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	<title>simoncolumbus &#187; sociology</title>
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		<title>Bitte achten Sie auf Ihre Sprache</title>
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		<pubDate>Sun, 20 Dec 2009 01:39:40 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Simon</dc:creator>
				<category><![CDATA[literature]]></category>
		<category><![CDATA[social_media]]></category>
		<category><![CDATA[sociology]]></category>

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		<description><![CDATA[Am Freitag habe ich auch einmal Consultant gespielt und einigen jungen Leuten Blogs und WordPress.com erkl&#228;rt. Meine russische Freundin Ira, derzeit als Praktikantin in Berlin, hatte mich um Hilfe bei einem Projekt gebeten. Es geht ums &#8220;Deutsch lernen im Vorbeigehen&#8220;: Ira m&#246;chte Lerner der Sprache dazu ermuntern, Geschichten &#252;ber ihre Bekanntschaften mit einzelnen Begriffen zu [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Am Freitag habe ich auch einmal Consultant gespielt und einigen jungen Leuten Blogs und WordPress.com erkl&#228;rt. Meine russische Freundin Ira, derzeit als Praktikantin in Berlin, hatte mich um Hilfe bei einem Projekt gebeten.</p>
<p>Es geht ums &#8220;<a href="http://kreativesschreiben.wordpress.com/">Deutsch lernen im Vorbeigehen</a>&#8220;: Ira m&#246;chte Lerner der Sprache dazu ermuntern, Geschichten &#252;ber ihre Bekanntschaften mit einzelnen Begriffen zu erz&#228;hlen. Eine sch&#246;ne Idee, wie ich finde. Einerseits, weil Blogs ein Medium f&#252;r Geschichtenerz&#228;hler sind, und andererseits, weil ich selber mit vielen W&#246;rtern kleine Geschichten, Ideen und Eselsbr&#252;cken verkn&#252;pfe.</p>
<p>Am Freitag hatte sie dazu einige Mitglieder von <a href="http://www.mitost.org/">MitOst</a> zu einem Workshop geladen. Als ich aus der Berliner K&#228;lte dazustie&#223;, stand noch eine kurze Brainstorming-Session bevor: &#8220;Wie schnappe ich die Worte im Alltag auf?&#8221; Ira hat zu ihren W&#246;rtern schon einige solche Kennenlern-Geschichten aufgeschrieben &#8211; zu einer durfte ich die Erkl&#228;rung f&#252;r den <a href="http://kreativesschreiben.wordpress.com/2009/11/11/wie-habe-ich-das-wort-paragraphenreiter-kennen-gelernt/">Paragraphenreiter</a> beisteuern.</p>
<p>Die Workshop-Teilnehmer sammelten schnell einige Punkte zusammen, die man als Fremdwort-F&#228;nger im Alltag beherzigen sollte. Als Language Geek hatte ich etwas abseits sitzend meinen Spa&#223; daran, der kleinen Gruppe beim Diskutieren zuzusehen. Hin und her ging es, um die richtige Formulierung zu finden.</p>
<p>Die Empfehlung, auf den Kontext zu achten, stand schon auf dem Papier, und &#252;ber die Unterscheidung von Hoch- und Umgangssprache war bereits gesprochen worden, aber ein junger Mann versuchte den anderen noch eine genauere Differenzierung verst&#228;ndlich zu machen. Als er damit auf Ablehnung stie&#223; &#8211; es sei ja schon auf den Kontext hingewiesen worden &#8211; rang er ein wenig mit den Worten, um sein Anliegen klar zu machen, bevor er aufgab. Ich denke, er meinte den Soziolekt &#8211; aber wer kennt sich schon mit linguistischem Fachjargon aus?</p>
<p>Diese Szene f&#252;hrte mir wieder einmal die Hilflosigkeit vor Augen, in der man sich als Sprachenlernender befindet. Im Grunde wird man freiwillig wieder zum Kleinkind, wenn man sich an eine neue Sprache heranwagt: Es fehlen einem die Worte. Ich finde, das ist ein Schritt, der eine ganze Menge Mut erfordert. Freiwillig sprachlos zu werden ist eine gr&#246;&#223;ere Herausforderung, als laut herumzubr&#252;llen.</p>
<p><em>(Ich &#252;berlege im &#252;brigen schon seit l&#228;ngerem, kurze Eintr&#228;ge zu meinen Lieblingsw&#246;rtern zu schreiben. Besonders im Arabischen laufen mir immer wieder Begriffe &#252;ber den Weg, die ich einfach gern habe; h&#228;ufig auch einfach wegen ihres Klanges. Mal sehen, ob ich das mal mache.)</em></p>
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		<title>No Country for Young Men</title>
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		<pubDate>Wed, 05 Aug 2009 22:48:35 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Simon</dc:creator>
				<category><![CDATA[consumerism]]></category>
		<category><![CDATA[politics]]></category>
		<category><![CDATA[sociology]]></category>

