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	<title>simoncolumbus &#187; philosophy</title>
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		<title>Nichts</title>
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		<pubDate>Wed, 08 Jul 2009 15:34:55 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Simon</dc:creator>
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		<description><![CDATA[C. hat eine L&#252;cke im System entdeckt. Und sie ist nicht froh dar&#252;ber. Wenn sie nach der Schule nichts beginnt &#8211; keine Ausbildung, kein Studium, kein FSJ &#8211; steht sie ohne Kindergeld da. Erh&#228;lt sie kein Kindergeld mehr, l&#228;uft ihr Versicherungsschutz aus. &#8220;Warum gibt es da kein Feld &#8216;Selbstfindung&#8217;?&#8221;, fragt sie. Und in der Tat, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>C. hat eine L&#252;cke im System entdeckt. Und sie ist nicht froh dar&#252;ber. Wenn sie nach der Schule nichts beginnt &#8211; keine Ausbildung, kein Studium, kein FSJ &#8211; steht sie ohne Kindergeld da. Erh&#228;lt sie kein Kindergeld mehr, l&#228;uft ihr Versicherungsschutz aus.</p>
<p>&#8220;Warum gibt es da kein Feld &#8216;Selbstfindung&#8217;?&#8221;, fragt sie. Und in der Tat, das System kennt kein <a href="http://www.simoncolumbus.de/2009/07/08/die-freiheit-des-schuelers-im-moment-des-verlassens-der-schule/">Innehalten</a>. Es ist gesellschaftlich nicht vorgesehen.</p>
<p>In dem Film <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Sollbruchstelle_(Film)">Sollbruchstelle</a> findet sich ein Interview mit einer Sch&#252;lerin, kurz vor dem Abschluss, ganz &#228;hnlich wie C. Sie berichtet von einem Gespr&#228;ch mit ihrem Berufsberater. Was ist, wenn ich nichts finde? keine Ausbildung, kein Studium, kein FSJ, ganz &#228;hnlich wie C., hat sie gefragt: &#8220;Dann bist du nichts&#8221;.</p>
<p>Es ist ein seltsamer Status, Produkt der B&#252;rokratie, eng gesehen: Nichts. Ein Un-Status, um korrekt zu sein. Aber es ist auch das Ergebnis einer Lohnarbeitsgesellschaft. Einer Gesellschaft in der man nicht ist, was man isst, geschweige denn ist, sondern was man macht. </p>
<p>Der amerikanische Slam Poet und Lehrer <a href="http://taylormali.com">Taylor Mali</a> hat die doppelte Bedeutung dieses Wortes, machen, ausgereizt: <a href="http://www.youtube.com/watch?v=tpog1_NFd2Q">What teachers make</a>. &#8220;You&#8217;re a teacher, Taylor? Come on, be honest, what do you make? &#8211; I make kids wonder, I make them question, I make them criticize, I make them apologize and mean it&#8221;.</p>
<p>Machen, das meint Verdienst und Beruf. Von Berufung nie die Rede: hei&#223;t es doch machen, nicht ausmachen. C. hat nicht vor, nichts zu machen, ganz im Gegenteil, sind wir doch jung, grad raus aus der Schule und voller Pl&#228;ne. Allein, das System erzwingt Wandeln in seinen Bahnen.</p>
<p>Das ist die h&#228;ufig &#252;bersehene Seite des Sozialstaates. Er bedeutet f&#252;r die ihm Angeh&#246;rigen den Anspruch auf materielle Unterst&#252;tzung. Aber er fordert als Gegenleistung auch das Commitment zur Lohnarbeit ein.</p>
<p>Es ist ein Deal, der einst mehr als akzeptabel schien in einer Zeit, als materielle G&#252;ter noch Produkt der Menschen H&#228;nde waren. Als jeder beitragen musste, damit etwas verteilt werden konnte an die, die beizutragen nicht f&#228;hig waren. Aber das Gesicht der Welt hat sich seitdem ver&#228;ndert: Egal, was C. macht &#8211; die R&#228;der der Maschinen drehen sich weiter; spucken Werte in die Welt, die nicht mehr Produkt arbeitender, sondern Geld reichender H&#228;nde sind.</p>
<p>C. w&#252;rde gerne etwas beitragen, wird wohl einen sozialen Beruf w&#228;hlen, einen, das ist lustig, der sozial, gesellschaftsdienlich ist vor allem, weil er, wir erinnern Taylor Mali, mehr ausmacht als einbringt. Sie will ein FSJ machen, freiwilliges soziales Jahr, was, materiell gesehen, nichts anderes ist als ein Opfer an die Gesellschaft, eine Darreichung von Arbeitskraft.</p>
<p>C. will es machen, weil sie sich selbst etwas davon erhofft, einen inneren Gewinn. Aus dem gleichen Grund will sie es noch nicht jetzt machen, erst im n&#228;chsten Jahr. Weil das FSJ Produktivit&#228;t in den Bahnen des Sozialstaates ist, C.s Machen w&#228;hrend den Monaten davor aber nicht, erkennt der Staat das eine an, das andere nicht. </p>
<p>Er kennt kein Innehalten. Der Staat sieht das Leben noch immer als Flie&#223;bandarbeit, ein ewiger Akkord, w&#228;hrend dem man nicht stillstehen kann, auch wenn die Flie&#223;bandarbeiter der Realit&#228;t l&#228;ngst durch Maschinen ersetzt werden, die ihre Greifarme Tag und Nacht senken, so konzipiert sind, dass sie kein Innehalten brauchen, und bei Erm&#252;dung des Materials austauschbar.</p>
<p>Das C. das nicht m&#246;chte, versteht er nicht.</p>
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		<title>Die Freiheit des Sch&#252;lers im Moment des Verlassens der Schule</title>
