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	<title>simoncolumbus &#187; consumerism</title>
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		<title>No Country for Young Men</title>
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		<pubDate>Wed, 05 Aug 2009 22:48:35 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Simon</dc:creator>
				<category><![CDATA[consumerism]]></category>
		<category><![CDATA[politics]]></category>
		<category><![CDATA[sociology]]></category>

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		<description><![CDATA[Das englische Original des Artikel findet sich hier. Ich muss gestehen, den Titel habe ich von Ahmed Al-Omran entlehnt, der damit sein Heimatland Saudi-Arabien beschreibt. Ahmed &#228;u&#223;ert eine Beschwerde, die man recht h&#228;ufig von jungen Saudis und anderen Golf-Arabern h&#246;rt. Um, wie sie sagen, Frauen vor sexueller Bel&#228;stigung zu sch&#252;tzen, verbieten viele Cafés und Restaurants [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Das englische Original des Artikel findet sich <a href="http://www.simoncolumbus.com/2009/08/05/no-country-for-young-men/">hier</a>.</em></p>
<p>Ich muss gestehen, den Titel habe ich von <a href="http://saudijeans.org/2009/08/01/no-country-for-young-men/">Ahmed Al-Omran</a> entlehnt, der damit sein Heimatland Saudi-Arabien beschreibt. </p>
<p>Ahmed &#228;u&#223;ert eine Beschwerde, die man recht h&#228;ufig von jungen Saudis und anderen Golf-Arabern h&#246;rt. Um, wie sie sagen, Frauen vor sexueller Bel&#228;stigung zu sch&#252;tzen, verbieten viele Cafés und Restaurants alleinstehenden M&#228;nnern den Zutritt zu ihren Lokalen. Infolge dessen, und obwohl diese Gesellschaften h&#228;ufig sehr restriktiv gegen&#252;ber Frauen sind, haben diese mehr M&#246;glichkeiten, auszugehen, als ihre m&#228;nnlichen Gegenparts.</p>
<p><a href="http://arabnews.com/?page=13&#038;section=0&#038;article=124864&#038;d=29&#038;m=7&#038;y=2009&#038;pix=kingdom.jpg&#038;category=Local%20Press">Abdu Khal</a> schreibt, &#8220;Wenn du die Menge der Jugendlichen z&#228;hlen w&#252;rdest, die nirgends hingehen k&#246;nnen, weil Einkaufszentren, Parks und Str&#228;nde Familien vorbehalten sind, dann w&#228;hrest du abgesto&#223;en. Was werden die Jugendlichen tun, wenn sie sich gefangen und ausgesto&#223;en wiederfinden?&#8221;</p>
<p>Das ist ein Problem, dem ich jeden Tag begegne. Soziale Beschr&#228;nkungen zwingen junge Menschen dazu, auf den Stra&#223;en herumzuh&#228;ngen. Wenn ich am Abend eines Wochentages zu meinem Lieblingscafé gehe, dann sehe ich Jugendliche, vielleicht ein wenig j&#252;nger als ich selbst, die an schlecht beleuchteten Bushaltestellen und verlassenen Spielpl&#228;tzen herumh&#228;ngen. Vielleicht bemerken sie es nicht einmal, weil sie sich so daran gew&#246;hnt haben, aber ich wette, sie w&#252;rden gerne ihre Situation gegen meine eintauschen.</p>
<p>Allein, sie k&#246;nnen es nicht. Mein Lieblingscafé ist ab acht Uhr f&#252;r Minderj&#228;hrige geschlossen, und genauso ist es in den meisten Lokalen. Eine k&#252;rzlich erschienene <a href="http://jetzt.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/480671">Reportage</a> &#252;ber die Hintergr&#252;nde der drei Jugendlichen, die in M&#252;nchen mehrere Menschen verpr&#252;gelt haben, zitiert einen jungen Schweizer: &#8220;Im Jugendzentrum sind nur Sch&#252;ler und Muschis. In die Bars kommen wir nicht rein. Deswegen h&#228;ngen wir jeden Tag hier [am Bahnhof] rum.&#8221;</p>
<p>Vor einigen Tagen habe ich in einem <a href="http://www.simoncolumbus.com/2009/07/26/city-deems-flashmobs-in-public-space-illegal-says-it-fears-harm-to-public-property/">Artikel</a> &#252;ber das Verbot von Flashmobs in Braunschweig die &#220;berzeugung der Stadt zitiert, dass &#8220;der &#246;ffentliche Raum in Braunschweig ausschlie&#223;lich dem Verkehr [dient], also dem Transfer von Wohnung a zu Wohnung b, von Wohnung a zu Gesch&#228;ft b oder von Gesch&#228;ft a zu Gesch&#228;ft b.&#8221;</p>