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		<description><![CDATA[Das englische Original des Artikel findet sich hier. Ich muss gestehen, den Titel habe ich von Ahmed Al-Omran entlehnt, der damit sein Heimatland Saudi-Arabien beschreibt. Ahmed &#228;u&#223;ert eine Beschwerde, die man recht h&#228;ufig von jungen Saudis und anderen Golf-Arabern h&#246;rt. Um, wie sie sagen, Frauen vor sexueller Bel&#228;stigung zu sch&#252;tzen, verbieten viele Cafés und Restaurants [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Das englische Original des Artikel findet sich <a href="http://www.simoncolumbus.com/2009/08/05/no-country-for-young-men/">hier</a>.</em></p>
<p>Ich muss gestehen, den Titel habe ich von <a href="http://saudijeans.org/2009/08/01/no-country-for-young-men/">Ahmed Al-Omran</a> entlehnt, der damit sein Heimatland Saudi-Arabien beschreibt. </p>
<p>Ahmed &#228;u&#223;ert eine Beschwerde, die man recht h&#228;ufig von jungen Saudis und anderen Golf-Arabern h&#246;rt. Um, wie sie sagen, Frauen vor sexueller Bel&#228;stigung zu sch&#252;tzen, verbieten viele Cafés und Restaurants alleinstehenden M&#228;nnern den Zutritt zu ihren Lokalen. Infolge dessen, und obwohl diese Gesellschaften h&#228;ufig sehr restriktiv gegen&#252;ber Frauen sind, haben diese mehr M&#246;glichkeiten, auszugehen, als ihre m&#228;nnlichen Gegenparts.</p>
<p><a href="http://arabnews.com/?page=13&#038;section=0&#038;article=124864&#038;d=29&#038;m=7&#038;y=2009&#038;pix=kingdom.jpg&#038;category=Local%20Press">Abdu Khal</a> schreibt, &#8220;Wenn du die Menge der Jugendlichen z&#228;hlen w&#252;rdest, die nirgends hingehen k&#246;nnen, weil Einkaufszentren, Parks und Str&#228;nde Familien vorbehalten sind, dann w&#228;hrest du abgesto&#223;en. Was werden die Jugendlichen tun, wenn sie sich gefangen und ausgesto&#223;en wiederfinden?&#8221;</p>
<p>Das ist ein Problem, dem ich jeden Tag begegne. Soziale Beschr&#228;nkungen zwingen junge Menschen dazu, auf den Stra&#223;en herumzuh&#228;ngen. Wenn ich am Abend eines Wochentages zu meinem Lieblingscafé gehe, dann sehe ich Jugendliche, vielleicht ein wenig j&#252;nger als ich selbst, die an schlecht beleuchteten Bushaltestellen und verlassenen Spielpl&#228;tzen herumh&#228;ngen. Vielleicht bemerken sie es nicht einmal, weil sie sich so daran gew&#246;hnt haben, aber ich wette, sie w&#252;rden gerne ihre Situation gegen meine eintauschen.</p>
<p>Allein, sie k&#246;nnen es nicht. Mein Lieblingscafé ist ab acht Uhr f&#252;r Minderj&#228;hrige geschlossen, und genauso ist es in den meisten Lokalen. Eine k&#252;rzlich erschienene <a href="http://jetzt.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/480671">Reportage</a> &#252;ber die Hintergr&#252;nde der drei Jugendlichen, die in M&#252;nchen mehrere Menschen verpr&#252;gelt haben, zitiert einen jungen Schweizer: &#8220;Im Jugendzentrum sind nur Sch&#252;ler und Muschis. In die Bars kommen wir nicht rein. Deswegen h&#228;ngen wir jeden Tag hier [am Bahnhof] rum.&#8221;</p>
<p>Vor einigen Tagen habe ich in einem <a href="http://www.simoncolumbus.com/2009/07/26/city-deems-flashmobs-in-public-space-illegal-says-it-fears-harm-to-public-property/">Artikel</a> &#252;ber das Verbot von Flashmobs in Braunschweig die &#220;berzeugung der Stadt zitiert, dass &#8220;der &#246;ffentliche Raum in Braunschweig ausschlie&#223;lich dem Verkehr [dient], also dem Transfer von Wohnung a zu Wohnung b, von Wohnung a zu Gesch&#228;ft b oder von Gesch&#228;ft a zu Gesch&#228;ft b.&#8221;</p>
<p>Das ist niederschmetternd f&#252;r Teenager, die weder zuhause Ruhe finden noch in kommerziellen Cafés. Wohin sollen sie gehen, wenn &#8220;der &#246;ffentliche Raum ausschlie&#223;lich dem Verkehr dient&#8221;? Ahmed gibt eine Antwort, die f&#252;r saudische Jugendliche genauso zutrifft wie f&#252;r Schweizer: &#8220;Nun, wie werden andere Dinge tun, die du vielleicht nicht m&#246;gen wirst&#8221;.</p>
<p>Dies k&#246;nnte eine Story &#252;ber das Verlangen von Teenagern nach einem Ort zum Abh&#228;ngen sein. Ist es. Aber zugleich m&#246;chte ich dies auch in einem breiteren Kontext sehen. Warum sind junge Menschen gezwungen, auf den Stra&#223;en herumzuh&#228;ngen? Vor allem, weil sie keinen Ort f&#252;r sich selbst haben. Zuhause sind ihre Eltern, in den Cafés gibt es Eigner, die auch nicht gerade ihrer Generation angeh&#246;ren.</p>
<p>Sie haben keinen Ort f&#252;r sich, weil sie keinen bezahlen k&#246;nnen; und aus dem gleichen Grund k&#246;nnen sie sich keinen Zugang zu einem erkaufen (oder hat schon mal wer ein Million&#228;rss&#246;hnchen auf der Stra&#223;e herumh&#228;ngen sehen?). Darin teilen Teenager ein Problem mit anderen sozial marginalisierten Gruppen.</p>