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		<pubDate>Wed, 08 Jul 2009 02:26:34 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Simon</dc:creator>
				<category><![CDATA[my_generation]]></category>
		<category><![CDATA[philosophy]]></category>
		<category><![CDATA[school]]></category>

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		<description><![CDATA[&#8220;Versuchen wir, Mensch zu sein&#8221;, sagte J. und bewies, dass ein guter Abschluss immer auch ein Anfang ist. Tags zuvor noch hatte der Lehrer von der Parabel des Balles gesprochen, die unseren Lebensabschnitten gleicht, und die einen Anfang und ein Ende hat; und davon, dass die Kugel nicht angesichts des Bodens noch einen Sprung machen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>&#8220;Versuchen wir, Mensch zu sein&#8221;,</p>
<p>sagte J. und bewies, dass ein guter Abschluss immer auch ein Anfang ist.</p>
<p>Tags zuvor noch hatte der Lehrer von der Parabel des Balles gesprochen, die unseren Lebensabschnitten gleicht, und die einen Anfang und ein Ende hat; und davon, dass die Kugel nicht angesichts des Bodens noch einen Sprung machen kann, den Aufprall vermeidend.</p>
<p>Es ist wahr, mit dem Abschluss der Schule geht ein Bogen zuende. Beginnt ein neuer. Alles W&#252;nschen hilft nichts: Wir k&#246;nnen ihn nicht verl&#228;ngern. Dieser Wunsch, das muss gar nicht einmal der sein, weiter zur Schule zu gehen (wer h&#228;tte den schon?). Dieser Wunsch, dass kann einfach der sein, die geordnete, ebenm&#228;&#223;ige, durch Naturgesetze vorbestimmte Bahn der Parabel nicht zu verlassen. Ich kann von mir sagen: Der Weg von der ersten zur dreizehnten Klasse, das ist mir ein Naturgesetz geschienen. </p>
<p>Doch was mich erstaunt ist, dass wir es f&#252;r ebenso nat&#252;rlich halten, dass uns der Aufprall gleich wieder hochspringen lie&#223;e zur neuen Parabel. Ist das denn so? Es ist wahr, wir k&#246;nnen nicht innehalten. Das Gesetz sagt, dass der Ball sich fort-bewegen muss. Aber ist denn der neue Sprung garantiert?</p>
<p>In der Tat, es w&#228;re ein Leichtes, aus der Parabel der Schule in jene des Studiums &#252;berzugleiten. Nicht, dass die Auswahl, die Bewerbung keine Kraft von uns erforderten. Aber es ist wenig, zumal, wenn die Eltern und Geschwister den Weg schon vorgelebt haben. </p>
<p>Dennoch, es gibt gute Gr&#252;nde, innezuhalten. Wollen wir denn Objekt eines Naturgesetzes sein, h&#252;pfen, weil uns das Springen auf die mosaischen Tafeln geritzt wurde? Wir k&#246;nnen, vern&#252;nftig gedacht, nicht innehalten. Eine Entscheidung herauszuz&#246;gern ist ein Oxymoron: Wir entscheiden uns immer, in jedem Moment.</p>
<p>Das, was wir Innehalten nennen, ist dann der Versuch, dieses Naturgesetz zu transzendieren. Selbst Gewalt &#252;ber die eigene Zukunft zu erlangen, indem man sich seiner M&#246;glichkeiten bewusst wird. Wir halten also ein, nehmen uns nach der Schule eine Auszeit. Der Ball, eine Parabel beendend, rollt &#252;ber den B&#252;hnenboden des Theaters unseres Lebens.</p>
<p>Die Gesetze der Mechanik sagen uns: Wir werden unsere eigene Kraft aufbringen m&#252;ssen, um den Boden, abhebend, wieder zu verlassen. Sich Freiheit zu verschaffen hei&#223;t auch, Sicherheiten aufzugeben. </p>
<p>Die gro&#223;en Philosophen werden an dieser Stelle f&#252;r die Position der Freiheit argumentieren. Meister Eckehart sprach: &#8220;Alle Dinge m&#252;ssen, der Mensch allein ist das Wesen, welches will.&#8221; </p>
<p>Die Freiheit ist es also, die den Menschen auszeichnet, die Freiheit zu wollen, die Freiheit, um es mit Kant zu sagen, vern&#252;nftig zu handeln. Und selbst, wenn wir unter dem Diktat der chemischen Vorg&#228;nge in unserem Gehirn st&#252;nden: Wir k&#246;nnen uns doch der Illusion der Freiheit nicht versagen.</p>
<p>Ist also, um J. beim Wort zu nehmen, der Versuch, Mensch zu sein, das Schultern der B&#252;rde Freiheit? Das hie&#223;e das Gebot, sich das gr&#246;&#223;tm&#246;gliche Bewusstsein der eigenen Situation zu verschaffen; dass der Ball lange rollen muss, bevor er wieder abheben kann. </p>
<p>Aber es sind nicht alle Menschen Albatrosse, die nach langem Torkeln sich auf ihren Riesenschwingen in die Luft erheben, einen neuen Bogen unter sich zwingend. Mensch sein hei&#223;t auch, imperfekt zu sein. Die menschliche Freiheit ist keine unendliche, sie ist vielmehr nur aus ihren Grenzen heraus. </p>
<p>Absolute Freiheit anzustreben w&#228;re t&#246;dlich. Es w&#228;re die Anma&#223;ung der G&#246;ttlichkeit, derweil sich der Schwung der Kugel an den R&#228;ndern der B&#252;hne totliefe, ein Abheben mit dem letzten Kraftverlust unm&#246;glich machend. </p>
<p>In der germanischen Mythologie liegen drei Welten an der Esche Yggdrasil. In der Krone das Asgard der G&#246;tter, an der Wurzel das Utgard der Trolle und Riesen. Dazwischen Midgard, die Welt der Menschen. Man k&#246;nnte auch sagen: Zwischen den Herrschern und den Beherrschten, zwischen Freiheit und Determiniertheit ist der Platz der Menschen. </p>