<p>Das ist niederschmetternd f&#252;r Teenager, die weder zuhause Ruhe finden noch in kommerziellen Cafés. Wohin sollen sie gehen, wenn &#8220;der &#246;ffentliche Raum ausschlie&#223;lich dem Verkehr dient&#8221;? Ahmed gibt eine Antwort, die f&#252;r saudische Jugendliche genauso zutrifft wie f&#252;r Schweizer: &#8220;Nun, wie werden andere Dinge tun, die du vielleicht nicht m&#246;gen wirst&#8221;.</p>
<p>Dies k&#246;nnte eine Story &#252;ber das Verlangen von Teenagern nach einem Ort zum Abh&#228;ngen sein. Ist es. Aber zugleich m&#246;chte ich dies auch in einem breiteren Kontext sehen. Warum sind junge Menschen gezwungen, auf den Stra&#223;en herumzuh&#228;ngen? Vor allem, weil sie keinen Ort f&#252;r sich selbst haben. Zuhause sind ihre Eltern, in den Cafés gibt es Eigner, die auch nicht gerade ihrer Generation angeh&#246;ren.</p>
<p>Sie haben keinen Ort f&#252;r sich, weil sie keinen bezahlen k&#246;nnen; und aus dem gleichen Grund k&#246;nnen sie sich keinen Zugang zu einem erkaufen (oder hat schon mal wer ein Million&#228;rss&#246;hnchen auf der Stra&#223;e herumh&#228;ngen sehen?). Darin teilen Teenager ein Problem mit anderen sozial marginalisierten Gruppen.</p>
<p>Die Antwort auf diese Situation k&#246;nnte die Schaffung von Commons (zu Deutsch &#8220;Allmende&#8221;) sein. Wenn du schon einmal eine der bestehenden Commons nach Einbruch der Dunkelheit besucht hast, dann wirst du wissen, dass die meisten von ihnen alles andere als einladend sind. Kaum beleuchtete Parks ziehen nun einmal eher jene an, die die Dunkelheit suchen, als rechtschaffene B&#252;rger.</p>
<p>Aber muss das so sein? In alten Zeiten war der Dorfplatz ein Treffpunkt f&#252;r alle B&#252;rger. Ein &#246;ffentlicher Raum, offen f&#252;r die sozialen Aktivit&#228;ten von jedem, der sich dorthin begab. Heute haben wir diesen Platz zu Starbucks verlagert, haben ihn von einem Commons auf privaten Grund verlagert.</p>
<p>Stell dir Commons vor, Orte die nicht sozial ausschlie&#223;end sind, sondern offen f&#252;r jeden. Ein guter Marktplatz sollte gerade so sein. Ich habe das in Br&#252;ssel erlebt: Hunderte Menschen, die auf dem Grote Markt sitzen und sich unterhalten.</p>
<p>Lawrence Lessig beschreibt das Internet als &#8220;Kreatives Commons&#8221;. Diesen Marktplatz m&#246;chte ich ein &#8220;Soziales Commons&#8221; nennen. Und gerade so wie das Internet als Commons kreatives Schaffen erm&#246;glicht, erlaubt ein soziales Commons das Entstehen neuer sozialer Netzwerke. Es ist daher gerade n&#252;tzlich f&#252;r die, die sich noch nicht in der Gesellschaft etabliert haben. Teenager sind nur eine Kategorie davon.</p>
<p>Immer, wenn wir &#252;ber Integration reden, sollten wir &#252;ber Commons reden. Ihre Offenheit erlaubt jedem, an ihnen teilzuhaben, neue Netzwerke zu weben und eine bessere, eine egalit&#228;rere Gesellschaft zu schaffen. Damit ein Land ein &#8220;Country (also) for young (wo)men&#8221; werden kann.</p>
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		<title>Arbeit</title>
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		<pubDate>Wed, 25 Feb 2009 21:16:44 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Simon</dc:creator>
				<category><![CDATA[consumerism]]></category>
		<category><![CDATA[philosophy]]></category>

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		<description><![CDATA[Wie definiere ich Arbeit? Gibt es h&#246;here / niedere Arbeit? Generell sehe ich zwei Wege, den Begriff &#8220;Arbeit&#8221; anzugehen. Auf der einen Seite ist Arbeit ein Prozess der Wertschaffung. Dabei entsteht durch die Aufwendung von Energie und Zeit ein verwertbares Produkt. Ein solcher produktorientierter Arbeitsvorgang kann sowohl materiell als auch immateriell sein: Eine Designerin oder [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Wie definiere ich Arbeit? Gibt es h&#246;here / niedere Arbeit?</p>
<p>Generell sehe ich zwei Wege, den Begriff &#8220;Arbeit&#8221; anzugehen.</p>
<p>Auf der einen Seite ist Arbeit ein Prozess der Wertschaffung. Dabei entsteht durch die Aufwendung von Energie und Zeit ein verwertbares Produkt. Ein solcher produktorientierter Arbeitsvorgang kann sowohl materiell als auch immateriell sein: Eine Designerin oder ein Kassierer sind insofern jedem Fabrikarbeiter gleich.<br />
Wichtig ist aber, dass sich das Produkt dieses Prozesses in einen materiellen Wert, d.h. in unserer Gesellschaft Geld, umwandeln l&#228;sst. </p>