<p>Die Antwort auf diese Situation k&#246;nnte die Schaffung von Commons (zu Deutsch &#8220;Allmende&#8221;) sein. Wenn du schon einmal eine der bestehenden Commons nach Einbruch der Dunkelheit besucht hast, dann wirst du wissen, dass die meisten von ihnen alles andere als einladend sind. Kaum beleuchtete Parks ziehen nun einmal eher jene an, die die Dunkelheit suchen, als rechtschaffene B&#252;rger.</p>
<p>Aber muss das so sein? In alten Zeiten war der Dorfplatz ein Treffpunkt f&#252;r alle B&#252;rger. Ein &#246;ffentlicher Raum, offen f&#252;r die sozialen Aktivit&#228;ten von jedem, der sich dorthin begab. Heute haben wir diesen Platz zu Starbucks verlagert, haben ihn von einem Commons auf privaten Grund verlagert.</p>
<p>Stell dir Commons vor, Orte die nicht sozial ausschlie&#223;end sind, sondern offen f&#252;r jeden. Ein guter Marktplatz sollte gerade so sein. Ich habe das in Br&#252;ssel erlebt: Hunderte Menschen, die auf dem Grote Markt sitzen und sich unterhalten.</p>
<p>Lawrence Lessig beschreibt das Internet als &#8220;Kreatives Commons&#8221;. Diesen Marktplatz m&#246;chte ich ein &#8220;Soziales Commons&#8221; nennen. Und gerade so wie das Internet als Commons kreatives Schaffen erm&#246;glicht, erlaubt ein soziales Commons das Entstehen neuer sozialer Netzwerke. Es ist daher gerade n&#252;tzlich f&#252;r die, die sich noch nicht in der Gesellschaft etabliert haben. Teenager sind nur eine Kategorie davon.</p>
<p>Immer, wenn wir &#252;ber Integration reden, sollten wir &#252;ber Commons reden. Ihre Offenheit erlaubt jedem, an ihnen teilzuhaben, neue Netzwerke zu weben und eine bessere, eine egalit&#228;rere Gesellschaft zu schaffen. Damit ein Land ein &#8220;Country (also) for young (wo)men&#8221; werden kann.</p>
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		<title>Shoveling</title>
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		<pubDate>Mon, 05 Jan 2009 07:55:33 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Simon</dc:creator>
				<category><![CDATA[sociology]]></category>

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		<description><![CDATA[Es hat geschneit, also bin ich einmal fr&#252;h aufgestanden und habe Schnee geschippt (ich w&#252;rde ja fast gerne sagen: geshovelt, so sehr mehr gef&#228;llt mir das englische &#196;quivalent, so sehr mehr hat es den Klang von etwas Leichtem, Sch&#246;nem, das es nicht ist). Nat&#252;rlich h&#246;rt man dabei auch die Schaufeln der Nachbarn, wie sie &#252;ber [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Es hat geschneit, also bin ich einmal fr&#252;h aufgestanden und habe Schnee geschippt (ich w&#252;rde ja fast gerne sagen: geshovelt, so sehr mehr gef&#228;llt mir das englische &#196;quivalent, so sehr mehr hat es den Klang von etwas Leichtem, Sch&#246;nem, das es nicht ist). Nat&#252;rlich h&#246;rt man dabei auch die Schaufeln der Nachbarn, wie sie &#252;ber das Pflaster kratzen, an Kanten h&#228;ngen bleiben und gegen den Schnee ank&#228;mpfen. In einem gewissen Ma&#223;e bildet dieses Kratzen und Krachen die Orchestrierung unserer Wintermorgende. Aber die Ger&#228;usche bleiben doch f&#252;r sich, ihnen liegt nicht gemeinschaftliches inne. </p>
<p>Allein die Idee, eine solche Gemeinschaft k&#246;nne es geben, w&#228;re mir nie gekommen, h&#228;tte ich sie nicht jahrelang vorgeschrieben bekommen. Kaum ein amerikanischer Roman, der ohne diese idyllischen Klischees der, jeder f&#252;r sich arbeitend, vereinten Vorstadt-V&#228;ter, wie sie Laub rechen oder Schneeschippen, eine Legion der Mittelklasse, die den ewigen Drang amerikanischer M&#228;nner nach der Frontier im Kampf gegen die simplen Erscheinungen der Jahreszeiten sublimiert.</p>
<p>Ich wei&#223; nicht, ob es dieses Klischee auch in Deutschland gibt, ich wei&#223; nicht einmal, ob es dieses Gemeinschaft tats&#228;chlich in Amerika gibt, man hat es mir nur erz&#228;hlt. Sicher bin ich nur, dass ich sie nie erlebt, nie gef&#252;hlt habe, und ich bef&#252;rchte (wenn auch die Furcht nur aus dem Gedanken heraus, etwas zu Verpassen, entsteht, wobei ich doch wei&#223;, dass man nicht alles fassen kann&#8230;), ich ahne, dass ich sie auch nie kennen lernen werden.</p>