<p>Das sich einer n&#228;her an der Wurzel wohlf&#252;hlt, w&#228;hrend ein anderer zur Krone strebt, ist das Gesetz des Individualismus. Es gibt keine Verpflichtung zur Freiheit, keinen Zwang zur Sicherheit. Es gibt nur die Grenzen der Welt. </p>
<p>Versuchen wir, Mensch zu sein.</p>
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		<title>Arbeit</title>
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		<pubDate>Wed, 25 Feb 2009 21:16:44 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Simon</dc:creator>
				<category><![CDATA[consumerism]]></category>
		<category><![CDATA[philosophy]]></category>

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		<description><![CDATA[Wie definiere ich Arbeit? Gibt es h&#246;here / niedere Arbeit? Generell sehe ich zwei Wege, den Begriff &#8220;Arbeit&#8221; anzugehen. Auf der einen Seite ist Arbeit ein Prozess der Wertschaffung. Dabei entsteht durch die Aufwendung von Energie und Zeit ein verwertbares Produkt. Ein solcher produktorientierter Arbeitsvorgang kann sowohl materiell als auch immateriell sein: Eine Designerin oder [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Wie definiere ich Arbeit? Gibt es h&#246;here / niedere Arbeit?</p>
<p>Generell sehe ich zwei Wege, den Begriff &#8220;Arbeit&#8221; anzugehen.</p>
<p>Auf der einen Seite ist Arbeit ein Prozess der Wertschaffung. Dabei entsteht durch die Aufwendung von Energie und Zeit ein verwertbares Produkt. Ein solcher produktorientierter Arbeitsvorgang kann sowohl materiell als auch immateriell sein: Eine Designerin oder ein Kassierer sind insofern jedem Fabrikarbeiter gleich.<br />
Wichtig ist aber, dass sich das Produkt dieses Prozesses in einen materiellen Wert, d.h. in unserer Gesellschaft Geld, umwandeln l&#228;sst. </p>
<p>Auf der anderen Seite ist Arbeit aber auch ein selbstbezweckter Prozess. Das hei&#223;t, dass Energie und Zeit mit Ausrichtung auf den Prozess selbst aufgewendet werden &#8211; das Produkt dieses Prozesses ist zweitrangig, ja, sogar unbedeutend. Die Versenkung in diesem Prozess ist in sich selbst Gl&#252;ck schaffend. Was also sonst &#252;ber den Umweg des Geldes und damit erwerbbarer Annehmlichkeiten gehen w&#252;rde, n&#228;mlich der Gl&#252;cksgewinn, ist also hier bereits im Prozess inh&#228;rent.</p>
<p>Diese Unterscheidung halte ich f&#252;r wichtiger als die Unterscheidung zwischen bezahlter und unbezahlter, freiwilliger und unfreiwilliger, wichtiger und unwichtiger Arbeit. Aus ihr heraus sehe ich weitere Differenzierungsm&#246;glichkeiten.</p>
<p>Zuerst einmal ist es offensichtlich, dass diese beiden Begriffe sehr eng verkn&#252;pft sind mit dem &#8220;Haben oder Sein&#8221; Erich Fromms. In der Tat ist ersteres, produktorientiertes Verst&#228;ndnis ganz klar dem Materialismus zugewandt, das letzere, prozessorientierte dagegen recht eindeutig ein Mittel zum &#8220;Sein&#8221;.</p>
<p>Ich will mich aber der eigentlichen Fragestellung zuwenden. Auch diese moralische Beurteilung fu&#223;t auf den aufgestellten Definitionen. Befassen wir uns erst einmal mit der Bewertung von Arbeit nach dem prozessorientierten Verst&#228;ndnis. </p>
<p>Auch hier bieten sich zwei Wege an; sie haben die politische Debatte des vergangenen Jahrhunderts entscheidend gepr&#228;gt.</p>
<p>Auf der einen Seite steht die libertarianische oder neoliberalistische Haltung, die nach einer freien Marktwirtschaft und einer sozialdarwinistischen Gesellschaft strebt. Sie bewertet die Arbeit eines Menschen nach seinem Erfolg: Wer materiell erfolgreich ist, hat gute Arbeit geleistet.<br />
Gute Arbeit ist also solche, die die Bedingungen der freien Marktwirtschaft und die Wechselwirkungen von Angebot und Nachfrage am besten zur eigenen Vermarktung und Entlohnung instrumentalisiert.<br />
Im Idealfall bedeutet dies ein Spiel mit gleichberechtigten Teilnehmern, unter denen sich die &#8220;Guten&#8221; und &#8220;T&#252;chtigen&#8221; kraft ihrer F&#228;higkeiten und ihres pers&#246;nlichen Willens zum Erfolg zurecht durchsetzen. </p>
<p>Die praktischen Auswirkungen lassen sich besonders in den Vereinigten Staaten beobachten. Zu den auff&#228;lligsten Merkmalen der amerikanischen Gesellschaft geh&#246;rt die &#252;berdurchschnittlich schnelle und gute Integration von Immigranten, die in den USA &#8220;ihr Gl&#252;ck machen&#8221; wollen &#8211; und das trotz eines starken Rassismus. Der Grund daf&#252;r liegt darin, dass von Anfang an jedem das Recht zugestanden wird, nach Gl&#252;ck zu streben &#8211; &#8220;the pursuit of happiness&#8221;. In einer materialistischen Gesellschaft hei&#223;t dies, dass jeder das Recht hat, materiellen Wohlstand zu erlangen &#8211; und sich damit zugleich auch die Anerkennung seiner Mitb&#252;rger sichert.</p>
<p>Man kann dieses Modell zusammenfassend als individualistisch-zweckorientiert beschreiben. Dem entgegengesetzt steht der Ansatz des Kommunismus bez&#252;glich der Arbeit.</p>