<p>Auf der anderen Seite ist Arbeit aber auch ein selbstbezweckter Prozess. Das hei&#223;t, dass Energie und Zeit mit Ausrichtung auf den Prozess selbst aufgewendet werden &#8211; das Produkt dieses Prozesses ist zweitrangig, ja, sogar unbedeutend. Die Versenkung in diesem Prozess ist in sich selbst Gl&#252;ck schaffend. Was also sonst &#252;ber den Umweg des Geldes und damit erwerbbarer Annehmlichkeiten gehen w&#252;rde, n&#228;mlich der Gl&#252;cksgewinn, ist also hier bereits im Prozess inh&#228;rent.</p>
<p>Diese Unterscheidung halte ich f&#252;r wichtiger als die Unterscheidung zwischen bezahlter und unbezahlter, freiwilliger und unfreiwilliger, wichtiger und unwichtiger Arbeit. Aus ihr heraus sehe ich weitere Differenzierungsm&#246;glichkeiten.</p>
<p>Zuerst einmal ist es offensichtlich, dass diese beiden Begriffe sehr eng verkn&#252;pft sind mit dem &#8220;Haben oder Sein&#8221; Erich Fromms. In der Tat ist ersteres, produktorientiertes Verst&#228;ndnis ganz klar dem Materialismus zugewandt, das letzere, prozessorientierte dagegen recht eindeutig ein Mittel zum &#8220;Sein&#8221;.</p>
<p>Ich will mich aber der eigentlichen Fragestellung zuwenden. Auch diese moralische Beurteilung fu&#223;t auf den aufgestellten Definitionen. Befassen wir uns erst einmal mit der Bewertung von Arbeit nach dem prozessorientierten Verst&#228;ndnis. </p>
<p>Auch hier bieten sich zwei Wege an; sie haben die politische Debatte des vergangenen Jahrhunderts entscheidend gepr&#228;gt.</p>
<p>Auf der einen Seite steht die libertarianische oder neoliberalistische Haltung, die nach einer freien Marktwirtschaft und einer sozialdarwinistischen Gesellschaft strebt. Sie bewertet die Arbeit eines Menschen nach seinem Erfolg: Wer materiell erfolgreich ist, hat gute Arbeit geleistet.<br />
Gute Arbeit ist also solche, die die Bedingungen der freien Marktwirtschaft und die Wechselwirkungen von Angebot und Nachfrage am besten zur eigenen Vermarktung und Entlohnung instrumentalisiert.<br />
Im Idealfall bedeutet dies ein Spiel mit gleichberechtigten Teilnehmern, unter denen sich die &#8220;Guten&#8221; und &#8220;T&#252;chtigen&#8221; kraft ihrer F&#228;higkeiten und ihres pers&#246;nlichen Willens zum Erfolg zurecht durchsetzen. </p>
<p>Die praktischen Auswirkungen lassen sich besonders in den Vereinigten Staaten beobachten. Zu den auff&#228;lligsten Merkmalen der amerikanischen Gesellschaft geh&#246;rt die &#252;berdurchschnittlich schnelle und gute Integration von Immigranten, die in den USA &#8220;ihr Gl&#252;ck machen&#8221; wollen &#8211; und das trotz eines starken Rassismus. Der Grund daf&#252;r liegt darin, dass von Anfang an jedem das Recht zugestanden wird, nach Gl&#252;ck zu streben &#8211; &#8220;the pursuit of happiness&#8221;. In einer materialistischen Gesellschaft hei&#223;t dies, dass jeder das Recht hat, materiellen Wohlstand zu erlangen &#8211; und sich damit zugleich auch die Anerkennung seiner Mitb&#252;rger sichert.</p>
<p>Man kann dieses Modell zusammenfassend als individualistisch-zweckorientiert beschreiben. Dem entgegengesetzt steht der Ansatz des Kommunismus bez&#252;glich der Arbeit.</p>
<p>Auch hier wird Arbeit als Produktionsmittel gesehen. Nicht umsonst hei&#223;t eines der Hauptwerke Marx&#8217; &#8220;Das Kapital&#8221; &#8211; ein Begriff, der zwingend an den Begriff der Produktion gekn&#252;pft ist. Allerdings wird hier eine Gleichwertigkeit aller Arbeit angenommen, die sich nicht zuletzt in der Planwirtschaft als Gegenmodell zur freien Marktwirtschaft ausdr&#252;ckt.</p>
<p>Planwirtschaft hei&#223;t schlie&#223;lich im Idealfall, dass die Auswirkungen von Angebot und Nachfrage aufgehoben werden. Wenn weder &#220;bersch&#252;sse noch Engp&#228;sse existieren, kann keine Arbeit besser als eine andere vermarktet werden. Die Entlohnung &#8211; und um diese geht es auch im Kommunismus &#8211; bleibt f&#252;r alle Produzierenden gleich. </p>
<p>Ein solches System legt den Fokus st&#228;rker auf die Gesellschaft und darin vor allem auf die Gleichheit, weswegen ich den Ansatz sozialistisch-zweckorientiert nenne.</p>