<p>Es gibt diese bestimmte Art von Traditionen, die an eine enge Gemeinschaft eines Ortes gebunden sind, die dort von allen Mitgliedern wahrgenommen werden und etwas grundlegend Menschliches an sich haben. Das kann ein gemeinsamer Tag sein, ein gemeinsamer Tag, an dem das Laub zusammengerecht (zusammen gerecht) wird, oder Stadtteilfest, von dem jeder wei&#223;, wann es sein wird und wie es sein wird. Zu diesen Traditionen, habe ich meine ganz eigene, kleine Theorie. Leider muss ich sagen: Die Theorie f&#228;llt nicht sehr g&#252;nstig f&#252;r sie aus. Soll hei&#223;en, es wird sie bald schon nicht mehr geben.</p>
<p>Die Zeit der Traditionen, die sich aus einer gemeinsamen Gebundenheit an einen Ort speisen muss mit der verfallenden Bedeutung der R&#228;umlichkeit zuende gehen. Menschen finden sich in der digitalen &#196;ra nicht mehr zusammen, nur weil sie gemeinsam an einem Ort sind &#8211; wir suchen uns Freundeskreise, Peergroups auf dem ganzen Globus.</p>
<p>Gemeinsame Muster dagegen l&#246;sen sich auf. Es wird nie mehr so sein, dass ganze Legionen von Angestellten morgens das Haus verlassen, Scheiben kratzen, 9 to 5 arbeiten. Diese Zeit des Mainstreams ist vorbei, nicht nur f&#252;r die &#8220;Digitale Bohème&#8221;, sondern f&#252;r die Menschheit. Allerdings waren diese verl&#228;ngerten 50er Jahre sowieso nie mehr als eine tr&#252;gerische Zwischenphase &#8211; haben all die Spie&#223;b&#252;rger wirklich je gehofft, die geordnete Welt erhalten zu k&#246;nnen, die sie sich aus der Asche k&#252;nstlich geschaffen hatten?</p>
<p>Was Deutschland und die westliche Welt in den letzten 60 Jahren erlebt war ein kurzer Blick auf eine surreale Sicherheit. Man muss sich aber wundern, wie schnell sich die Menschen daran gew&#246;hnt haben: Mit welcher Verzweiflung klammern sie sich an dieses zum Untergang verdammte Trugbild! Sie klammern sich aber auch an die alten Traditionen, die noch weiter zur&#252;ckgehen als dieses Sch&#246;ne Neue Welt. </p>
<p>Und es ist nur verst&#228;ndlich, dass Traditionen ihren Reiz haben in einer Welt, die nur zu offensichtlich vor unseren Augen auseinanderf&#228;llt wie ein Puzzlespiel, deren Muster zerbersten und den Menschen damit Angst einfl&#246;&#223;en. Traditionen scheinen Halt zu geben in dieser Zeit, in der wir &#252;berflutet werden mit immer neuen Eindr&#252;cken, die zu verarbeiten wir noch nicht gelernt haben.</p>
<p>Aber verlorene Gemeinschaften lassen sich nicht zur&#252;ckholen. Niemand sollte darauf hoffen, die Ruinen der Vergangenheit wieder zu altem Glanz zu errichten. Selbst wenn es gel&#228;nge w&#228;re der Glanz nicht befriedigend. Ich glaube, dass deshalb eine neue Art von Traditionen entstehen wird. Traditionen, die dem neuen Lebensfeld der Menschen entsprechen, die sich mit selbstgew&#228;hlten Gemeinschaften umgeben.</p>
<p>Wer einen Einblick in die Entstehung solcher Traditionen gewinnen m&#246;chte, sollte japanische Literatur lesen. Ich glaube, die japanische Gesellschaft, die einen noch viel radikaleren Umbruch als unsere erlebt hat, deren Familienbild sich noch st&#228;rker gewandelt, deren St&#228;dte noch st&#228;rker geboomt haben, ist im Wandel der Traditionen schon weiter fortgeschritten.</p>
<p>Es sind Traditionen f&#252;r Patchwork- statt Gro&#223;familien, f&#252;r die Forenuser statt Dorfgemeinschaften, f&#252;r Menschen, die sich aus dem Raum gel&#246;st haben und dabei sind, ihre letzte Abh&#228;ngigkeit von den nat&#252;rlichen Widrigkeiten, auf denen die meisten alten Braucht&#252;mer beruhen, zu beenden. </p>
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		<title>Sand</title>
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		<pubDate>Wed, 22 Oct 2008 00:32:13 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Simon</dc:creator>
				<category><![CDATA[sociology]]></category>

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		<description><![CDATA[Individualit&#228;t ist kein Wert, den die Gesellschaft sch&#228;tzt. Sie mag Glattheit statt Kanten, die aus dem Erwartungsrahmen herausragen. Und so lassen wir uns glattschleifen wie Glasscherben im Meer, bis wir zu moralischen Sandk&#246;rnern werden. Wir passen &#252;berall hinein, wir kommen &#252;berall hin &#8211; und gehen in der Masse verloren. Beliebigkeit ersetzt Passion. Es gibt tausende [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Individualit&#228;t ist kein Wert, den die Gesellschaft sch&#228;tzt. Sie mag Glattheit statt Kanten, die aus dem Erwartungsrahmen herausragen. Und so lassen wir uns glattschleifen wie Glasscherben im Meer, bis wir zu moralischen Sandk&#246;rnern werden. Wir passen &#252;berall hinein, wir kommen &#252;berall hin &#8211; und gehen in der Masse verloren. Beliebigkeit ersetzt Passion. Es gibt tausende Kopien von uns, unterschiedslos wie Sand am Meer.<br />