<p>Auch hier wird Arbeit als Produktionsmittel gesehen. Nicht umsonst hei&#223;t eines der Hauptwerke Marx&#8217; &#8220;Das Kapital&#8221; &#8211; ein Begriff, der zwingend an den Begriff der Produktion gekn&#252;pft ist. Allerdings wird hier eine Gleichwertigkeit aller Arbeit angenommen, die sich nicht zuletzt in der Planwirtschaft als Gegenmodell zur freien Marktwirtschaft ausdr&#252;ckt.</p>
<p>Planwirtschaft hei&#223;t schlie&#223;lich im Idealfall, dass die Auswirkungen von Angebot und Nachfrage aufgehoben werden. Wenn weder &#220;bersch&#252;sse noch Engp&#228;sse existieren, kann keine Arbeit besser als eine andere vermarktet werden. Die Entlohnung &#8211; und um diese geht es auch im Kommunismus &#8211; bleibt f&#252;r alle Produzierenden gleich. </p>
<p>Ein solches System legt den Fokus st&#228;rker auf die Gesellschaft und darin vor allem auf die Gleichheit, weswegen ich den Ansatz sozialistisch-zweckorientiert nenne.</p>
<p>Anders die Systeme, die auf dem Verst&#228;ndnis von Arbeit als prozessorientiertem, selbstbezwecktem Vorgang beruhen; ich will sie &#8220;sinnorientiert&#8221; nennen. Auch hier lassen sich wieder ein individualistischer und ein sozialistischer Weg aufzeigen. Beginnen wir mit dem Individualismus.</p>
<p>Als dessen wohl bestes Bild kann wohl das Einsiedlertum nicht nur im christlichen Mittelalter gelten. Der Eremit zieht sich vollst&#228;ndig von der Gesellschaft zur&#252;ck, lebt also autark, um sich der Sinnsuche zu widmen.</p>
<p>Es w&#228;re nun falsch, diesen &#8220;Sinn&#8221; als Produkt seiner Besch&#228;ftigung zu sehen. Die besondere Qualit&#228;t dieses Sinnes &#8211; sei es Gott, sei es Erkenntnis &#8211; ist n&#228;mlich, dass er letztlich nicht erreicht werden kann. Damit bleibt nur die Sinnsuche als Prozess &#252;brig, dem sich der Einsiedler widmet.</p>
<p>Warum aber muss sich dieser Mensch zum Zwecke der Sinnsuche zur&#252;ckziehen? Wohl vor allem, damit der Prozess nicht durch Ablenkungen unterbrochen wird. In der Einsiedelei steckt das v&#246;llige Aufgehen im Prozess auch in dem Sinne, als der Einzelne seine Existenz &#252;ber die Suche definiert &#8211; eine Ablenkung w&#228;re als existenzbedrohend.</p>
<p>Weil diese individualistisch-sinnorientierte T&#228;tigkeit ganz allein den autarken Eremiten betrifft, ist seine Sinnsuche-Arbeit in dem Sinne wertlos, als sie nicht mit der Arbeit anderer verglichen werden kann. Auch hier wird Arbeit also nicht in eine Skala eingeordnet.</p>
<p>Ganz anders verhielten sich die Philosophen nicht nur der griechischen Antike. Die Akademeia Platon&#8217;s als Versammlungsort f&#252;r die Sinnsuchenden steht der m&#228;rchenhaften H&#246;hle des Einsiedlers, wie wir sie in der christlichen Mythologie antreffen, entgegen.</p>
<p>Ganz diesem Ort entsprechend ist auch die philosophische Publikationsform ihrer Zeit: Der Dialog. Dahinter steckt die grundlegende Annahme, dass die eigene Sinnsuche durch Austausch mit anderen bef&#246;rdert wird &#8211; und zugleich die Sinnsuche jener anderen bef&#246;rdert.</p>
<p>Die &#8211; genauso wie beim Eremiten zweckfreie &#8211; Sinnsuche wird also in diesem sozialistisch-sinnorientiertem Ansatz als gesamtgesellschaftlicher Vorgang begriffen. Dennoch scheint es uns, als seien die Beitr&#228;ge einiger Philosophen zum Fortkommen der Menschheit auf der Sinnsuche gr&#246;&#223;er und damit h&#246;her einzusch&#228;tzen als die anderer.</p>
<p>Dem m&#246;chte ich entgegensetzen, dass sich ein Prozess erst nach seinem Abschluss bewerten l&#228;sst. Bevor er nicht zu einem erkennbaren Ende gekommen ist, l&#228;sst sich kein Werturteil &#252;ber ihn f&#228;llen. Im Volksmund hat sich diese Erkenntnis in dem Sprichwort &#8220;Man soll den Tag nicht vor dem Abend loben&#8221; niedergeschlagen. Da der Sinnsuche-Prozess der Menschheit aber ein endloser Prozess ist, kann er nicht bewertet werden, und somit sind auch hier die Arbeitsbeitr&#228;ge aller Einzelnen wertlos nebeneinander zu stellen.</p>
<p>Damit habe ich also vier Modelle dargestellt, nach denen ich an die gestellte Frage herangehen kann. Sie gruppieren sich um die Begriffe Sinn und Zweck, Gesellschaft und Individuum.</p>
<p>Es ist keine Frage, dass diese Modelle nie in Reinform existieren und daher als reines Ideal zur Beschreibung der Pole dienen. Will ich die gestellte Frage allerdings beantworten, so muss ich mich auf eines dieser Modelle als mein Ideal einer Gesellschaft festlegen. Denn die Frage, wie Arbeit zu bewerten ist, ob es Arbeit von h&#246;herem respektive niedrigerem Wert gibt, ist untrennbar verbunden nach der Frage der idealen Weltordnung.</p>
<p>Ich will denn also damit beschlie&#223;en, mich auf eine sozialistisch-sinnorientierte Weltordnung als mein Ideal einer Gesellschaft festzulegen. Denn das Streben nach einem Zweck erf&#252;llt mich mit einer entsetzlichen Leere, einer Leere, die gerade aus der Sinnlosigkeit dieses Zweckes erw&#228;chst. Es ist kein Wunder, dass die amerikanische Gesellschaft nicht nur gepr&#228;gt ist von neoliberalen individualismus, sondern auch von einer tiefen Religi&#246;sit&#228;t. Allein die nicht in Frage gestellte Existenz des Sinnes Gott erlaubt das zweckorientierte Denken jener Materialisten.</p>