<p>Anders die Systeme, die auf dem Verst&#228;ndnis von Arbeit als prozessorientiertem, selbstbezwecktem Vorgang beruhen; ich will sie &#8220;sinnorientiert&#8221; nennen. Auch hier lassen sich wieder ein individualistischer und ein sozialistischer Weg aufzeigen. Beginnen wir mit dem Individualismus.</p>
<p>Als dessen wohl bestes Bild kann wohl das Einsiedlertum nicht nur im christlichen Mittelalter gelten. Der Eremit zieht sich vollst&#228;ndig von der Gesellschaft zur&#252;ck, lebt also autark, um sich der Sinnsuche zu widmen.</p>
<p>Es w&#228;re nun falsch, diesen &#8220;Sinn&#8221; als Produkt seiner Besch&#228;ftigung zu sehen. Die besondere Qualit&#228;t dieses Sinnes &#8211; sei es Gott, sei es Erkenntnis &#8211; ist n&#228;mlich, dass er letztlich nicht erreicht werden kann. Damit bleibt nur die Sinnsuche als Prozess &#252;brig, dem sich der Einsiedler widmet.</p>
<p>Warum aber muss sich dieser Mensch zum Zwecke der Sinnsuche zur&#252;ckziehen? Wohl vor allem, damit der Prozess nicht durch Ablenkungen unterbrochen wird. In der Einsiedelei steckt das v&#246;llige Aufgehen im Prozess auch in dem Sinne, als der Einzelne seine Existenz &#252;ber die Suche definiert &#8211; eine Ablenkung w&#228;re als existenzbedrohend.</p>
<p>Weil diese individualistisch-sinnorientierte T&#228;tigkeit ganz allein den autarken Eremiten betrifft, ist seine Sinnsuche-Arbeit in dem Sinne wertlos, als sie nicht mit der Arbeit anderer verglichen werden kann. Auch hier wird Arbeit also nicht in eine Skala eingeordnet.</p>
<p>Ganz anders verhielten sich die Philosophen nicht nur der griechischen Antike. Die Akademeia Platon&#8217;s als Versammlungsort f&#252;r die Sinnsuchenden steht der m&#228;rchenhaften H&#246;hle des Einsiedlers, wie wir sie in der christlichen Mythologie antreffen, entgegen.</p>
<p>Ganz diesem Ort entsprechend ist auch die philosophische Publikationsform ihrer Zeit: Der Dialog. Dahinter steckt die grundlegende Annahme, dass die eigene Sinnsuche durch Austausch mit anderen bef&#246;rdert wird &#8211; und zugleich die Sinnsuche jener anderen bef&#246;rdert.</p>
<p>Die &#8211; genauso wie beim Eremiten zweckfreie &#8211; Sinnsuche wird also in diesem sozialistisch-sinnorientiertem Ansatz als gesamtgesellschaftlicher Vorgang begriffen. Dennoch scheint es uns, als seien die Beitr&#228;ge einiger Philosophen zum Fortkommen der Menschheit auf der Sinnsuche gr&#246;&#223;er und damit h&#246;her einzusch&#228;tzen als die anderer.</p>
<p>Dem m&#246;chte ich entgegensetzen, dass sich ein Prozess erst nach seinem Abschluss bewerten l&#228;sst. Bevor er nicht zu einem erkennbaren Ende gekommen ist, l&#228;sst sich kein Werturteil &#252;ber ihn f&#228;llen. Im Volksmund hat sich diese Erkenntnis in dem Sprichwort &#8220;Man soll den Tag nicht vor dem Abend loben&#8221; niedergeschlagen. Da der Sinnsuche-Prozess der Menschheit aber ein endloser Prozess ist, kann er nicht bewertet werden, und somit sind auch hier die Arbeitsbeitr&#228;ge aller Einzelnen wertlos nebeneinander zu stellen.</p>
<p>Damit habe ich also vier Modelle dargestellt, nach denen ich an die gestellte Frage herangehen kann. Sie gruppieren sich um die Begriffe Sinn und Zweck, Gesellschaft und Individuum.</p>
<p>Es ist keine Frage, dass diese Modelle nie in Reinform existieren und daher als reines Ideal zur Beschreibung der Pole dienen. Will ich die gestellte Frage allerdings beantworten, so muss ich mich auf eines dieser Modelle als mein Ideal einer Gesellschaft festlegen. Denn die Frage, wie Arbeit zu bewerten ist, ob es Arbeit von h&#246;herem respektive niedrigerem Wert gibt, ist untrennbar verbunden nach der Frage der idealen Weltordnung.</p>
<p>Ich will denn also damit beschlie&#223;en, mich auf eine sozialistisch-sinnorientierte Weltordnung als mein Ideal einer Gesellschaft festzulegen. Denn das Streben nach einem Zweck erf&#252;llt mich mit einer entsetzlichen Leere, einer Leere, die gerade aus der Sinnlosigkeit dieses Zweckes erw&#228;chst. Es ist kein Wunder, dass die amerikanische Gesellschaft nicht nur gepr&#228;gt ist von neoliberalen individualismus, sondern auch von einer tiefen Religi&#246;sit&#228;t. Allein die nicht in Frage gestellte Existenz des Sinnes Gott erlaubt das zweckorientierte Denken jener Materialisten.</p>
