Mein Respekt

29Aug08

gilt heute – leset und staunet – einem CDU-Politiker. Kölns Oberbürgermeister Fritz Schramma, der gegen den Willen seiner Parteigenossen für den Bau der “Großmoschee” in Köln-Ehrenfeld votiert hat, ist einen Ehrenerweis wert.

Ohne die Politik dieses Mannes weiter zu kennen: Wer trotz starker rechter Strömungen in seiner Stadt – im Rat sitzen auch fünf Mitglieder von “Pro Köln” und wer einmal einen Blick in den Express wirft weiß, dass deren Wahl kein reiner Ausrutscher war – sich derart für ein Unterfangen einsetzt, dass – obwohl mir natürlich die religiöse Komponente nicht behagt – ein Prestigeprojekt der Liberalität sein wird, der zeigt etwas, was sich in der heutigen Politik kaum noch wiederfindet: Ideale.

Die Ehrenfelder Moschee ist ein Bau des Ditib, keineswegs ein Verein, dem ich volle Sympathien entgegenbringe. Tatsächlich bringe ich keiner religiösen Vereinigung Sympathien entgegen, die Facebook-Gruppe des Flying Spaghetti Monsters einmal ausgenommen. Aber in Fällen wie diesen wird meine Abneigung gegen Religion bei weitem aufgewogen von meiner Abneigung gegen Rassisten (und unlogische Argumentationen).

Daher steht für mich fest: Diese Moschee muss gebaut werden. Religionsfreiheit ist auch mir als areligiösem, anti-religiösem Menschen wichtig (als ein Zwischenschritt auf dem Weg zur areligiösen Gesellschaft). Es ist nicht eine Entscheidung zwischen Christentum und Islam, nein: Es ist eine Frage der Rechtsstaatlichkeit.

Denn mehr als um alles andere geht es in der Diskussion um diesem Moscheebau um Gerechtigkeit. Ein durchaus zweischneidiges Schwert:

Der katholische Hassprediger Walter Mixa etwa wollte die Religionsfreiheit deutscher Muslime mit den Leiden christlicher Gläubiger in islamischen Ländern aufwiegen. Gerechtigkeit?

Gerechtigkeit bedeutet, jedem das gleiche Maß an Freiheit zu gewähren. Dem Staat fällt die Aufgabe zu, in Legislative, Judikative und Exekutive diese Gerechtigkeit zu wahren. Insofern ist das Ideal, dem sich Fritz Schramma mit seinem Engagement für den Bau der Ehrenfelder Moschee verschrieben hat, nicht das Ideal der Toleranz, sondern das Ideal der Gerechtigkeit.

Man ist beinahe versucht zu fragen: “Könnte es ein christlicheres geben?” – aber es wäre ein Fehler, Gerechtigkeit mit Nächstenliebe gleichzusetzen. Gerechtigkeit ist zutiefst areligiös, denn ihr fehlt die Subjektivität des Glaubens. Fritz Schramma musste sich für den Bau der Ehrenfelder Moschee einsetzen nicht weil er richtig ist, sondern weil er gerecht ist.


"„Der Unterschied zwischen Reich und Arm ist der, dass die Armen alles selbst tun müssen mit ihren eigenen Händen, die Reichen aber können jemanden anstellen, der die Dinge für sie tut.“"— Betty Smith