<p>Gerade aber das Fehlen eines solchen Sinnes hat mich Enkel Nietzsches, der nichts mehr hat, an das er nicht glauben kann, zu der Auffassung gebracht, dass das Versenken in den Prozess, und das hei&#223;t eben Gegenwartsbezogenheit, der einzige Ausweg aus der Gefangenheit zwischen Vergangenheit und Zukunft ist. Produktion, die aus dem, was wir gestern hatten, morgen mehr macht, ist ohne Sinn unertr&#228;glich. Einzig der Kreislauf des Schaffens um des Schaffens Willen gibt dem Schaffen durch seine Selbstbezweckheit einen Sinn.</p>
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		<title>Fragen</title>
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		<pubDate>Sat, 14 Feb 2009 01:00:26 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Simon</dc:creator>
				<category><![CDATA[philosophy]]></category>

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		<description><![CDATA[&#8220;Verweigerte&#8221; habe ich lange gedacht, bis ich begriff, dass sie nicht verweigern k&#246;nnten, was sie nicht hatten. Dass sie die Fragen nicht einmal verstanden, auf die ich Antwort suchte und die, mehr und mehr, meinen innigen Zusammenhang mit dem Palast, mit meinen Leuten zerst&#246;rten. Ich merkte es zu sp&#228;t. Das fremde Wesen, das wissen wollte, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<blockquote><p>&#8220;Verweigerte&#8221; habe ich lange gedacht, bis ich begriff, dass sie nicht verweigern k&#246;nnten, was sie nicht hatten. Dass sie die Fragen nicht einmal verstanden, auf die ich Antwort suchte und die, mehr und mehr, meinen innigen Zusammenhang mit dem Palast, mit meinen Leuten zerst&#246;rten. Ich merkte es zu sp&#228;t. Das fremde Wesen, das wissen wollte, hatte sich schon zu weit in mich hineingefressen, ich konnte es nicht mehr loswerden. <em>Christa Wolf, Kassandra</em></p></blockquote>
<p>Fragen macht einsam.</p>
<p>Die Frage ist das sozialste Instrument des Menschen. Die Frage ist das Werkzeug, mit dem wir unsere Kommunikation lenken. Die Frage ist unser Mittel zur Interaktion in einer Welt, in der wir das Intuitive h&#228;ufig kaum mehr wahrnehmen k&#246;nnen.</p>
<p>Es w&#228;re falsch, die Frage anzuklagen.</p>
<p>Wer die falschen Fragen stellt, geht eine Gefahr ein. Das ist ein Roberto Saviano genauso wie ein Sokrates. Sokrates ist gestorben, weil er die Welt in Frage gestellt hat.</p>
<p>Aber haben die Fragen die Stechm&#252;cke erschlagen? </p>
<p>Die Frage ist unschuldig. Es ist die Erwartung einer Antwort, die den auf uns gerichteten Bogen spannt. Mensch Meier kann fragen; aber es bedarf eines Sokrates, keine Antwort zu erwarten; genauer: eine Nicht-Antwort zu erwarten.</p>
<p>T&#246;dlich ist die Erwartung der Unkenntnis, der Machtlosigkeit, der Sinnentleertheit.</p>
<p>An Sokrates wurde nicht anderes ges&#252;hnt als der Mord an den Olympiern; und wenn Nietzsche sp&#228;ter f&#252;r seinen Gottesmord von seinem eigenen Hammer erschlagen wurde, so war es doch die Einsamkeit, die ihn fallen lie&#223;. Beide Fragesteller spannten den auf sie gerichteten Bogen; ihr Henker aber war die Gesellschaft.</p>
<p>Es ist die Tragik der Fragesteller, dass sie gerade f&#252;r die Erkenntnis eines Nicht- versto&#223;en werden. Das Vakuum ihrer Antworten rei&#223;t sie aus den Bindungen der Gesellschaft heraus. Gerade weil sie die Welt ihrer Mitmenschen aus den Angeln zu heben versuchen, werden sie ins All hinausgeschleudert.</p>
<p>Aber auch das Fragenstellen braucht Luft zum Atmen.</p>
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		<title>Tagebuch</title>
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		<pubDate>Thu, 05 Jun 2008 00:03:38 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Simon</dc:creator>
				<category><![CDATA[philosophy]]></category>

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		<description><![CDATA[Ich habe dieses Blog ja nie als Tagebuch verwendet. Ich habe hier allerlei Sachen abgelagert. Einen virtuellen Sandkasten habe ich dieses Blog k&#252;rzlich genannt, vielleicht w&#228;re &#8220;digitaler Dachboden&#8221; ein besserer Ausdruck. Immerhin lagern hier lauter Ideen, Gedanken, Experimente. Sie stauben leicht an &#8211; nat&#252;rlich kann man sie jederzeit wieder entdecken, aber dazu muss man erstmal [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Ich habe dieses Blog ja nie als Tagebuch verwendet.</p>