<p>Gerade aber das Fehlen eines solchen Sinnes hat mich Enkel Nietzsches, der nichts mehr hat, an das er nicht glauben kann, zu der Auffassung gebracht, dass das Versenken in den Prozess, und das hei&#223;t eben Gegenwartsbezogenheit, der einzige Ausweg aus der Gefangenheit zwischen Vergangenheit und Zukunft ist. Produktion, die aus dem, was wir gestern hatten, morgen mehr macht, ist ohne Sinn unertr&#228;glich. Einzig der Kreislauf des Schaffens um des Schaffens Willen gibt dem Schaffen durch seine Selbstbezweckheit einen Sinn.</p>
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		<title>Sankt Martin</title>
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		<pubDate>Mon, 17 Nov 2008 01:31:11 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Simon</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Wie ich also am Samstag Nachmittag gegen f&#252;nf, sechs Uhr aus meinem bevorzugten Café in der Oberstadt trat, marschierte ein Martinszug in nicht allzu weiter Entfernung an mir vorbei. Fackeln und Laternen schwenkend, ab und an in von meiner Position aus nicht zu verstehende und dennoch sofort wiedererkannte Gesangsfetzen ausbrechend, w&#228;lzte sich diese Menschenmasse den [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Wie ich also am Samstag Nachmittag gegen f&#252;nf, sechs Uhr aus meinem bevorzugten Café in der Oberstadt trat, marschierte ein Martinszug in nicht allzu weiter Entfernung an mir vorbei. Fackeln und Laternen schwenkend, ab und an in von meiner Position aus nicht zu verstehende und dennoch sofort wiedererkannte Gesangsfetzen ausbrechend, w&#228;lzte sich diese Menschenmasse den Berg hinab auf das Gesch&#228;ftszentrum zu.</p>
<p>Ich schloss bald auf, schlie&#223;lich teilte ich mit dem Zug meinen Weg, und so befand ich mich mitten in dem Zug, als wir an den Schaufenstern der L&#228;den vorbeizogen. Dort wurde gerade &#8211; denn es ist, wie die bereits eingebrochene Dunkelheit erschreckend bewusst machte, schon Mitte November &#8211; wurde also gerade der erste Weihnachtsschmuck angebracht.</p>
<p>Falsche Tannenzweige aus chinesischem Hartplastik, glitzernde Kugeln und blinkende Lichterketten in der Tradition amerikanischer Getr&#228;nkekonzerne wurden von Verk&#228;uferinnen mit Blick auf den Feierabend hinter den Glasscheiben aufget&#252;rmt und festgesteckt; Rentiere und Weihnachtsm&#228;nner mit Kunstschnee auf den M&#252;tzen zwischen Baldriantropfen und Beruhigungstabletten drapiert.</p>
<p>Die Kinder sangen unterdessen das Lied von Sankt Martin, der seinen Mantel mit einem Bettler geteilt hat und dem Jesus im Traum erschienen ist. In der Unterstadt spielte ein Stra&#223;enmusikant, die Melodien seiner Lieder mischten sich dissonant unter die taumelnden Stimmen der jungen M&#228;dchen und Knaben.</p>
<p>Wie der Zug sich also zog, zog sich auch die Zeit hin, und in den Augen des einen oder anderen Kindes konnte man eher bleierne Schwere als gl&#252;hendes Gottvertrauen erkennen. Das fand sich aber bald wieder, denn der Zug erreichte eine weitere Gesch&#228;ftsstra&#223;e und die m&#246;glichen Geschenke in den Schaufenstern spiegelten sich schnell wieder in den Augen der Kleinen.</p>
<p>Die Kinder folgten also Sankt Martin, auf und ab &#8211; man muss wissen, diese Stadt ist nicht gerade arm an H&#252;geln und H&#246;hen &#8211; auf und ab, marschierten wie schon die ersten J&#252;nger des Asketen ohne Achtung auf die kaum von Fackeln und Neonr&#246;hren erleuchtete Dunkelheit und die bei&#223;ende K&#228;lte unter ihren Baseballkappen ihrem glei&#223;enden Ziel entgegen.</p>
<p>Da war es aber auch schon in Sicht; verhei&#223;ungsvoll schob sich das Einkaufszentrum &#252;ber den engen Horizont der Kinder. Noch einmal gab es zum Abschluss eine Runde um die Schaufensterwunder, wurde die Geduld der Kleinen auf die Probe gestellt, dann &#246;ffnete der falsche Heilige seinen Sack und verteilte den Lohn f&#252;r ihre Ausdauer unter den Kindern.</p>
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		<title>Voradvent</title>