Man muss eine Lupe nehmen, um unsere Einzigartigkeit zu erkennen; es braucht Forscher, die im Eifer ihrer Wissenschaft nach den letzten Kanten an dem runden Korn suchen, um noch einen Unterschied zwischen uns ausmachen zu k&#246;nnen.<br />
Aber wir lassen es mit uns geschehen, denn Kanten gehen nicht Konform mit dem Raster, in das uns die Gesellschaft einsortiert. Sie steht als monstr&#246;ses Gesch&#246;pf des Mittelma&#223;es unserer Vorg&#228;nger vor uns; scheinbar &#252;berragend, -m&#228;chtig; und wir f&#252;rchten, dass sie uns herausgreift, vereinzelt, selektiert, segregiert und aus Angst vor der Solitarit&#228;t fliehen wir uns in die vermeintliche Solidarit&#228;t der Masse. Wir passen uns an, um dazu zu geh&#246;ren, ununterscheidbar zu sein, damit uns das Monster nicht finden kann. Wir legen uns eine ideelle Camouflage auf, ducken unseren Kopf, um nicht herauszuragen.<br />
Wir merken, wie wir uns selbst verlieren, tauschen unsere Identit&#228;t ein gegen die Identit&#228;t mit der Masse, werden eins statt einzigartig. Das Aufgehen in der Masse beraubt uns des Aufbl&#252;hens, aber es nimmt auch die lastende Verantwortung, eine Bl&#252;te werden zu m&#252;ssen von uns. Wir werden zu Moosen, alle miteinander in einer Pflanze verbunden, wir haben gemeinsame Wurzeln und gleichf&#246;rmige Spitzen. Wir sind immergr&#252;n, es gibt keinen Herbst und keinen Fr&#252;hling f&#252;r uns, denn um sie zu begr&#252;&#223;en m&#252;ssten wir hervortreten, aber wir f&#252;rchten es, den ersten Schritt zu machen.<br />
Wir werden so gleich, dass wir nicht mehr anders sein k&#246;nnen. Anders sind nur noch die der anderen Art, wir sehen sie aus der Ferne, beobachten sie, die anderen Moose, wir werfen einen Blick von unserem Baumstumpf herunter auf sie herab, vielleicht recken wir sogar einmal heimlich unsere K&#246;pfe, bewegen uns um Millimeter aus unserer Gleichf&#246;rmigkeit heraus, um uns vor ihrer Andersartigkeit zu ekeln. Ein kurzer Blick gen&#252;gt, um uns selbst unserer Gemeinsamkeit zu versichern. Uns gen&#252;gt, zu wissen, dass wir nicht sie sind, um wir zu sein. Wir definieren uns &#252;ber unser Nicht-Sein. Inexistenz bietet die beste Zuflucht vor der Entdeckung.</p>
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		<title>Digital Maverick</title>
		<link>http://www.simoncolumbus.de/2008/08/19/digital-maverick/</link>
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		<pubDate>Mon, 18 Aug 2008 23:31:39 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Simon</dc:creator>
				<category><![CDATA[sociology]]></category>

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		<description><![CDATA[Zwischen dem Ausf&#252;llen eines Fragebogens f&#252;r DigiActive und ein wenig Heimwerkeln an der Analyse einer Defintion der philosophischen Anthropologie kommt mir ein Gedanke: Es gibt recht viele Namen f&#252;r mich oder eher: meinen Menschenschlag. Auf mich passt sie wohl &#8211; zumindest so genau, wie allgemeine Stereotypen wohl meistens passen &#8211; die Beschreibung eines &#8220;Geeks&#8221;, eines [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Zwischen dem Ausf&#252;llen eines Fragebogens f&#252;r <a href="http://www.digiactive.org">DigiActive</a> und ein wenig Heimwerkeln an der Analyse einer Defintion der philosophischen Anthropologie kommt mir ein Gedanke:</p>
<p>Es gibt recht viele Namen f&#252;r mich oder eher: meinen Menschenschlag.</p>
<p>Auf mich passt sie wohl &#8211; zumindest so genau, wie allgemeine Stereotypen wohl meistens passen &#8211; die Beschreibung eines &#8220;Geeks&#8221;, eines &#8220;Nerds&#8221;. &#8220;Web 2.0 Junkey&#8221; nenne ich mich schonmal scherzhaft &#8211; und hoffe, dass es nicht wirklich eine Sucht ist. &#8220;Internet-Freak&#8221; sage ich, wenn es schnell gehen soll. Solange die so Beantworteten glauben, sie w&#252;ssten, was sich hinter diesem Begriff versteckt &#8211; sie wissen es nicht &#8211; erspart mir das, zu Kosten eines zweifelhaften Rufes, weitere Nachfragen.</p>
<p>Habe ich dagegen mehr Zeit oder einen verst&#228;ndigen Gegen&#252;ber, dann nenne ich mich einen &#8220;Digital Native&#8221; und einen &#8220;Netizen&#8221;, jemanden, der im Web, im Web 2.0 &#8211; wenn es denn so etwas gibt &#8211; zuhause ist.</p>