<p>Ich habe hier allerlei Sachen abgelagert. Einen virtuellen Sandkasten habe ich dieses Blog k&#252;rzlich genannt, vielleicht w&#228;re &#8220;digitaler Dachboden&#8221; ein besserer Ausdruck. Immerhin lagern hier lauter Ideen, Gedanken, Experimente. Sie stauben leicht an &#8211; nat&#252;rlich kann man sie jederzeit wieder entdecken, aber dazu muss man erstmal diese verdammte Leiter hochsteigen, deswegen tut&#8217;s keiner. Also, man kann sie wiederentdecken. Wie der polnische Linguistikstudent, der mir eben eine Frage zu einem &#228;lteren Artikel auf meinem englischsprachigen Blogexperiment gestellt hat. Nur, dass man anders als beim realen Entr&#252;mpeln nichts loswird, wenn man auf den Dachboden geht.</p>
<p>Gut, damit verbunden ist auch der unbegrenzte Stauraum, den dieser digitale Dachboden bietet. Und der ist klasse, im virtuellen Raum kann ich zumindest deutlich besser Ordnung halten als im realen. Wenn etwas neues auftaucht, schafft man sich einfach eine Schublade, einen Ordner, und -zack- ist&#8217;s verstaut.</p>
<p>Raum ist also genug da. Nur die Zeit, die Zeit dehnt sich auch im virtuellen Raum nicht. Und deshalb stehen noch immer ein gutes Dutzend B&#252;cher ungelesen auf meinem Nachttisch, der eigentlich das Brett eines Ivar-Regales (oder wie hei&#223;t der Nachfolger davon?) ist, und immer weniger Artikel in diesem Blog.</p>
<p>Aber wie gesagt, das hier ist kein Tagebuch. Es ist ein digitaler Dachboden, und aktuell habe ich mir leider den Fu&#223; verstaucht. Da kann ich nun wirklich nichts neues die Stiege hochtragen.</p>
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		<title>Freiheit</title>
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		<pubDate>Sun, 27 Apr 2008 19:57:09 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Simon</dc:creator>
				<category><![CDATA[philosophy]]></category>

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		<description><![CDATA[Freiheit ist, der Schlussstein in einem Br&#252;ckenbogen zu sein. Getragen von allen, erdr&#252;ckt von niemandem. Seinen eigenen Platz gefunden zu haben, an dem man Vollendung erreicht. Individualit&#228;t innerhalb der Masse.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Freiheit ist, der Schlussstein in einem Br&#252;ckenbogen zu sein.</p>
<p>Getragen von allen, erdr&#252;ckt von niemandem. Seinen eigenen Platz gefunden zu haben, an dem man Vollendung erreicht.</p>
<p>Individualit&#228;t innerhalb der Masse.</p>
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		<title>Hair!</title>
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		<pubDate>Mon, 22 Oct 2007 21:37:31 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Simon</dc:creator>
				<category><![CDATA[philosophy]]></category>

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		<description><![CDATA[Haare. Genauer: Haupthaar. Haben so ziemlich alle Menschen, ausgenommen Alte und Kranke &#8211; die &#252;blichen Randgruppen halt (Hartz IV&#8217;ler haben aber welches). Seltsamerweise haben diese feinen Ausw&#252;chse auf unseren K&#246;pfen schon seit Jahrtausenden die Aufmerksamkeit allerlei merkw&#252;rdigen Lumpenpacks auf sich gezogen &#8211; jaja, die Priester meine ich. Ob man nun als Samson in der Getreidem&#252;hle [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Haare. Genauer: Haupthaar. Haben so ziemlich alle Menschen, ausgenommen Alte und Kranke &#8211; die &#252;blichen Randgruppen halt (Hartz IV&#8217;ler haben aber welches).</p>
<p>Seltsamerweise haben diese feinen Ausw&#252;chse auf unseren K&#246;pfen schon seit Jahrtausenden die Aufmerksamkeit allerlei merkw&#252;rdigen Lumpenpacks auf sich gezogen &#8211; jaja, die Priester meine ich. Ob man nun als Samson in der Getreidem&#252;hle schuften musste, weil die Geliebte einem die Haare abschnitt &#8211; eben jene Delila, die &#8211; Gl&#252;ck oder Ungl&#252;ck &#8211; Tom Jones (der allerdings auch gar nicht Jones hei&#223;t, daf&#252;r aber mal Staubsauger-Vertreter war) bisher verschont hat (und die Plain White T&#8217;s genauso).<br />
&#220;berhaupt, die Juden haben&#8217;s ja sowieso mit den Haaren: Den Sinn von Schl&#228;fenlocken konnte ich noch nie verstehen, allerdings scheint es, als k&#246;nnte man damit einen Menschen gut &#8220;&#252;ber den Tisch ziehen&#8221; &#8211; ganz praktisch gesehen. Was man mit den Juden, metaphorisch gesehen, sp&#228;ter ja auch noch h&#228;ufig genug gemacht hat. Und Schlimmeres. </p>
<p>Manche Religionen dagegen haben ein ganz anderes Konzept: Haare schneiden f&#252;r Gott. Was bei christlichen M&#246;nchen wohl h&#246;chstens dazu dienen kann, das Keuschheitsgebot einzuhalten &#8211; denn wirklich Vorteilhaft sieht&#8217;s ja nun nicht aus &#8211; ger&#228;t indischen Hindutempeln zum Segen: Kann man dort doch tats&#228;chlich gro&#223;e Einnahmen aus den Haaren geschorener Pilger verzeichnen. Die werden dann in Europa zu Per&#252;cken verarbeitet &#8211; oder uns Ahnungslosen aufs Brot geschmiert, damit die Kruste jenen wunderbar knackig gl&#228;nzenden Schimmer bekommt, der auch altes Brot noch frisch aussehen, aber durchaus nicht besser Schmecken l&#228;sst. Nun ja, das Auge isst mit&#8230;</p>
