Jahresarbeit – Review I

31Jan08

Zum Abschluss unserer Jahresarbeitszeit gehörte nicht nur ein ganzes Wochenende, an dem wir unsere Ergebnisse ausstellten und in Vorträgen die mündliche Prüfung ablegten, sondern auch, am Samstag, der “Bunte Abend”.

Der Bunte Abend ist eine der vielen Traditionen an unserer Schule. In einer Show präsentieren die Schüler, eingebettet in ein Rahmenprogramm, Teile ihrer Jahresarbeiten. Die vorherige Klasse hatte erstmals auf diesen Abend verzichtet – zu zeitraubend sei das Proben und Vorbereiten. Ein Argument, dass es für uns von Anfang an nicht gab – wir wollten, mussten diesen Abend haben! In solchen Fragen ist meine Klasse sehr deutlich. Die Traditionen und Werte der Schule sind bei uns noch deutlich verankert – ein Mangel, der jüngeren Jahrgängen auch schonmal vorgeworfen wird.

Wir bekamen natürlich unseren Abend. Wir haben uns, mehr schlecht als recht, auf ein Rahmenprogramm geeignet. Und natürlich wollte ich auch einen eigenen Beitrag leisten – freiwillig, denn gezwungen wurde dazu keiner. Schon vor den Ferien stellte ich mir die Frage, welchen Blogartikel ich lesen könnte. Zum einen keine leichte Wahl, da die meisten Texte zu kurz oder auf aktuelle Situationen bezogen waren. Zum anderen aber, und das wog viel schwerer, konnte ich mich nicht zwischen den beiden Texten entscheiden, die ich mir schon bald ausgesucht hatte.

Zwei Texte, die beide von der Schule handeln, mir beide besonderes Lob eingebracht hatten – “Das Prinzip Angst” und “Nuttig“.

Zwischen diesen beiden Texten zu wählen war nicht einfach. Denn es war nicht einfach eine Frage von Qualität oder Lesbarkeit, sondern auch eine ideologische. Während “Das Prinzip Angst” ganz deutlich die Problematik unseres auf Leistungsdruck basierenden Schulsystems im Blick hat, handelt “Nuttig” vor dem Hintergrund unserer Theaterproben von der Oberflächlichkeit der Konsumgesellschaft. Beide Texte nehmen Bezug auf meine Schule, meine Mitschüler – und handeln doch von unserer ganzen Generation. Denn sie thematisieren Schieflagen unseres Lebens, Schieflagen, die durchaus zusammenhängen. Es sind Schieflagen, die durch ein falsches Wertesystem, einen Mangel an Menschlichkeit in der Bewertung von Individuen enstehen.

Und ich stand nun vor der Frage, welchen dieser Texte ich lesen wollte. Welchen dieser Texte die Schüler, Eltern, Lehrer hören sollten. Besonders ein Punkt war es, an dem ich die Entscheidung suchte: Sollte ich einen positiven Aspekt unserer Schule hervorheben, wie es in “Nuttig” geschieht – oder die volle Kraft des Momentes nutzen, um mit dem Text “Das Prinzip Angst” den Finger auf ein Problem meiner Mitschüler zu legen?

Ich konnte mich nicht entscheiden. Ich habe dann die Texte meinen Mitschülern gegeben – sie konnten sich nicht entscheiden.

Ich habe dann “Das Prinzip Angst” gelesen. Weil bei “Nuttig” die Leute die Überschrift nie verstehen – rein akustisch.

Und im Nachhinein bin ich froh über diese Wahl. Denn die Gratulationen zu diesem Vortrag haben mir gezeigt, dass mein Text tatsächlich den Punkt trifft, es mir gelungen ist, eine Frage, ein Problem zu vermitteln. Denn am Bunten Abend geht man nicht nur als Show Act, als Unterhalter und Selbstdarsteller auf die Bühne – sondern auch mit einer Mission. Man ist Vermittler zwischen seinem Thema und den Menschen im Saal. Diplomat, Mahner, Populist.


"„Der Unterschied zwischen Reich und Arm ist der, dass die Armen alles selbst tun müssen mit ihren eigenen Händen, die Reichen aber können jemanden anstellen, der die Dinge für sie tut.“"— Betty Smith


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