Lesen! online

12Dec08

Das Webdebut von Elke Heidenreichs Literatursendung “Lesen!” ist nun schon zweieinhalb Wochen her. Mit gut 75.000 Views auf der eher kleinen Plattform Sevenload darf man es wohl als gelungen bezeichnen, obwohl die Folgesendungen zeigen müssen, in welche Richtung der Trend geht.
Für mich ist aber bereits nach dieser ersten Folge “Lesen!” online klar, dass Elke Heidenreich ins Netz passt, ja: gehört.
Das ist vor allem eine Frage des Tons. Online wird, aus verschiedenen Gründen, ein anderer Umgang gepflegt als in konventionellen Medien. Die Tatsache, dass Blogs und Podcasts originär keine Broadcasting-Medien sind hat dazu beigetragen, dass für sie ein persönlicherer Ton üblicher ist als in der Presse.
Das merke ich immer wieder, wenn ich Texte von Autoren lese, die sowohl im Netz als auch auf Papier veröffentlichen. Bei dem in Bezug auf Social Media eher konservativen Stefan Niggemeier wirkt es nur wie ein dezentes Lockern der Krawatte; trotzdem erkenne ich als Stammleser schnell, unter welchen Artikeln “F.A.Z.” steht.
Andere Autoren dagegen krempeln gleich die Ärmel hoch, wenn sie sich an die Tastatur setzen. So kommt es, dass ich immer wieder zu hören bekomme, die Direktheit in Blogs sei aggressiv und unangenehm.
Dabei liegt ihr der große Vorzug einer ungemeinen Ehrlichkeit der Autoren auch sich selbst gegenüber inne. Der regelmäßige Bezug auf die Metaebene wird Bloggern nur zu gern als narzisstische Selbstreferentialität ausgelegt. Dabei ist er vor allem auch das Eingeständnis der eigenen Fehlbarkeit.
Das gilt zumal, wenn er formuliert ist wie bei Heidenreich. Ihre ständigen Kommentare zur Kameraeinstellung sind es, die sie wirklich für einen Video-Podcast qualifizieren. Der Bezug auf die Metaebene des “Making of” ist ein Rückschritt von dem oft falsche Perfektion und Objektivität suggerierenden Bild der klassischen Broadcasting-Medien hin zu einer auf Fehlbarkeit basierenden Authenzität.
Aus dem Halbgott in Schwarz auf Weiß wird auf diese Weise wieder ein Mensch, der für die Leser oder Zuschauer in digitale Rufweite rückt. Für eine mit Selbstironie begabte Frau wie Elke Heidenreich kann das nur ein Fortschritt sein.

Link: (Lesen! mit Campino)

1 Response to “Lesen! online”


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  1. 1 Bloguer ou ne pas bloguer » Tiny Chocolat Pingback on Dec 13th, 2008
    "[...] le disais dans Tubular Bells for Betty. Et, avec lui, faisons connaissance avec Elke Heidenreich (SimonC., ricochet-jeunes) ; si ..."
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"„Der Unterschied zwischen Reich und Arm ist der, dass die Armen alles selbst tun müssen mit ihren eigenen Händen, die Reichen aber können jemanden anstellen, der die Dinge für sie tut.“"— Betty Smith


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