<p>Und nochmal Haare: Mal wieder am Bahnhof gewesen heute. Keine Punks da. Schon wieder Haare, nicht kurz, nicht lang, sondern farbig bunt als musikalisch-politische Meinungs&#228;u&#223;erung oder vielleicht auch nur Geschmacksverirrung, aber zu hundert Prozent mit erh&#246;htem Auff&#228;lligkeitsfaktor &#8211; den Jugendliche ja generell suchen.<br />
Ob nun Hopper &#8211; mit &#8220;T&#252;rkeniro&#8221;, dem modernen Klon aus Vokuhila und Klob&#252;rste &#8211; oder Metal-H&#246;rer mit Iron Maiden-Vielfarbdruck-Shirt, teuer vom Bier abgespart, und der unvermeidlichen M&#228;hne, die wild peitschend, das Leben des Headbanger pr&#228;gt, jede Subkultur hat ihre Frisur. Und hin und wieder sieht man auch einen verkifften, in unserer Zeit vergessenen Wannabe-Jamaikaner, dessen farbenfrohe M&#252;tze nicht nur an vergangenen und kommenden Drogenrausch gemahnt, sondern auch den Gipfel eines Wurstgeh&#228;nges bildet, welches, als Dreadlocks bekannt, auf die N&#228;he von Reggae und Haschisch schlie&#223;en l&#228;sst. Aber das sind schon keine Jugendlichen mehr, sondern Philo-Studenten. H&#246;rt man zumindest. </p>
<p>Nein, seltsam, dieses Bild bin ich von meiner beh&#252;teten Waldorferziehung kaum gewohnt. Wir, in einer Klasse, in der multi-subkultureller Einheitstrott an Unterschieden herrscht, sind es nicht gewohnt, dass derart segregiert wird. Hier h&#246;rt der Metaler morgen vielleicht doch Techno oder Rap, was leider bedauerlich ist, da er zwar Begeisterung, keinesfalls aber Geschmack transferieren kann, und der Hopper auch mal Soul und Jazz.<br />
Nein, Subkultur, das liegt uns nicht. Nat&#252;rlich, nat&#252;rlich, wir haben sie auch &#8211; jene &#8220;Freaks&#8221;, die scheinbar zielstrebig einer Schlangenlinie ins Nirvana ihrer aktuellen Ausrichtungen steuern. Aber es ist halt so: Du wei&#223;t nicht, was denn morgen ist.</p>
<p>Langeweile? Nicht wirklich, und ein bisschen doch. Langeweile f&#252;r den &#228;u&#223;eren Betrachter: Weder das am&#252;sante Biotop, wie ich es jeden Morgen in der Linie 103 zu seiner Schule fahren sehe, 30 Sch&#252;ler, Dresscode, Uniform, du wei&#223;t, sie h&#246;ren Gangsta Rap &#8211; und zwei Bewacher in quitschgelben Westen. Seltsam, dass gerade in dieser vorgeblichen Einigkeit soviel Zwietracht herrscht&#8230; Nein, kein solches Biotop &#8211; man k&#246;nnte es auch &#8220;Ghetto&#8221; nennen &#8211; und auch nicht jene frei Wildbahn der verr&#252;cktesten Ideen, Konfessionen und Designs, Zusammenleben vieler kleiner Herden&#8230;</p>
<p>Nein, wir sind nicht so. Wir sind ein wenig langweilig. Man sieht hier schon, bei manchen, was ihre iPods ausspucken &#8211; aber eben nicht in jenem &#252;bertriebenen, aufgebl&#228;hten, gedopten Wettlauf der Einzelnen um das extremste Imitat eines unerreichbaren Idealbildes. Klar, dass der Hopper seine Hosen etwas tiefer tr&#228;gt &#8211; nur nicht zu tief. Der Metaler hat die Haare lang &#8211; aber eben nicht immer nur Schwarz in Schwarz mit h&#246;llischem Aufdruck an. Blick nach Rechts, Blick nach Links &#8211; Bluejeans. Am Ende sind wir alle gleich. </p>
<p>So sind auch unsere Haare. Nat&#252;rlich &#8211; jeder hat seinen eigenen Stil. Aber eben eigen, nicht blo&#223;es Mimikri. Hier gibt es keine Leitlinien &#8211; und auch nicht viele Abweicher.<br />
Ich habe vor einigen Tagen alte Bilder gesehen. Das letzte Klassenspiel. Klasse Acht. Lang lang ist&#8217;s her &#8211; und vieles unver&#228;ndert. Erstaunlich, wie Menschen sich ver&#228;ndern konnten und immer noch aussehen wie damals &#8211; etwas gr&#246;&#223;er, erwachsener, klar &#8211; aber eben nicht anders. Kontinuit&#228;t? Einfallslosigkeit?</p>
<p>Ich jedenfalls war heute beim Friseur. Mit &#8220;eu&#8221;. Das hei&#223;t, bei der Friseuse. Auch mit &#8220;eu&#8221;. Sieht anders aus. J&#252;nger, sympathischer, modischer.<br />
Ich bin nicht mehr so sehr Outlaw. Die lange M&#228;hne ist weg. Widerstand gegen das System? Hier gibt es keins. Zeit f&#252;r den Revolution&#228;r, sich zur Ruhe zu setzen. Meine Haare haben keine Macht, ich bin nicht Samson. Und doch ist Abschneiden, F&#228;rben mehr als nur eine Ver&#228;nderung: Es ist auch ein Schritt nach vorn. Wie so viele bisher. Vielleicht, vielleicht wartet doch ein Ziel auf mich&#8230;</p>
<p>Meine Brille passt besser zu dieser Frisur.</p>
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		<title>Mein Weltbild I</title>
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		<pubDate>Thu, 27 Sep 2007 17:45:08 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Simon</dc:creator>
				<category><![CDATA[philosophy]]></category>