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		<pubDate>Sat, 25 Oct 2008 02:23:26 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Simon</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Ich muss gestehen: In den letzten Tagen habe ich meine ersten Packungen Spekulatius f&#252;r diesen Winter gekauft. Bei aller Konsumkritik habe ich doch eine unheilbare Schw&#228;che f&#252;r Printen und Spekulatius. Also wettere ich jedes Jahr dagegen, dass es wohl bald Weihnachtsgeb&#228;ck zu Ostern gebe, und zwei Tage sp&#228;ter liegen die ersten Packungen dann in meinem [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Ich muss gestehen: In den letzten Tagen habe ich meine ersten Packungen Spekulatius f&#252;r diesen Winter gekauft. Bei aller Konsumkritik habe ich doch eine unheilbare Schw&#228;che f&#252;r Printen und Spekulatius. Also wettere ich jedes Jahr dagegen, dass es wohl bald Weihnachtsgeb&#228;ck zu Ostern gebe, und zwei Tage sp&#228;ter liegen die ersten Packungen dann in meinem Einkaufswagen.</p>
<p>Dabei ist der Butter-Spekulatius, den ich gerade esse, nur ein Vorbote der glitzernden Adventszeit. Sein Geschmack erinnert mich daran, dass schon bald wieder &#8220;Last Christmas&#8221; in den L&#228;den rauf und runter dudeln wird, bis man sich tats&#228;chlich w&#252;nscht, dass es die letzte Weihnacht ist und man im n&#228;chsten Jahr von dem ganzen Konsumspektakel verschont bleibt.</p>
<p>Am schlimmsten aber ist, dass es einen von allen Seiten anschreit: &#8220;Sei fr&#246;hlich, du Arschloch! Es ist Weihnachten!&#8221;. Dieses &#8220;fr&#246;hlich, fr&#246;hlich, fr&#246;hlich!&#8221; erinnert mich von Jahr zu Jahr mehr an den ritualisierten Fr&#246;hlichkeits-Wettbewerb der grinsgesichtigen &#8220;Whos&#8221; im Film &#8220;<a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Der_Grinch_(Film)">The Grinch</a>&#8220;.</p>
<p>Das gerade jene Geschichte davon, dass es bei Weihnachten nicht um die Geschenke, sondern um N&#228;chstenliebe geht zum festen Programmpunkt der adventlichen Konsumalien geworden ist, kommt mir wie ein Rolltreppenwitz der Geschichte vor. Zu selbstverst&#228;ndlich ist die Ausschlachtung des gut gemeinten durch die Priester des Konsumismus, die immer wieder &#8220;Last Christmas&#8221; spielenden Radiomoderatoren, die sich immer wieder neue Werbekonzepte ausdenkenden PR-Strategen, die immer wieder die gleiche Weihnachtsdekoration ins Schaufenster stellenden Ladeninhaber.</p>
<p>Denn die Menschen sollen fr&#246;hlich sein! Fr&#246;hlich, fr&#246;hlich, fr&#246;hlich!</p>
<p>Deshalb auch besinnt der gute B&#252;rger sich im Advent auf die alten Traditionen. Verst&#228;ndlich, dass er vor lauter Eifer auf die &#228;lteste aller Traditionen zur&#252;ckverf&#228;llt: Den Glauben daran, dass man Gl&#252;ck kaufen kann; und dass was teurer ist auch mehr Gl&#252;ck verspricht.</p>
<p>Fr&#252;her gab es zu diesem Zwecke Tempel, in denen man, je nach Konfession, seinen Tauschhandel mit Thor oder Dionysos abwickeln konnte. Heute, da wir keine G&#246;tter mehr haben, auf deren Altaren wir opfern k&#246;nnen, besuchen wir Konsumtempel. Dort schmei&#223;en die Gl&#228;ubigen ihre Gaben den Priestern des Goldenen Kalbs Konsum in den Rachen, um sich im trauten Heim am Glanz der so erworbenen Reliquie, sei es ein Horn oder ein Huf, seien es Spekulatius oder Printen, zu erfreuen.</p>
<p>Dieser Trubelkapitalismus kommt mir so verlogen vor, dass ich meinen Spekulatius lieber jetzt kaufe als zur Weihnachtszeit. Da ist er nicht nur frischer; ich mag auch den klebrigen moralischen Zuckerguss nicht, den man im Advent allerorten als Dreingabe nachgeschmissen bekommt.</p>
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		<title>Es ist Herbst</title>
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		<pubDate>Mon, 13 Oct 2008 21:37:26 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Simon</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Es ist hell da drau&#223;en, fast wei&#223;, obwohl ich keine Sonne seh&#8217;. Eine Vorahnung von Schnee? &#8211; Ich bin sicher, die Bl&#228;tter rascheln, wenn man durch sie watet. Dabei legt der Herbst sonst seine d&#228;mpfenden Schleier &#252;ber das Land. Der Nebel verh&#252;llt die Sicht auf die Welt, und genauso scheint er die Ger&#228;usche zu d&#228;mmen. [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Es ist hell da drau&#223;en, fast wei&#223;, obwohl ich keine Sonne seh&#8217;. Eine Vorahnung von Schnee? &#8211; Ich bin sicher, die Bl&#228;tter rascheln, wenn man durch sie watet. Dabei legt der Herbst sonst seine d&#228;mpfenden Schleier &#252;ber das Land. Der Nebel verh&#252;llt die Sicht auf die Welt, und genauso scheint er die Ger&#228;usche zu d&#228;mmen. Nur das Rascheln der Bl&#228;tter bleibt. Es orchestriert das Schattenspiel, zu dem der Herbst die Welt macht. Der Lauf der Zeit scheint langsamer zu werden im Nebel. Es tut gut in diesen panischen Zeiten den Horizont nicht sehen zu k&#246;nnen, wo er als Abgrund erscheint. </p>
