemfamilien”, deren Kinder nur schlechte Voraussetzungen von Haus aus mitbringen. Das ändert sich zwischen der sechsten und achten Klasse, wenn teilweise eine große Anzahl Schüler von staatlichen Schulen hinzukommt. Diese sind leider allzu häufig “Schulversager” – und ihre Eltern der Schule weit weniger verbunden als jene, die ihre Kinder schon von Anfang an zur Waldorfschule schicken. Wenn diese “Neulinge” durchhalten, haben sie sicher bessere Ausbildungschancen als an staatlichen Schulen.

Das liegt auch in einer Besonderheit der Waldorfschule, bzw. den Auflagen des Landes Nordrhein-Westfalen begründet:
Zum einen gibt es bis zur elften Klasse keine Noten an unserer Schule (ab da optional, ab der zwölften Klasse zwingend) und damit auch kein Sitzenbleiben. In der Tat sind die Klassen häufig zu großen Teilen über zwölf bzw. dreizehn Jahre zusammen.
Zum anderen werden die Abschlüsse bisher zu anderen Zeiten erreicht als an staatlichen Schulen – Fachoberschulreife nach der elften statt zehnten Klasse, die Fachhochschulreife dank bürokratischer Hürden durch das nicht-bestehen des Abiturs.

Für meine Klasse bedeutet das aktuell, dass wohl alle 33 Schüler zumindest die Fachoberschulreife erreichen werden. Nicht ganz zwei Drittel befinden sich in der Abiturvorbereitung, ein Teil der Abgänger nach der zwölften Klasse wird mit dem “Q-Vermerk” eventuell an einer anderen Schule die Fachhochschulreife anstreben.

Die reinen Fakten sprechen für die Waldorfschule – weniger Gewalttäter, weniger Schulversager, mehr Erfolg :)

Der einzige mit bekannte bloggende (Ex-) Waldi ist übrigens Herr Punkt Markus – sehr zu empfehlen.

7 Responses to “Waldorf: Facts”


  1. 1 Herr S. Posted November 22nd, 2007 - 01:50

    interessante darstellung simon!

    vielleicht würd’ ich meine kinder auch dahin schicken. ich weiß nur nicht, ob eine nicht-notengebung sinnvoll ist.

    und dann bleibt das noch die leicht rassistische lehre des gründervaters …

  2. 2 .markus Posted November 22nd, 2007 - 17:36

    Danke für die Blumen, Simon :)

    @Herr S.: Ich sage mal, das mit der Notengebung ist von Kind zu Kind verschieden.
    Es erfolgt natürlich eine Bewertung der schulischen Leistungen in Form eines Jahreszeugnisses und während des Jahres über Feedback vom Lehrer. Doch gerade der fehlende Notendruck und die fehlende Angst vor der Nichtversetzung sind für viele Kinder eine Chance, sich freier zu entwickeln. Manche brauchen jedoch diesen Druck, um “produktiv” zu sein.

    Der Begriff “Waldorfschule” ist nicht rechtlich geschützt, also kann sich jede Schule, die es will, sich so nennen und natürlich gibt es da auch ein paar radikale sektenähnliche Schulen, was z.B. der Spiegel gern mal zum Anlass nimmt, um gegen Waldorfschulen im Allgemeinen zu hetzen.

    Ich glaube es sind zwei Faktoren entscheidend, ob man sein Kind auf die Waldorfschule schicken soll: 1.) Am wichtigsten, das Kind. 2.) Die spezielle Schule, auf die das Kind soll (und auch der Klassenlehrer).

    Die “leicht rassistische Lehre des Gründervaters” gibt es nicht. Die rassistischen Vorwürfe beziehen sich vor allem auf einen Vortrag Steiners, der nach heutiger Zeit, belastete Vokabeln enthält und der nach dem Kontext der damaligen Zeit bewertet werden muss.

    Rassimus an Waldorfschulen gibt es heute nicht.
    Zwar wurden 2-3 Fälle bekannt, man muss jedoch beachten, dass diese Schulform unter besonderer medialer Beobachtung steht und jeder kleinste Vorfall anders bewertet wird, als bei “normalen” Schulen. 2-3 “Ausnahmen” bei einer vergleichbar großen Menge an “normalen” Schulen, lösen sich im statistischen Nichts auf. In meiner Zeit habe ich nie Rassismus oder Xenophobie von Lehrern oder Schülern mitbekommen, jedoch jede Menge interkulturelle Bereichung in Form von Schüleraustausch, Klassenfahrten, Projekten und internationalen Tagungen.

    So long…

  3. 3 Simon Posted November 23rd, 2007 - 01:09

    @ .markus:

    Die Blumen hast du dir spätestens mit diesem Statement verdient :) Ich füge da nichts mehr hinzu, besser kann mans nicht zusammenfassen.

  4. 4 Paula Posted November 23rd, 2007 - 02:29

    Schön objektiv beleuchtet – Kompliment!

  5. 5 Simon Posted November 23rd, 2007 - 04:02

    Danke! Das Kompliment kann ich auch gleich an euch zurückgeben – der Shop ist genial!

  6. 6 Der in der "6stenklassekommer" Posted November 30th, 2007 - 14:58

    Erst mal ein Kompliment für deine Artikel.
    Habe aber eine kleine Kritik. In deinem Artikel hört sich so an also ob alle “Neuzugänge” doof wären. Dies kann ich nicht bestätigen. Dies ist an unserer Schule nicht so!!

  7. 7 Simon Columbus Posted December 1st, 2007 - 14:12

    Danke :)

    Es ist sicher nicht so, dass das auf alle Neuzugänge zutrifft, auch nicht bei uns. Nur macht es wenig Sinn, über die fähigen Neuzugänge zu schreiben…

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