<p>Man kann durchaus sagen, dass das, was sich hinter diesen Begriffen versteckt, identit&#228;tsstiftend f&#252;r mich ist. So bin ich, der ich jede Jugendkultur, jeden Kult, jeden Hype ablehnt, fr&#252;her glatt verabscheute als die Ent-Individualisierung der im (Main-) Stream Gefangenen, doch noch dazu gekommen, mich &#252;ber mein soziales &#8211; digitales, virtuelles, cyber- &#8211; Umfeld zu identifizieren.</p>
<p>Aber habe ich das so gewollt? Nat&#252;rlich wollte ich <a href="http://www.simoncolumbus.de">mein Blog</a>! <a href="http://www.twitter.com/simoncolumbus">Mein Twitter</a>! <a href="http://www.identi.ca/simoncolumbus">Mein Identi.ca</a>! &#8211; Aber wollte ich mich selbst als &#8211; man w&#228;hle &#8211; Nerd, Internet-Freak oder Digital Native brandmarken?</p>
<p>Die Stasi 2.0 Shirts, mein Laptop, vor allem meine Sprache: Das sind soziale Brandzeichen, und genau wie bei den K&#252;hen in &#8220;Lucky Luke&#8221; zeigen sie an: Da geh&#246;rst du hin!</p>
<p>Und wenn ich weglaufe &#8211; wird dann der Mann, der schneller ist als sein Schatten, mir hinterher reiten und mich einfangen?</p>
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		<title>Deutschland &#8211; T&#252;rkei</title>
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		<pubDate>Mon, 23 Jun 2008 00:24:45 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Simon</dc:creator>
				<category><![CDATA[politics]]></category>
		<category><![CDATA[sociology]]></category>

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		<description><![CDATA[&#8220;Wir gegen die T&#252;rken&#8221; titelte die B**D dazu. Hier in Siegen habe ich bisher mitbekommen, dass bei &#220;bertragungen von Spielen der t&#252;rkischen Nationalmannschaft teilweise mehr Polizisten anwesend waren als bei Spielen der deutschen &#8211; trotz eines Zuschaueraufkommens von weniger als einem Zehntel. Meine Schwester hat sich das Match T&#252;rkei &#8211; Kroatien auf dem Schlossplatz angeschaut. [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>&#8220;Wir gegen die T&#252;rken&#8221; titelte die B**D dazu.</p>
<p>Hier in Siegen habe ich bisher mitbekommen, dass bei &#220;bertragungen von Spielen der t&#252;rkischen Nationalmannschaft teilweise mehr Polizisten anwesend waren als bei Spielen der deutschen &#8211; trotz eines Zuschaueraufkommens von weniger als einem Zehntel.</p>
<p>Meine Schwester hat sich das Match T&#252;rkei &#8211; Kroatien auf dem Schlossplatz angeschaut. Wie immer gab es Kontrollen.</p>
<p>Ein Freund berichtete dazu, er habe einmal aus Jux versucht ohne Kontrolle an den Absperrungen vorbei zu kommen. Er wurde zur&#252;ckgepfiffen, bekam aber erkl&#228;rt, es gehe nur darum, dass keiner Getr&#228;nke mitnehme. Ob er mit einem Schlagstock durchkommen w&#252;rde?</p>
<p>Ja. Nicht nur die Antwort des Kontrolleurs, sondern die Realit&#228;t. Meine Schwester zumindest kam bei besagtem Spiel mit ihrem Opinel-Messer durch die Kontrolle &#8211; obwohl penibel kontrolliert wurde.</p>
<p>Tats&#228;chlich aber nur die &#8220;t&#252;rkisch&#8221; aussehenden Fans &#8211; sogar &#8220;kleine Kinder&#8221; und auch die M&#228;dchen, daran kann es also nicht gelegen haben. Auf diese Benachteiligung angesprochen antwortete ein Wachmann nur, ein solches Verhalten gebe es doch gar nicht.</p>
<p>Ich w&#252;rde ja gerne <a href="http://sprechblase.wordpress.com/2008/06/23/doppelbeflaggung-deutschland-turkei/" target="_blank">Cems</a> Optimismus hinsichtlich des Spieles teilen. Unter diesen Vorzeichen, das selbst und gerade die verantwortlichen &#8220;Ordnungskr&#228;fte&#8221; deutlich rassistisches Verhalten zeigen &#8211; und auch, weil hier bereits nach dem Spiel gegen Polen Personen abgef&#252;hrt werden mussten &#8211; ist das allerdings realistisch nicht m&#246;glich.</p>
<p>So hoffe ich denn darauf, dass die beinahe unvermeidlichen Krawalle wenigstens aus der politisch g&#252;nstigen Richtung, d.h. von Deutschen, ausgehen. Einen besseren Ausgang zu erwarten w&#228;re unverantwortlich gegen&#252;ber meinem Verstand.</p>
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		<title>Tag der Toleranz</title>
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		<pubDate>Fri, 16 Nov 2007 22:18:42 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Simon</dc:creator>
				<category><![CDATA[sociology]]></category>

