Bitte achten Sie auf Ihre Sprache

20Dec09

Am Freitag habe ich auch einmal Consultant gespielt und einigen jungen Leuten Blogs und WordPress.com erklärt. Meine russische Freundin Ira, derzeit als Praktikantin in Berlin, hatte mich um Hilfe bei einem Projekt gebeten.

Es geht ums “Deutsch lernen im Vorbeigehen“: Ira möchte Lerner der Sprache dazu ermuntern, Geschichten über ihre Bekanntschaften mit einzelnen Begriffen zu erzählen. Eine schöne Idee, wie ich finde. Einerseits, weil Blogs ein Medium für Geschichtenerzähler sind, und andererseits, weil ich selber mit vielen Wörtern kleine Geschichten, Ideen und Eselsbrücken verknüpfe.

Am Freitag hatte sie dazu einige Mitglieder von MitOst zu einem Workshop geladen. Als ich aus der Berliner Kälte dazustieß, stand noch eine kurze Brainstorming-Session bevor: “Wie schnappe ich die Worte im Alltag auf?” Ira hat zu ihren Wörtern schon einige solche Kennenlern-Geschichten aufgeschrieben – zu einer durfte ich die Erklärung für den Paragraphenreiter beisteuern.

Die Workshop-Teilnehmer sammelten schnell einige Punkte zusammen, die man als Fremdwort-Fänger im Alltag beherzigen sollte. Als Language Geek hatte ich etwas abseits sitzend meinen Spaß daran, der kleinen Gruppe beim Diskutieren zuzusehen. Hin und her ging es, um die richtige Formulierung zu finden.

Die Empfehlung, auf den Kontext zu achten, stand schon auf dem Papier, und über die Unterscheidung von Hoch- und Umgangssprache war bereits gesprochen worden, aber ein junger Mann versuchte den anderen noch eine genauere Differenzierung verständlich zu machen. Als er damit auf Ablehnung stieß – es sei ja schon auf den Kontext hingewiesen worden – rang er ein wenig mit den Worten, um sein Anliegen klar zu machen, bevor er aufgab. Ich denke, er meinte den Soziolekt – aber wer kennt sich schon mit linguistischem Fachjargon aus?

Diese Szene führte mir wieder einmal die Hilflosigkeit vor Augen, in der man sich als Sprachenlernender befindet. Im Grunde wird man freiwillig wieder zum Kleinkind, wenn man sich an eine neue Sprache heranwagt: Es fehlen einem die Worte. Ich finde, das ist ein Schritt, der eine ganze Menge Mut erfordert. Freiwillig sprachlos zu werden ist eine größere Herausforderung, als laut herumzubrüllen.

(Ich überlege im übrigen schon seit längerem, kurze Einträge zu meinen Lieblingswörtern zu schreiben. Besonders im Arabischen laufen mir immer wieder Begriffe über den Weg, die ich einfach gern habe; häufig auch einfach wegen ihres Klanges. Mal sehen, ob ich das mal mache.)

1 Response to “Bitte achten Sie auf Ihre Sprache”


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  1. 1 Erster Workshop: ein Bericht von Augenzeugen « Kreativesschreiben's Blog Pingback on Dec 20th, 2009
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"„Der Unterschied zwischen Reich und Arm ist der, dass die Armen alles selbst tun müssen mit ihren eigenen Händen, die Reichen aber können jemanden anstellen, der die Dinge für sie tut.“"— Betty Smith