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		<description><![CDATA[Alles ist ein Pendel. Seine Schwingung basiert auf der Schwingung unendlich vieler Pendel. Die Schwingung der Pendel ist nicht symmetrisch. Alle Pendel schwingen zeitlich unbegrenzt. Ein Pendel ist ein mathematisches Pendel. Ein Pendel bzw. seine Schwingung hat einige grundlegende Eigenschaften: 1) Seine Schwingung bewegt sich auf einer Kreisbahn 2) Seine Schwingung hat zwei End- (Extrem-) [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Alles ist ein Pendel. Seine Schwingung basiert auf der Schwingung unendlich vieler Pendel. Die Schwingung der Pendel ist nicht symmetrisch. Alle Pendel schwingen zeitlich unbegrenzt. Ein Pendel ist ein <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Mathematisches_Pendel">mathematisches Pendel</a>.</p>
<p>Ein Pendel bzw. seine Schwingung hat einige grundlegende Eigenschaften:</p>
<p>1) Seine Schwingung bewegt sich auf einer Kreisbahn</p>
<p>2) Seine Schwingung hat zwei End- (Extrem-) Punkte</p>
<p>3) Seine Schwingung hat einen mittig gelegenen Schwerpunkt.</p>
<p>Daraus ergibt sich, dass das Pendel auf der Kreisbahn sowohl nach links als auch nach rechts vom Schwerpunkt aus einen Weg von 180° &#8211; (0+°) zur&#252;cklegen kann. Um von einem Extrem zum anderen zu gelangen, muss das Pendel den Schwerpunkt &#252;berschreiten.</p>
<p>Meine Sicht menschlich-sozialer Entwicklung beruht auf diesen Grundlagen eines Pendels.</p>
<p>Dabei bestehen sowohl im Gro&#223;en als auch im Kleinen immer zwei opponierende Positionen, die Extrempunkte der Pendelschwingung.<br />
Der Pendel selbst ist der Konsens der betroffenen Person(engruppe).<br />
Die Schwingung ist die gesellschaftliche Entwicklung.</p>
<p>Ein deutlich gro&#223;es Beispiel w&#228;re dabei die Gegen&#252;berstellung von Konservativismus und Liberalismus. Der Pendel ist in diesem Beispiel der gesellschaftliche Konsens einer Nation.</p>
<p>Beide Extrempunkte bestehen gleichzeitig. Der Pendel bewegt sich kontinuierlich zwischen beiden. Auswirkung auf seine Bewegung haben dabei drei Faktoren, n&#228;mlich</p>
<p>- die Anziehung von Extrempunkt a (Konservativismus)<br />
- die Anziehung von Extrempunkt b (Liberalismus)<br />
- die Tr&#228;gheit des Pendels in Richtung Schwerpunkt (Massentr&#228;gheitspunkt in der Physik, hier Massentr&#228;gheit i.S. der Bev&#246;lkerungsmehrheit)</p>
<p>Die Anziehung der Extrempunkte ist jeweils im zweiten und vierten Kreisabschnitt (von ihnen aus gez&#228;hlt) am st&#228;rksten. Die Tr&#228;gheit ist gleichbleibend.</p>
<p>Alle Menschen der Bev&#246;lkerung befinden sich mit ihrer pers&#246;nlichen Einstellung auf der Kreisbahn. Die Bev&#246;lkerungsmehrheit sammelt sich um den Schwerpunkt, mit Tendenz zur Position des Pendels. Diese ist bestimmt durch das (Un-) Gleichgewicht zwischen den Extrempunkten, verursacht durch die Einstellung der Menschen.</p>
<p>Das Pendel befindet sich nun in st&#228;ndiger Bewegung. Diese wird verursacht durch die Verschiebung der Einstellung der Menschen. Diese Verschiebung entsteht, da sich der Gro&#223;teil der Menschen in Richtung des Mittelpunktes zwischen Schwerpunkt und Pendel orientiert &#8211; was bedeutet, dass in einer konservativen Gesellschaft die gesellschaftliche Mitte liberale ist als der &#246;ffentliche Tenor.<br />
Da allerdings durch die Abnahme der Anziehungskraft der jeweils aktuellen Extreme die opponierende Extreme und die Tr&#228;gheit zum Schwerpunkt st&#228;rker werden, schwingt das Pendel nach dem Erreichen eines gewissen variablen Punktes im dem Extrempunkt nahen Viertel wieder zur&#252;ck.</p>
<p>Das bedeutet konkret, dass eine leicht konservative Gesellschaft konservativer wird, bis diese Einstellung in der &#214;ffentlichkeit mehr als 75 % Zustimmung erreicht, danach einen unendlich kleinen Moment auf diesem &#8220;H&#246;hepunkt&#8221; verweilt, wieder zur&#252;ckschwingt, einen unendlich kurzen Moment auf dem idealen Schwerpunkt verweilt, in dem Konsens (Pendel) und Gesellschaft &#252;bereinstimmen, um dann liberaler zu werden, bis auch hier wieder eine etwa 75 %ige &#220;bermacht entsteht&#8230;</p>
<p>Es gibt einen menschlichen Einfluss auf das Pendel, wenn Menschen eine bewusste Einstellung zum Thema haben. Der Gro&#223;teil der Menschen ist unbewusst. Das bedeutet, dass ein kleiner Anteil der Bev&#246;lkerung die Bewegung des Pendels beeinflusst. Es gibt immer mehr Bewusstsein in den Bereichen, in denen die Anziehungskraft der Extreme am st&#228;rksten ist. Beides beeinflusst sich gegenseitig.</p>
<p>Daraus l&#228;sst sich schlie&#223;en, dass es keine bleibende Ver&#228;nderung geben kann, sondern &#8211; trotz allem scheinbaren Fortschritt &#8211; immer ein Aufeinanderfolgen von Auf- und Abschw&#252;ngen bestehen muss. Allerdings sind auch beide Extrempunkte nicht unver&#228;nderlich &#8211; ihr Kern bleibt zwar bestehen, ihre &#228;u&#223;ere Auspr&#228;gung ist aber Ver&#228;nderungen unterworfen.<br />
Das Ideal ist in jedem Sinne ein Gleichgewicht der Waage, d.h. eine &#220;bereinstimmung von Pendel und Schwerpunkt, pers&#246;nlicher und &#246;ffentlicher Einstellung. Ein Konsens also, der keine Kompromisse verlangt. Dieses Ideal ist nur f&#252;r einen unendlich kurzen Zeitpunkt zu erreichen.</p>
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