.slam 19. Siegener Poetry Slam

06Jul09

Semi-spontan habe ich mich am Sonntag das erste Mal zum Poetry Slam in Siegen bequemt. Vor hatte ich das schon länger, zuletzt aber immer wieder die Termine verplant, das hier im doppelten Wortsinne zu nehmen.

Obiges soll nicht heißen, Poetry Slam wäre mir bisher nicht bekannt gewesen. Auf Youtube findet sich zum Glück eine Unzahl an Mitschnitten zB der amerikanischen Sendung Def Poetry Jam, mit denen ich schon so manche Nacht verbracht habe. Aus Deutschland hatte es mir bisher vor allem die Rapperin und Slammerin Fiva MC angetan.

Von den am Sonntag in Siegen antretenden Künstlern war mir allerdings nur der Münsteraner Andy Strauß ein Begriff (ohne, dass ich jetzt sagen könnte, woher).

Der gehörte dann auch zu den vier Kandidaten, die letztlich in die Finalrunde einzogen. Strauß zeigt eine wirklich beeindruckende Bühnenpräsenz (die ihm auch über seinen nicht mehr ganz nüchternen Zustand hinweg half). Schön wäre es nur gewesen, wäre er weniger albern (oder hätte doch zumindest nicht ständig über sich selbst gekichert). An letzterem zeigt sich wohl auch eine Schwierigkeit des Poetry Slam, der in Deutschland in den letzten Jahren wohl so etwas wie seine Jugendjahre erlebt: Es gibt einen Wettstreit zwischen erwünschter Authenzität und für den Mainstream erforderlicher Professionalität.

Gewonnen hat letztlich der aus meiner Sicht einzig angemessene Kandidat. Die erste Erzählung des Berliners Gauner über eine Reise zu den eigenen Erinnerungsstücken, wenn man es so nennen möchte, erinnerte mich in seinem Eintauchen in die materialisierte Welt der metaphysischen Souvenirs ein wenig an Torchs brillianten Track Ich hab geschrieben (ohne ihm natürlich das Wasser reichen zu können). Es war einer der wenigen tiefsinnigeren Beiträge im Wettbewerb und schon daher mein Favorit.

Auch von der Vortragsweise her gehörten Gauners gereimt-gerappte Texte zu meinen Favoriten. Neben ihm und Strauß aber waren es wenige, die tatsächlich anklingen ließen, dass es beim Poetry Slam auch um die Präsentation des Werkes geht. Einzig Alexander Willrich und Bente Varlemann fand ich da noch interessant.

Stattdessen wirkte die ganze Veranstaltung ein wenig wie Kabarett ohne das allfällige Piano auf mich: Viele Witze, viel Sex und ein wenig Politik, in einer schönen Packung und mit der extra Portion Poesie beworben, um es als Mode zu verkaufen.

1 Response to “.slam 19. Siegener Poetry Slam”


  1. 1 Tobias Donath Posted July 6th, 2009 - 22:05

    Hi,

    danke für die Resonanz. ich bin selber aufgetreten. wie gesagt zum ersten mal.

    Was die vermeindlichen Pros da zelebrieren, ist allerhöchstes Niveau!

    Doch dieses Level erreicht man nicht von heute auf morgen.

    “Vortragen darf jeder, vorgetragen werden darf alles” Ist das Motto, und das muss es auch bleiben.

    Ich fand es eine gelungene Veranstaltung, und gerade die Vielfalt macht es aus.

    Und das nächste mal – und das wird es geben –

    Werde ich hoffentlich weniger nervös sein und mehr Wert auf Präsentation legen ;-)

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