<p>Der Herbst ist die richtige Zeit zur Besinnung auf Traditionen. Im verlangsamten Lauf der Zeit ist wieder Platz f&#252;r Maroni und Drachensteigen. Kastanien, die Herbstfr&#252;chte, sind der Triumph der Jahreszeiten &#252;ber die Eile des Menschen. Sie sind &#246;konomisch so unbedeutend, dass man noch immer auf sie warten muss.</p>
<p>Das Warten ist in der heutigen Zeit der allgegenw&#228;rtigen Eile und der unendlichen Verf&#252;gbarkeit, in der Zeit mehr denn ja Geld ist und Wohlstand alle Erwartung get&#246;tet hat, ein Luxusgut.</p>
<p>Die Vorfreude ist das erste Opfer der Globalisierung.</p>
<p>Wenn alles jederzeit &#252;berall verf&#252;gbar ist, verliert es seinen Wert. Der Wert einer Sache wird durch ihre Rarheit mehr als durch ihren Nutzen festgelegt.</p>
<p>F&#252;r mich als nicht religi&#246;sen, nicht in einer Dorfgemeinschaft verwurzelten Menschen sind Traditionen etwas Famili&#228;res und definieren sich &#252;ber ihre kulinarischen Spezialit&#228;ten. Gl&#252;cklich, in einer Familie begabt-begeisterter K&#246;che aufgewachsen zu sein, geh&#246;rt f&#252;r mich zu jedem Fest ein bestimmtes, besonderes Gericht. </p>
<p>Anders als diese famili&#228;re Tradition ist die gesellschaftliche Tradition jedoch zum Konsumereignis in einem anderen Sinne verkommen. Sp&#228;testens, seitdem es Faschingskrapfen das ganze Jahr &#252;ber gibt schmecken sie nicht einmal mehr halb so gut wie zuvor. Der Konsumismus hat den Spa&#223; am Konsum get&#246;tet.<br />
Darum sind Kastanien etwas besonderes. Maroni gibt es immer noch nur im Herbst.</p>
<p>Man sollte die Ruhe des Herbstnebels genie&#223;en, bevor wir wieder in die Hektik der durchkommerzialisierten Weihnachtszeit verfallen. Herabgefallene Bl&#228;tter glitzern nur vom Raureif der letzten Nacht. So viel Ehrlichkeit ist selten in diesen Zeiten.</p>
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		<title>Nuttig</title>
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		<pubDate>Tue, 18 Sep 2007 22:56:44 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Simon</dc:creator>
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		<category><![CDATA[my_generation]]></category>

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		<description><![CDATA[&#8230; ist nicht gerade das Wort, mit dem man ein M&#228;dchen loben w&#252;rde. Es ist, genau genommen, so ziemlich das Gegenteil einer Wertsch&#228;tzung. Und doch, heute war es &#8211; nicht von mir und doch in meinem Sinne &#8211; eben so gemeint. Wir haben &#8211; mal wieder &#8211; Theater gemacht. Theater gemacht &#8211; nat&#252;rlich auch gespielt, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>&#8230; ist nicht gerade das Wort, mit dem man ein M&#228;dchen loben w&#252;rde. Es ist, genau genommen, so ziemlich das Gegenteil einer Wertsch&#228;tzung. Und doch, heute war es &#8211; nicht von mir und doch in meinem Sinne &#8211; eben so gemeint.</p>
<p>Wir haben &#8211; mal wieder &#8211; Theater gemacht. Theater gemacht &#8211; nat&#252;rlich auch gespielt, doch diese Bezeichnung t&#228;uscht zu sehr &#252;ber die Arbeit hinweg, die dahinter steckt: Man macht Theater in den Proben, um es zur Auff&#252;hrung spielen zu k&#246;nnen. Nun, heute war es mehr Spiel, aber auch mehr Arbeit als sonst: Wir haben gefilmt. Schon zum zweiten Mal, der erste Dreh am Freitag ist schon durch &#8211; doch da waren wir nur eine kleine Gruppe (wennauch mit Schusswaffen, Bier und Baseballschl&#228;gern&#8230;) und der Zeitrahmen war recht gro&#223;z&#252;gig.</p>