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		<description><![CDATA[Heute ist der internationale Tag der Toleranz. H&#228;tte das mal einer dem Typen heute mittag gesagt&#8230; So punktgenau konnte es wohl kaum kommen, dass mir ausgerechnet heute ein Ausbund an Intoleranz begegnete. Aber heute Mittag, ich warte gerade am Bahnhof auf einen Freund, kommt mir ein eben solcher entgegen. So ein Jugendlicher, dem man schon [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Heute ist der <a href="http://www.unac.org/en/news_events/un_days/international_days.asp">internationale Tag der Toleranz</a>. H&#228;tte das mal einer dem Typen heute mittag gesagt&#8230;</p>
<p>So punktgenau konnte es wohl kaum kommen, dass mir ausgerechnet heute ein Ausbund an Intoleranz begegnete. Aber heute Mittag, ich warte gerade am Bahnhof auf einen Freund, kommt mir ein eben solcher entgegen. So ein Jugendlicher, dem man schon von weitem ansieht, dass er sein Hirn in der Gel-Tube verloren hat. So einer von denen, die ihre Hose in den Kniekehlen tragen und auch sonst die falschen Gr&#246;&#223;en kaufen. Bissl kleiner als er denkt. Hauptsch&#252;ler, Migrationshintergrund, Gangsta-Rapper.</p>
<p>Ergibt sich da grade ein Bild vor euren Augen? Es ist richtig. Jep, aber absolut. Und warum? Weil es tausende von denen gibt. Tausende kleine Hip Hop-Klone, intollerante kleine Hip Hop-Klone. Eine ganze Welle intolleranter kleiner Hip Hop-Klone, die, zombiegleich, einer wie der andere alles individuelle, individualistische niedermachen, clichéesk Klischees vertreten.</p>
<p>Sagt dieses Subjekt also zu mir: &#8220;Hast du ein Problem?&#8221; &#8211; bzw. nicht-sagte es, denn &#8220;hassu &#8216; problem?&#8221; trifft&#8217;s wohl eher. Sagt auf jeden Fall. Hab&#8217; ich nicht, wieso? Oder doch, das Wetter, aber da kann er ja auch nichts machen. Sag&#8217; ich es ihm also: Ich hab keins. Und er?</p>
<p>Nun, er hat eins. Er hat das verdammte Problem, ein Klischee zu sein. Und weil er ein Klischee ist &#8211; selbst gewollt und doch ohne es zu verstehen &#8211; sagt er jetzt zu mir &#8220;Ey du Schwuchtel!&#8221;. Das steht zwar in keinem Zusammenhang zur bisherigen Konversation, aber wie bei einem Dementen oder &#228;hnlich Kranken, der immer wieder die gleichen S&#228;tze wiederholt, ist es kaum &#252;berraschend. Ich h&#228;tte kaum dagegen gewettet, wenn man&#8217;s genau nehmen will.<br />
Da steht dann also dieses Kleinkind &#8211; geistig, aber wohl auch biologisch unter meinem Niveau &#8211; und glaubt, mich zu beleidigen. Nun, &#8220;glaubt&#8221; soviel, wie ein kleines Skript, dass mit einem festgelegten Vorgang eine festgelegte Auswirkung erzielt. Also glaubt nicht.</p>
<p>Wie auch? Marionetten, Handpuppen glauben nicht. Und was ist dieser nun anderes als eine solche? Nun, ihm fehlt der Spieler. Und da liegt das Problem: Denn k&#246;nnte ich bei einer Marionette den Spieler zur Rechenschaft ziehen, den Autor des Textes &#8211; wem will ich hier entgegentreten?<br />
Gefragt ist meine Toleranz &#8211; und zwar an der Stelle, an der sie einzig gefragt ist: Der Intoleranz des anderen. Weil Toleranz eben nicht gegenseitiger Respekt ist, sondern ein Nachgeben da, wo es dem Frieden dient. Nicht ohne Grund hei&#223;t <em>tolerare</em> im Lateinischen &#8220;ertragen&#8221; &#8211; wenn Respekt das Anerkennen des anderen auf Basis gleicher Regeln ist, dann ist Toleranz das Nachgeben im Angesicht des Versto&#223;es gegen diese Regeln.</p>
<p>Und trotzdem: Wem soll ich entgegentreten &#8211; gegen wen tolerant sein? Es f&#228;llt mir schwer, von einem solchen Kleinkind Eigenst&#228;ndigkeit zu verlangen &#8211; die F&#228;higkeit, sich selbst zu schulen. Aber wer ist dann schuld &#8211; Eltern, Lehrer, Politik?</p>
<p>Keiner. Alle. Er. Am Ende wieder er &#8211; weil er die Konsequenzen sp&#252;ren muss. Heute nicht, morgen nicht. Irgendwann bestimmt.</p>
<p>Wer nicht tolerant ist, wird Opfer der Intoleranz anderer. Der Sozialstaat spendiert keine Manieren.</p>
<p>Ich bin dann einfach gegangen.</p>
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		<title>lauter -isten</title>
		<link>http://www.simoncolumbus.de/2007/09/05/lauter-isten/</link>
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		<pubDate>Wed, 05 Sep 2007 18:32:39 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Simon</dc:creator>
				<category><![CDATA[racism]]></category>
		<category><![CDATA[sociology]]></category>

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		<description><![CDATA[Bild von istoyanov Wir sind nun in der zw&#246;lften Klasse &#8211; bis zur Trennung ist es nicht mehr weit; der Trennung zwischen Abiturienten und Abg&#228;ngern. Eine Trennung nach zw&#246;lf langen Jahren, die viele von uns &#252;ber die ganze Zeit hinweg miterlebt haben. Eine Trennung, die man feiern muss! Waldorfschule: Das ist auch ein Weg der [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p align="center"><img src="http://www.23hq.com/istoyanov/photo/1884891/large?signature=265+1189014019+571981BA425F955091AEA5026D78302847304DCE" title="Dolmabahce Palast" alt="Dolmabahce Palast" align="middle" height="138" width="477" /></p>
