Wir können’s ja doch!?

24Jul08

In einem kurzen Video haben BooCompany und Stationäre Aufnahme dem ARD-Gesundheitsexperten Prof. Hademar Bankhofer Schleichwerbung nachgewiesen. Der kleine Skandal machte die Runde in der Blogosphäre – und keine drei Tage später setzte der WDR seinen Experten vor die Tür.

Das dieses Ereignis so kurz nach der Provokation dreier Spiegel-Autoren kommt, mag vielen wie ein glücklicher Zufall erscheinen. Immerhin war den deutschen Bloggern dort vorgeworfen worden, keine eigenen Enthüllungen aufzubieten, sich vor allem mit sich selbst zu beschäftigen.

Allerdings offenbart das Bankhofer-Skandälchen einige Wahrheiten, die in dem Spiegel-Artikel noch hinter provokativer Polemik verschwanden. Denn das sich die deutsche Blogosphäre für die Aufdeckung der Schleichwerberei eines drittklassigen TV-Experten selbst feiert, zeigt ja auch, wie selten solche Ereignisse sind. Immernoch sind investigative Nachforschungen den deutschen Bloggern recht fremd.

Auf der anderen Seite wird auch deutlich, dass die etablierten* Massenmedien alles andere als interessiert sind, Blogger auf einer anderen als der Meta-Ebene wahrzunehmen. In dem Spiegel-Artikel zu Bankhofers Entlassung findet sich kein Hinweis darauf, wer den Skandal aufgedeckt hat. Von einer Verlinkung, wie sie angemessen wäre, ganz zu schweigen.

Doch die Fehler der anderen sollten nicht von den eigenen Makeln ablenken. Der Spiegel provozierte die Blogger, sie reagierten. Wie nicht anders zu erwarten mit Meta-Artikeln – genau dem, was Bloggern immer wieder vorgeworfen wird. Dabei sind vernünftige Überlegungen über Blogs nicht unwichtig; aber um die Vorwürfe a la Spiegel zu entkräftigen, braucht es eher mehr investigatives Blogging.

Vorbilder gibt es genügend. Stefan Niggemeier hat nicht nur so manches Vergehen von B**D aufgedeckt, sondern dürfte zusammen mit Marc Doehler auch einen großen Anteil am Niedergang von Callactive haben. Und Nischenblogs wie die Stationäre Aufnahme zeigen, dass sich auch Abseits der “A-Blogs” etwas bewegen lässt.

Gerade das langfristige Verfolgen eines Themas sollte ein Vorteil von Bloggern gegenüber Journalisten sein. Weil sie als Amateure nicht gezwungen sind, jeden Tag eine bestimmte Anzahl an Zeilen zu liefern, können Blogger sich eigentlich die Recherche leisten, die gerade im schnelllebigen Onlinejournalismus zugunsten der Aktualität meistens wegfällt. Kommt dabei tatsächlich etwas zusammen, funktionieren Blogs tatsächlich. Social Media eignet sich perfekt, um “Themen nach oben zu spülen” – wenn denn mal welche da sind.

Nachtrag: In anderen Ländern funktionierts doch auch – ein Bericht aus Armenien.

3 Responses to “Wir können’s ja doch!?”


  1. 1 corax Posted July 25th, 2008 - 14:18

    Moin Simon,

    es geht offenbar auch anders: Artikel in Zeit Online mit Links.

    Glück auf! :–)

    PS: Neues Design gefällt mir wesentlich besser.

  2. 2 Simon Posted July 25th, 2008 - 19:16

    Der Zeit-Artikel ist in der Tat gut gelungen. Scheinbar gelingt’s dem angeblich so elitären Blatt besser als anderen, sich auf Blogs einzulassen…
    Überhaupt lese ich Zeit.de in den letzten Monaten immer häufiger. Von der Qualität her unterscheidet sich der Content doch merklich von SpOn (das wegen Aktualität und Umfang doch immer noch zur täglichen Lektüre gehört) und sueddeutsche.de, die eigentlich nur mit Prantl auftrumpfen können.

Who's linking?

  1. 1 blog.politik.de » Blog Archive » Blogschau - Die Woche im Rückblick VI Pingback on Jul 28th, 2008
    "[...] weniger Aufmerksamkeit verdient sie. Meint die Autorin eines Beta-Meta-Blogs. Und außerdem: Wir können’s ja doch. Schließlich trennt sich wenige ..."
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"„Der Unterschied zwischen Reich und Arm ist der, dass die Armen alles selbst tun müssen mit ihren eigenen Händen, die Reichen aber können jemanden anstellen, der die Dinge für sie tut.“"— Betty Smith


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