<p>Doch heute &#8211; unser St&#252;ck spielt an einer Schule, einer ganz normalen Schule. In Deutschland, zum Beispiel. Vielleicht hier, vielleicht bei dir&#8230; Zwei Gruppen: Habt ihr von Eric Harris geh&#246;rt? Bastian B.? Diese Leute sind die eine Gruppe: Au&#223;enseiter &#8211; Amokl&#228;ufer. Doch Eric und Bastian haben auch f&#252;r die andere Gruppe ein Wort gefunden: Sie nannten sie Jocks.</p>
<p>Jocks, dass sind sportliche Jugendliche, Materialisten, denen eine sch&#246;ne Freundin und ein schneller Wagen wichtig sind &#8211; Gewinner einer oberfl&#228;chlichen Konsumgesellschaft, in der iPod und Nikes mehr z&#228;hlen als Geist und Gef&#252;hl. Jocks &#8211; das sind die gl&#228;nzenden, schimmernden Figuren der &#252;berreichen Gesellschaft, in der wir leben.</p>
<p>&#8220;Aber was bringt einem das dickste Auto, das gr&#246;sste Haus, die sch&#246;nste Frau, wenn es letztendlich sowieso f&#252;r’n Arsch ist. Wenn deine Frau beginnt<br />
dich zu hassen, wenn dein Auto Benzin verbraucht das du nicht zahlen kannst, und wenn du niemanden hast der dich in deinem scheiss Haus besuchen kommt!&#8221;</p>
<p>hat Bastian B. gefragt &#8211; nein, festgestellt. Sicher, er war kein Mensch, den ich heroisieren m&#246;chte. Aber doch: Er hat auch Gedanken gehabt, die ich teile &#8211; die mich ihm n&#228;her sein lassen, bei allen Differenzen, als jenen Jocks, jenen Konsummenschen, mit denen mich nichts verbindet. Denn welche Verbindung au&#223;er der geistigen kann es geben? &#8211; sie haben keinen Geist.</p>
<p>Kennt ihr &#8220;Kristall Kids&#8221; von Yasuo Tanaka? Kennt ihr den &#8220;F&#228;nger im Roggen&#8221;? &#8211; da habt ihr sie, die Jocks. Tanaka l&#228;sst sie ihr Leben als &#8220;Kristall&#8221; beschreiben &#8211; gl&#228;nzend, schimmernd, hell. Kristall: Das ist die eine, gl&#228;nzende Seite. Die Seite, die Salingers Holden Caulfield nicht sieht, nicht sehen kann: Er ist, wie Bastian B., wie Eric Harris &#8211; wie unser Hauptcharakter Trevor &#8211; ein Au&#223;enseiter. Ein Au&#223;enseiter, der diese Jocks immer wieder phony &#8211; phony &#8211; phony nennt, falsch, unecht, verlogen &#8211; der an diesem Mangel des Echten verzweifelt, es sucht, es in einer konsumorientierten Welt sucht, aus der er zu fliehen plant.</p>
<p>Trevor &#8211; das ist auch so ein Holden Caulfield, ein intelligenter, k&#252;nstlerischer &#8211; verzweifelter Mensch, einer, der schwankt zwischen Rache und Liebe, Verzweiflung und Hoffnung. Und auch er ist umgeben von Jocks: Von Sportlern &#8211; Blender ist ein sch&#246;nes Wort, das Andreas Steinh&#246;fel f&#252;r solche Menschen gefunden hat &#8211; die sich selbst pr&#228;sentieren in einem Wettkampf der Eitelkeiten, einem Wettkampf, aus dem Trevor und jene &#8220;Trogs&#8221;, seine n&#228;herr&#252;ckenden Freunde, l&#228;ngst ausgeschieden sind. Sich vielleicht zur&#252;ckgezogen haben, vielleicht auch herausgedr&#228;ngt worden sind &#8211; die sich, was schlie&#223;lich z&#228;hlt, nicht mit der glitzernden Konsumwelt identifizieren k&#246;nnen. Individualisten abseits der Masse &#8211; weit au&#223;en, zu weit am Ende.</p>
<p>Die M&#228;dchen der Jocks &#8211; wer k&#246;nnte die Oberfl&#228;chlichkeit der Konsumgesellschaft besser widerspiegeln &#8211; sind nicht mehr menschliche Individuen, sondern vielmehr Kleiderst&#228;nder der neuesten Mode, Leckerbissen auf dem sexuellen Pr&#228;sentierteller &#8211; Spielzeuge, Statusobjekte der Sportler, diesen ausgeliefert &#8211; aus eigenem Wunsch. M&#252;ndigkeit? woher, wohin&#8230;</p>
<p>Schwer, so eine zu spielen, wenn man selber so anders ist. Vielleicht auch ein Lob, nuttig genannt zu werden. Ein Lob, nicht nur, weil man der Rolle entsprechend aussieht: Ein Lob auch, weil man sie spielen muss, weil man so nicht ist. Ein Lob, weil im Spiel das Spiegelbild des Selbst erscheint &#8211; doch im Spiegel eines Dr. Jekyll, nicht im Schminkspiegel des Alltags. Ein Lob, weil man den Tiefgang hat, oberfl&#228;chlich zu wirken. Sie haben es verdient: Ein Lob. Nicht nur f&#252;r ihr Spiel, sondern f&#252;r ihr Sein &#8211; wichtiger, was das Spiel an bekanntem im Spiegel zeigt als das, was es darzustellen scheint.</p>
<p>Theater ist Ausdruck der Seele. Auf der B&#252;hne sind wir alle Dr. Jekyll, alle Mr. Hyde.</p>
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