<p align="center">Bild von <a href="http://www.23hq.com/istoyanov/photo/1884891">istoyanov</a></p>
<p>Wir sind nun in der zw&#246;lften Klasse &#8211; bis zur Trennung ist es nicht mehr weit; der Trennung zwischen Abiturienten und Abg&#228;ngern. Eine Trennung nach zw&#246;lf langen Jahren, die viele von uns &#252;ber die ganze Zeit hinweg miterlebt haben. Eine Trennung, die man feiern muss!</p>
<p>Waldorfschule: Das ist auch ein Weg der Traditionen. Einschulung, Zweitklasspr&#252;fung, Achtklassspiel, Fremdsprachenspiel, Zw&#246;lftklassspiel, Jahresarbeit. Forstpraktikum, Landwirtsschaftspraktikum, Industrie- und Sozialpraktikum. Kunstfahrt.</p>
<p>Kunstfahrt, das ist kein Ding wie fr&#252;her mehr, wo man noch zwei Wochen lang los zog, um zu zeichnen und zu malen, nach Prag oder Florenz. Das Zentralabitur hat die Pl&#228;ne gestraft, jetzt sind&#8217;s noch sieben, acht Tage, die letzte Klasse war in Barcelona. Nun sind wir dran.</p>
<p>Wenn 34 Sch&#252;ler eine Entscheidung treffen sollen, dann kann man sich der Fronten sicher sein, die schnell entstehen. Wir sind, das kann man wohl sagen, eine Klasse mit geradezu vorbildlicher Gemeinschaft, aber wir sind auch eine Klasse der Abstimmungsduelle. &#220;blicherweise finden sich zwei Gruppen, Vorschl&#228;ge: Die Progressiven, die Abenteurer, die das Neue, Fremde, Ungewohnte suchen, und die Traditionalisten, die nach dem Altbekannten, Guten, Harmonischen streben. Das hatten wir bei unserem <a href="http://www.simoncolumbus.de/?p=236">Klassenspiel</a>, das haben wir bei der Wahl unserer Abschlussfahrt.</p>
<p>F&#252;nf St&#228;dte standen am Montag zur ersten Vorauswahl: Wien, Paris, Barcelona, Amsterdam &#8211; und Istanbul.</p>
<p>Warum: &#8220;- und Istanbul&#8221;? Zum einen, weil ich die Stadt mit einem Mitsch&#252;ler eingebracht habe. Das hei&#223;t, wir beide meldeten uns &#8211; und er sagte &#8220;Istanbul&#8221;. Ich h&#246;rte es &#8211; und war perplex, denn wer kann schon Gedankenlesen? Nichtsdestotrotz, so ist es nun: Da steht das sch&#246;ne Istanbul.</p>
<p>Zwei St&#228;dte fielen von vornherein raus: Paris &#8211; wie m&#246;gen kein Franz&#246;sisch &#8211; und Amsterdam, wer kiffen will, der kann es auch zuhause. Oder so. Bleibt ein Trio. Wer w&#228;hlt was? Nat&#252;rlich kann man nicht nur verallgemeinern: Jeder hat seine eigenen Gr&#252;nde. Aber doch eine kritische Menge die gleichen.</p>
<p>Wien: Das ist &#214;sterreich, fast Deutschland noch, deutsche Sprache &#8211; und EM. Wer will da hin? Die leicht verzagten, &#8220;Home sweet home&#8221;, das ist der eine Teil. Der andere ist &#8211; Rassismus. Das klingt nicht sch&#246;n, aber Wahrheit ist Wahrheit ist manchmal auch unsch&#246;n. Hauptsache Deutsch.</p>
<p>Barcelona: Da war die letzte Klasse. Das ist Sonne, Strand, am Meer &#8211; aber auch Sprachprobleme und, wie man von unseren Vorg&#228;ngern h&#246;rte, kaputte Duschen, schlechte Zimmer. Wer will da hin? Die Sonnenj&#252;nger, Badeg&#228;ste, die Pauschaltouristen. Nat&#252;rlich, eine sch&#246;ne Stadt &#8211; Dalí, Miró, Picasso, Kunst, soviel man will. Aber am Ende z&#228;hlt der Strand. Und, dass man schnell dahin kommt.</p>
<p>Istanbul: Das ist neu. Das ist ungew&#246;hnlich. Das ist &#8211; T&#252;rkei. &#8220;Das ist T&#252;rkei&#8221; &#8211; so positiv wie negativ. Positiv: Die Abenteurer. Eine (fast) ganz andere Kultur, weg aus dem Westen &#8211; hinein in etwas, das man noch nicht kennt. Oder eben doch: Negativ. Das ist T&#252;rkei. Ghettokinder, Kopftuch, Marco W. &#8220;Was sind das f&#252;r Argumente?&#8221; fragt sich der aufgeschlossene Geist. Verzagte Argumente, uninformierte, rassistische.</p>
<p>Es gibt viele -isten in dieser Klasse. Am Ende sind wir alle -isten. Traditionalisten, Rassisten, Sonnenfetischisten, Pauschaltouristen, Artisten &#8211; auf dem Hochseilakt des Konsens. Denn, vor allem: Am Ende Individuen &#8211; nicht Individualisten. Ein jeder eine Stimme, eine Entscheidung, Sieg, Niederlage, Einverst&#228;ndnis. Akzeptanz der Mehrheit. Eine sch&#246;ne Fahrt. Eine letzte Woche noch, zusammen, wie nie wieder.</p>
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